Scholl erklärt TV-Boykott "Doping hatte in dem Moment überhaupt keine Relevanz"

Beim Confed Cup sorgte ARD-Experte Mehmet Scholl für Irritationen, als er plötzlich bei zwei TV-Übertragungen fehlte. Nun hat der Ex-Fußballprofi die Gründe für sein Fernbleiben erläutert.

Mehmet Scholl (Archivbild von 2012)
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Mehmet Scholl (Archivbild von 2012)


Fünf Wochen nach Ende des Confederations Cup hat sich der frühere Fußballnationalspieler Mehmet Scholl erstmals zu seinem angeblichen Streit mit der ARD geäußert. Der 46-Jährige war zu beiden Halbfinalspielen, bei denen er als ARD-Experte eingeplant war, nicht erschienen. "Ja, es gab eine Meinungsverschiedenheit", hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky seinerzeit bereits eingeräumt. "Künftig wird Scholl aber weiterhin für die 'Sportschau' als Experte tätig sein", hieß es nun auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks.

Konkret war es vor den Halbfinalspielen beim Confed Cup zwischen Deutschland und Mexiko (4:1) sowie Chile und Portugal (3:0 n.E.) um einen Bericht über Doping in der russischen Fußballnationalmannschaft bei der WM drei Jahre zuvor gegangen. Scholl sagte im BR-Hörfunk, dass ihm die Vorberichterstattung zu negativ gewesen sei, und das nicht zum ersten Mal. An diesem Tag habe dieses Dopingthema "nichts in der Sendung verloren" gehabt, sagte Scholl: "Es hatte in dem Moment überhaupt keine Relevanz."

Deshalb, so Scholl, "wollte ich, dass die Story draußen bleibt. Und dann haben die gesagt, die bleibt nicht draußen, und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Daraufhin habe ich gesagt, ich gehe. Und dann bin ich gegangen", sagte der Ex-Profi in seiner Sendung "Mehmets Schollplatten".

Scholl war unterstellt worden, er habe Kritik an Doping im Fußball generell vermeiden wollen. "So ein Käse. Doping ist das Schlimmste für den Sport, das macht den Sport kaputt, den Sportler kaputt, das macht die Glaubwürdigkeit kaputt. Ich habe da eine ganz klare Meinung, Doping muss ganz, ganz hart bestraft werden. Aber an diesem Tag hatte dieses Thema nichts in der Sendung verloren", sagte Scholl zu diesen Vorwürfen.

Meinungskompass

lst/dpa



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Paddel2 07.08.2017
1. Er hat Recht
Ich kann ihn gut verstehen. Vor einem Highlight möchten Fans in Stimmung kommen. Erinnerungen an frühere emotionale Ereignisse, aktuelle Berichte über die spielenden Teams und Taktikdiskussionen sollten im Mittelpunkt stehen. Berichte über Doping sind wichtig, sie sollten aber besser platziert sein.
gammoncrack 07.08.2017
2. Ich frage mich allerdings auch,
warum bei 2 Fußballspielen ohne russische Beteiligung unbedingt das Thema "Doping" einer nicht beteiligten Mannschaft wieder durchgekaut werden muss. Das kann man doch im Fazit eines Wettberwerbs thematisieren, aber doch nicht, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen, denen nichts vorzuwerfen ist.
albatrosmz 07.08.2017
3.
Mehmet Scholl fand offenbar die Kritik an Russland deplatziert, weil russische Spieler an dem zu kommentierenden Spiel ja gar nicht beteiligt waren. Mir geht die Russland-Kritik - bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit - auch auf den Keks." Auch mir wird Scholl mehr und mehr symphatisch. Vor allem wir Deutsche sollten uns unsere maßlose Rußlandkritik ersparen, denn Jahrzehnte jubelten wir über unser "Wunder von Bern". Als Rußland das Wort Doping noch nicht mal schreiben konnte, wurde unsere Fußball-Weltmeister-Mannschaft in Bern durch die Bank gedopt. Auch bei Korruption sollten unsere Medien die Klappe halten, denn es ist auch herausgekommen, daß unser Fußballkaiser Franz auch ein Korruptionskaiser ist. Wenn man dann noch den Bericht zum Dopen in der alten Bundesrepublik kennt, den unser höchstes deutsches Sportgremium für viel Geld in Auftrag gab, dann kann es nur heißen, Klappe halten ARD und Lob an Scholl
Newspeak 07.08.2017
4. ...
Der Sender hat schon recht. Herr Scholl ist als Experte eingekauft, nicht als Programmdirektor. Vielleicht sollte man sich einfach mal weniger wichtig nehmen.
bauausdo 07.08.2017
5. Bloß nicht die Stimmung verderben
Auf keinen Fall Hintergrundberichte! Bloß, weil der Ausrichter von Cup und WM dopt, dass sich die Spritzen biegen, muss man doch nicht darüber berichten. Auch nicht über die Art, wie Stadien im nächsten WM-Land gebaut werden oder die Terror-Connection der heimischen Scheichs in Katar. Macht doch nur das Werbeumfeld kaputt für alle, die kein Statussymbol brauchen.
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