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BVB-Profi Hummels: Ein Mann, ein Neuanfang

Aus Dortmund berichtet

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DPA

BVB-Profi Hummels: "So mache ich das immer"

Gegen Bayern München leistete sich Mats Hummels einen folgenschweren Fehler, in Dortmund gärt die Frage: Bleibt der Kapitän beim BVB? Ein Abgang des Innenverteidigers könnte dem kriselnden Klub sogar helfen.

Jürgen Klopp hat eine Menge Übung darin, Formulierungen zu finden, die seine Spieler schützen, und so fiel es dem Dortmunder Trainer nach dem 0:1 gegen den FC Bayern nicht sehr schwer, die spielentscheidende Szene zwar ehrlich, aber doch mit der gebotenen Behutsamkeit zu analysieren.

"Wenn ein Innenverteidiger da raus geht, ist es ganz gut, er gewinnt den Zweikampf, aber eigentlich muss da ein Sechser sein", relativierte Klopp Mats Hummels' misslungenen Versuch, Bayerns Robert Lewandowski den Ball abzunehmen. Drei Sekunden nach dieser Szene stand es 0:1, und auf der Pressetribüne kursierte mal wieder die zuweilen stark strapazierte Reportervokabel "ausgerechnet".

Denn Hummels war der Mann, der nach seinen offen artikulierten Überlegungen über eine mögliche Zukunft bei einem anderen Verein die Schlagzeilen vor dem Top-Spiel dominiert hatte. Nun war ihm der entscheidende Fehler unterlaufen. Wobei das wohl weniger die Folge der enttäuschten Fanreaktionen auf seine Wechselgedanken war als eher eine Konsequenz aus dem Spielverlauf.

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Die Dortmunder hatten erneut unter genau jener Harmlosigkeit gelitten, die schon bei den torlosen Partien in Hamburg und gegen den 1. FC Köln das Hauptproblem gewesen ist. "In der Offensive hat uns vor allem in der ersten Halbzeit die Durchschlagskraft gefehlt", sagte Klopp, und Hummels fühlte sich mitverantwortlich.

Er wollte etwas unternehmen, er wollte den Ball erobern, und einen dieser für den BVB-Fußball so wichtigen Umschaltmomente erzeugen, von denen es derzeit so wenige gibt. Das war zu riskant, und dennoch war Mats Hummels nicht die Hauptursache für diese Niederlage. "Die Effektivität hat den Unterschied gemacht", analysierte der 26-Jährige, dessen Gedanken an die Zukunft nach dem Abpfiff natürlich ein zentrales Thema blieben.

Symbol für die Dortmunder Krisensaison

Lothar Matthäus erneuerte das alte Gerücht, Hummels wechsle zu Manchester United, er habe "oben auf der Tribüne die Summe 45 Millionen gehört und das soll schon ziemlich fest sein", erklärte der TV-Plauderer im Bezahlsender Sky. Der Spieler bestritt das natürlich. Es handle sich lediglich um "Gedankenspiele", sagte Hummels. "Ende 2007 habe ich überlegt, ob ich nach Dortmund oder nach Hoffenheim gehe, dann habe ich irgendwann die Bauchentscheidung gehabt, die Dortmund gesagt hat, und so mache ich das immer."

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Natürlich gibt es ein paar schwarz-gelbe Romantiker, die sich über diese Neigung zur Untreue aufregen, aber solch eine Haltung ist reichlich weltfremd. Viel erstaunlicher als Hummels' Überlegungen über seine persönliche Zukunft war da schon Klopps kaum beachtete Aussage, dass sein Einfluss auf einen möglichen Wechsel "einigermaßen beschränkt" sei.

Denn Hummels' Vertrag läuft noch bis 2017, die Dortmunder könnten - so wie sie es einst bei Robert Lewandowski getan haben - einfach auf eine Einhaltung der Vereinbarung bestehen. Aber das haben sie offensichtlich nicht vor. Vielmehr könnte der Weggang des Kapitäns zu einem zentralen Aspekt des geplanten Umbruchs werden.

