DFB-Aus für Müller, Hummels und Boateng Für den FC Bayern eine gute Nachricht

Für Joachim Löw zu alt, für Niko Kovac noch unersetzbar: Der FC Bayern könnte vom Nationalelf-Aus von Boateng, Hummels und Müller sogar profitieren.

Boateng, Müller und Hummels im Jahr 2017
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Boateng, Müller und Hummels im Jahr 2017

Von Florian Kinast


Beim FC Bayern ist die Laune derzeit ziemlich gut. Zuletzt gab es einen 5:1-Sieg gegen Mönchengladbach, in der Tabelle haben die Münchner den BVB inzwischen wieder eingeholt, in der Champions League hat man gegen Liverpool den Viertelfinaleinzug selbst in der Hand. Und dann wurde am Dienstag auch noch bekannt, dass Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng in der Nationalmannschaft keine Rolle mehr spielen.

Es war, da kann man sich ziemlich sicher sein, eine gute Nachricht für den Verein.

Die beiden Innenverteidiger Hummels und Boateng hatten schon vor dem russischen WM-Debakel Probleme, auch für den FC Bayern waren sie zum Problemfall geworden. Und auf Vereinsebene macht sich das einfach deutlicher, weil regelmäßiger bemerkbar. Boateng plagt sich bereits seit Anfang 2016 mit Verletzungen, ob Schulter oder Rücken, Oberschenkel oder Adduktoren, und zwischendrin riss mal ein Muskel. Zurück zu seiner starken Form von 2014 fand Boateng bisher nicht mehr.

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Hummels, Müller und Boateng: Das Ende einer DFB-Ära

Hummels hingegen hielt sich noch bis Anfang 2018 ganz gut, erlebte vor allem dann vor einem Jahr in der zweiten Saisonhälfte einen Kräfteeinbruch, er wirkte überspielt und offenbarte Konditionsprobleme. Auch in dieser Spielzeit fand er nur selten zu seiner alten Souveränität, lief stattdessen oft nur pumpend hinterher.

Auch wenn Boateng und Hummels auch in München allmählich Auslaufmodelle werden, ganz verzichten kann der FC Bayern auf sie nicht. Zumindest noch nicht. Niko Kovac steht mit seiner Mannschaft vor den entscheidenden Wochen der Saison: der Zweikampf mit Dortmund um den Meistertitel, das Achtelfinalrückspiel gegen Liverpool nächsten Mittwoch (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: SKY), im DFB-Pokal steht der Klub im Viertelfinale gegen Heidenheim - bis Ende Mai steht noch viel an.

Kurz: Die Bayern brauchen Müller, Hummels und Boateng für diese Wochen dringend; und die drei Spieler werden in diesen Wettbewerben zeigen wollen, dass sie noch immer bereit sind für das höchste Fußballniveau, ein letzter Gruß an den Bundestrainer.

Boateng, Hummels und Müller im DFB-Trikot
AFP

Boateng, Hummels und Müller im DFB-Trikot

Erst in der Sommerpause erfolgt auch in München, ganz unabhängig von der Löw-Entscheidung, der große Umbruch. Diesen haben die Bayern teilweise schon eingeleitet. Besonders Hummels und Boateng werden ihn zu spüren bekommen: Benjamin Pavard kommt vom VfB Stuttgart, Lucas Hernández von Atlético Madrid könnte ihm folgen, beides Defensivspezialisten, die auch gut in der Zentrale einsetzbar sind. Dazu Niklas Süle, der aktuell als Verteidiger Nummer eins eingeplant ist. Für das Duo Hummels-Boateng bliebe da nicht mehr viel Spielraum.

Und Thomas Müller? Dass Löw auch auf den WM-Torschützenkönig von 2010 künftig verzichtet, erstaunte noch am meisten. Müller, 29 Jahre, hat immer noch seine brillanten Momente, gerade wenn er auf seiner Lieblingsposition mittig hinter der Spitze spielt, wie er zuletzt in Mönchengladbach zeigte. Und doch wächst auch er im Klub immer mehr in die Rolle des Ergänzungsspielers hinein.

Das DFB-Aus ist gut für den FC Bayern

Das Münchner Trio steuert aufs Karriereende zu, vorbei ist ihre Laufbahn aber noch nicht: Die Verträge von Müller, Hummels und Boateng laufen noch bis Sommer 2021; unklar ist, ob sie so lange in München bleiben wollen, wenn künftig immer häufiger die Bank droht. Vielleicht werden sie mit dem DFB-Aus auch im Verein eine neue Herausforderung suchen. Bei einem anderen Klub. Bevor sie dann wirklich zu alt sind.

Der FC Bayern äußerte sich erst am Mittwochnachmittag zum DFB-Aus seiner drei Spieler. Möglicherweise hatte man die Entscheidung des Bundestrainers mit stillem Wohlwollen vernommen. Drei Spieler weniger, die man für Länderspiele abstellen muss, wo sie nur eine Verletzung riskiert hätten vor den wichtigen Wochen der Saison.

Immerhin: Müller, Hummels und Boateng bleibt nun erspart, sich noch weiter durch Länderspiele zu quälen; eine Nichtnominierung unmittelbar vor der EM 2020 wäre für sie zudem noch bitterer gewesen. Jetzt können sich die drei Profis ihre noch verbliebene Kraft für die Bayern aufsparen. So ist der prompte Zwangsabschied vom DFB langfristig vielleicht das Beste für sie gewesen. Für den FC Bayern ist er das in jedem Fall.

insgesamt 43 Beiträge
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schueler79 06.03.2019
1. Abschiedsspiel
Wäre im Fall von Hummels, Müller und Boateng sehr angebracht, um auch verdiente Nationalspieler/Weltmeister zu ehren. Nichts gegen Podolski oder Odonkor, die ja beide ein Abschiedsspiel hatten, aber der WM Titel wäre ohne die drei gar nicht erst zustandegekommen.
HH-Hamburger-HH 06.03.2019
2. Überraschung
Die Entscheidung des Bundestrainers ist zwar aus heutiger Sicht richtig. Es erstaunt aber doch, dass Löw den Spielern zumindest verbal noch nicht mal ein kleines Hintertürchen offen lässt. Zumindest ein Thomas Müller ist ja mit seinen 29 Jahren durchaus noch jung genug, um ggf. wieder seine alte Form zu finden und eine Option für die Nationalelf zu werden.
hileute 06.03.2019
3. Sicher rixhtig
bleibt aber zu hoffen das sie sich kurz vorm wichtigsten Saisonspiel in Liverpool nicht runterziehen lassen. Jogi hätte durchaus einen günstigeren Zeitpunkt finden können sie rauszuschmeißen, z.b in der winterpause
Dieter Koll 06.03.2019
4. durchaus eine böse....
wenn auch gut nachvollziehbare Schlussfolgerung. Ob einer der drei aber noch jemals an seine Topform anknüpfen wird, wage ich da zu bezweifeln. Ich bin ein großer Fan von Thomas Müller, aber leider reichen seine Leistungen bereits länger nicht mehr für N11 und Stammelf. Die Leistungen von Boateng und Hummels hat der Autor absolut richtig beschrieben.....
A.Schmidt-Ohrn 06.03.2019
5. Interessant
sind die aktuellen Kicker-Durchschnittsnoten der Bayern-Nationalspieler: 3,08 Müller 3,19 Hummels 3,19 Kimmich 3,25 Neuer 3,32 Goretzka 3,37 Gnabry 3,43 Boateng 3,43 Süle Müller als Notenbester, Hummels gleichauf mit Kimmich, Boateng gleichauf mit Süle.
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