Meistertrainer Max Merkel ist tot

Der frühere Bundesliga-Trainer Max Merkel ist tot. Der gebürtige Wiener starb gestern Abend im Alter von 87 Jahren. Merkel wurde nach seiner aktiven Laufbahn zum gefürchteten Kolumnisten einer Boulevardzeitung, seine Sprüche waren berüchtigt.


Hamburg - Merkels Familie bestätigte heute den Tod des einstigen Trainers. Merkel führte den TSV 1860 München 1966 zum deutschen Meistertitel und 1964 zum Sieg im DFB-Pokal. 1968 gewann er mit dem 1. FC Nürnberg erneut die Meisterschale. International war der zweimalige Nationalspieler (ein Länderspiel für Deutschland 1939, eins für Österreich 1953) in den Niederlanden und Spanien aktiv, wo er Atletico Madrid 1973 zur Meisterschaft führte. Nach seiner Trainerlaufbahn war der für seine markanten Sprüche ("Er ist kein Platzhirsch, eher ein Rehkitz"; über Bayern-Profi Mehmet Scholl) bekannte Merkel Kolumnist der "Bild"-Zeitung.

Doch schon als Trainer war Merkel für seine mitunter flapsigen Bemerkungen berüchtigt. Als Coach der Münchner "Löwen" wurde er 1967 vom DFB zu einer Geldstrafe von 10.000 Mark verdonnert, weil er bemerkte, das einzige Positive am 1. FC Köln sei dessen Maskottchen, der Geißbock: "Und der stinkt auch noch." Über deutsche Funktionäre behauptete er mal: "Die wissen nicht einmal, dass im Ball Luft ist. Die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin sitzt." Und seine Trainingsmethoden erklärte er mit einer Anekdote: "Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter."

Doch Merkel war auch ein harter und vor allem erfolgreicher Arbeiter. "Er war in seiner Zeit einer der besten Trainer in Deutschland", sagte Bayern Münchens Trainer Felix Magath heute, nachdem er von Merkels Tod erfahren hatte: "Der deutsche Fußball beklagt den Verlust einer Persönlichkeit." Merkel hinterlässt seine Frau Marion und eine Tochter (34).

goe/dpa



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