Zwar wäre ein Vereinswechsel von Hummels sportlich ein großer Verlust. Dass in einer Transferperiode, in der die Mannschaft grundlegender erneuert werden soll als in den vergangenen Jahren, der vielleicht wertvollste Spieler Abschied nehmen möchte, kann als großes Ärgernis betrachtet werden. Allerdings könnte ein Vereinswechsel des Kapitäns auch positive Folgen haben, denn der Verlauf dieser Dortmunder Krisensaison ist eng verbunden mit diesem Spieler.

In der Hinrunde war sein Körper genauso malade wie die Physis großer Teile des Kaders, Hummels' erstaunliche individuelle Aussetzer spiegelten die chronische Fehlerhaftigkeit der gesamten Abwehr. Außerdem sind Hummels' wohl schon länger vorhandene Zweifel an Dortmunds Leistungsfähigkeit in dieser schwierigen Saison sicher nicht hilfreich gewesen. Ein Weggang des beim FC Bayern ausgebildeten Innenverteidigers, der zu den prägenden Figuren des BVB-Alltags gehört, würde Raum für einen neuen Geist schaffen.

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Bayern in der Einzelkritik: Ausgerechnet Lewandowski
Ein Aspekt des Umbruchs ist ja der Vorsatz, das Wesen dieser irgendwie ermüdeten Meistermannschaft der Jahre 2011 und 2012 zu erneuern. Und weil bis auf Sebastian Kehl alle Spieler vertraglich über den kommenden Sommer hinaus an Borussia Dortmund gebunden sind, wird es gar nicht so einfach werden, viele Profis zu finden, die ihren Platz für Neuzugänge räumen. Ganz abgesehen davon, dass die Millionen, die Hummels kosten würde (es sind wohl eher 30 als die von Matthäus kolportierten 45), der Neuausrichtung auch guttun würden.

Borussia Dortmund - Bayern München 0:1 (0:1)
0:1 Lewandowski (36.)
Dortmund: Weidenfeller - Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Gündogan (79. Mchitarjan) - Blaszczykowski (67. Kagawa), Reus, Kampl (67. Ramos) - Aubameyang
München: Neuer - Benatia, Jérôme Boateng, Dante - Alonso - Rafinha, Lahm (69. Thiago), Schweinsteiger (58. Rode), Bernat - Thomas Müller (79. Götze), Lewandowski
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Aubameyang (4), Schmelzer (4) - Schweinsteiger (3), Alonso (6), Rode (2)

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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1. Hummels ersetzen
vhn 05.04.2015
Bei dem Dortmunder Transfergeschick in der letzten Zeit, habe ich eher Angst davor, was die mit dem Hummels-Geld kaufen. Der BVB wird ausverkauft...
2. Es nervt.
robert.atum 05.04.2015
Haaa, das Thema Marco Reus ist durch - also nehmen sich die Medien jetzt den nächsten...
3. hochbezahlte Söldner
michaeljosef 05.04.2015
Fußballer sind hochbezahlte Söldner, die für den Meistbietenden arbeiten. Vereintreue und -liebe sind im Profifußball für die meisten Spieler nur noch ein Fremdwort! Wo Geld die Welt regiert bleibt das Herz auf der Strecke.
4. Hummels
Levator 05.04.2015
ist Mitverantwortlich für den Niedergang. Ein Verein der 45 Mio für diesen Spieler zahlt, ist nicht mehr ganz bei Trost.
5. Hummels als Kapitän...
roppel 05.04.2015
ist schon riskant. So nett er sich medial nach dem Götze Wechsel ins rechte Licht rückte so selbstverständlich scheint er beim ersten Verpassen der Champions League nun seinen Abgang vorzubereiten. Er will jedoch auch noch dafür geliebt werden, dass er das sinkende Schiff verlässt! Ganz schön clever...
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