Matthias Tischer Herzenssache

Matthias Tischer ist seit 19 Jahren im Verein. Der Torwart war lange Reservist - durch einen Zufall darf er doch noch mithelfen, seiner großen Liebe den Aufstieg zu schenken.

Torhüter Tischer: Erst Reservist, jetzt wieder Hoffnungsträger
Eroll Popova

Torhüter Tischer: Erst Reservist, jetzt wieder Hoffnungsträger

Von Maria Kurth


25.000 Zuschauer bangten, litten und lagen sich am Ende weinend in den Armen. Wieder einmal hatte es nicht gereicht. Durch ein 1:1 gegen den FC St. Pauli verpasste der 1. FC Magdeburg 2007 den Sprung in die 2. Bundesliga. Matthias Tischer saß damals als dritter Keeper auf der Bank. Acht Jahre später hat er wieder die Reservistenrolle inne. Erst als sich Stammkeeper Jan Glinker vor zwei Wochen verletzt hatte, war Tischer auf einmal wieder mittendrin. Plötzlich ist er wieder der Lokalheld, der die Erwartungen im Projekt Aufstiegskampf trägt.

Tischer versteckt die Hände in den Jackentaschen, sein Lachen wirkt schüchtern. Seine Arme gestikulieren beim Reden. Nicht wild in der Luft, eher ruhig, fast so, als wolle er seinen Aussagen Nachdruck verleihen. Als es um seinen Klub und um seine Heimat geht, ballt Tischer die Hände zusammen, zieht sie zu sich an den Körper heran. Herzensangelegenheit. "Ich liebe diese Stadt und ich liebe diesen Verein", sagt er.

Ein Wechsel war für Tischer nie ein Thema

Für einige FCM-Anhänger war es ungewohnt, Tischer fast die komplette Spielzeit nur auf der Bank wahrzunehmen. Er kam 1996 als Jugendspieler und wurde 2005 Teil des Männerteams. In den vergangenen fünf Spielzeiten war Tischer Stammtorhüter. Ein gebürtiger Magdeburger, bodenständig, dem Verein seit fast 20 Jahren treu - Tischer ist der Max Mustermann des Publikumslieblings.

Dauerbrenner Tischer: In den vergangenen fünf Spielzeiten Stammtorhüter
Eroll Popova

Dauerbrenner Tischer: In den vergangenen fünf Spielzeiten Stammtorhüter

Liebe und Profifußball kommen in der Regel als Paradoxon daher. Wenn Tischer von "seinem Verein" redet, ist das anders: "Ich weiß, dass ich mich bei keinem Verein so wohl fühlen werde wie hier in Magdeburg." Dabei gab es in der Vergangenheit genug Gründe, das Weite zu suchen. Genug Angebote gab es ebenfalls, doch ein Wechsel sei nie ein Thema gewesen, obwohl der Klub nach dem verpassten Aufstieg 2007 immer weiter abstürzte.

"Der Druck ist enorm"

"Die Erwartungshaltung von außen war extrem groß, deshalb haben wir das psychologisch nicht hinbekommen. Viele Spieler, die verpflichtet wurden, haben in Magdeburg ihr Potenzial nicht abgerufen", sagt Tischer. Die "Strahlkraft" des Klubnamens sei immens. "Man fährt als 1. FC Magdeburg nicht immer als normaler Regionalligist zu Auswärtsspielen, sondern man wird dort als Europapokalsieger von 1974 wahrgenommen. Der Druck ist dadurch enorm", sagt Tischer.

Ausgerechnet nach der Katastrophensaison 2012, als der Verein nur dank der Regionalliga-Reform nicht abstieg, verlängerte Tischer seinen Vertrag. Neben seiner Heimatverbundenheit sei auch die Verpflichtung von Mario Kallnik als neuer Sportchef entscheidend gewesen: "Ich habe gemerkt, dass sich dadurch etwas entwickeln kann. Was wir in den letzten zwei Jahren hier aufgebaut haben, ist in der vierten Liga einmalig", sagt Tischer. Der größte Unterschied: "Früher wurden relativ schnell Konsequenzen gezogen, wenn es nicht lief. Die Rückendeckung für uns Spieler ist jetzt da."

Anders sah es zu Saisonbeginn aus. Nach der Niederlage gegen die TSG Neustrelitz (1:2) am 10. Spieltag wurden in der MDDC-Arena bereits Härtel-raus-Rufe laut. Die Mannschaft setzte sich zusammen und beschloss einen Neuanfang. "Die neue Philosophie des Trainers musste erst einmal in die Köpfe rein. Wir haben nicht zu 100 Prozent daran geglaubt, dass es funktionieren kann. Wir haben dann entschlossen, diese Linie knallhart umzusetzen, und es hat geklappt", erzählt Tischer. Dass er dabei bisher nur zuschaute - geschenkt: "Wichtig ist, dass der Verein wieder nach oben kommt." Ab sofort wieder mit Matthias Tischer.



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