Reaktionen zu Messi und Ronaldo "Ihn hat es am schlimmsten getroffen"

Zur Zukunft in ihren jeweiligen Nationalmannschaften wollten sich Cristiano Ronaldo und Lionel Messi bisher nicht äußern. Doch der Abgesang auf die beiden Stars hat schon begonnen.

Lionel Messi, Cristiano Ronaldo
AFP

Lionel Messi, Cristiano Ronaldo


Am Abend der einsetzenden Götterdämmerung trennten die beiden besten Fußballer des vergangenen Jahrzehnts 1512 Kilometer.

Vereint waren Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in ihrem Schicksal: Die Weltmeisterschaft in Russland geht nun ohne sie weiter, und die Weltmeisterschaft in Katar 2022 ist weit weg. Zu weit. Messi ist 31 Jahre alt, Ronaldo 33 Jahre. Einen grandiosen Abgang von der größten aller Fußballerbühnen werden sie nicht mehr bekommen.

Es war 18.52 Uhr Ortszeit am Samstag in Kasan, als Messi zur Salzsäule erstarrte. "Leo geht es natürlich schlecht, wie uns allen", berichtete Stürmer Sergio Agüero nach dem Ausscheiden gegen Frankreich: "Aber ihn hat es sicher am schlimmsten von uns allen getroffen, aufgrund des ganzen Drucks, der auf ihm bei jedem Spiel für die Seleccion lastet." Die Zeitungen sehen die Zeit zum Umbau gekommen, "mit oder ohne Messi", schrieb "La Nacion": "Eine neue Ära muss eingeläutet werden. Es gab keinen epischen Messi, sondern einen viel irdischeren."

Gut vier Stunden später, um 22.55 Uhr Ortszeit in Sotschi, zog Cristiano Ronaldo seine Kapitänsbinde vom Arm, er bedankte sich beim Schiedsrichter und trat enttäuscht, aber durchaus mit Würde ab. "War es der Abschied einer Legende?", fragte die Zeitung "A Bola". Eine Antwort gab es darauf nicht nach der portugiesischen Niederlage gegen Uruguay. Ronaldo hatte den verletzten Doppeltorschützen Edinson Cavani von Uruguay noch persönlich vom Feld eskortiert, um im Angesicht des drohenden Ausscheidens nur ja keine wertvolle Zeit zu verlieren. Ronaldo tat, was er konnte. Aber es reichte nicht.

Ein ausgebrannter Messi

"Die Besten sind raus, es ist das Ende einer Generation", schrieb die argentinische Zeitung "Ole", und für sie stand auch gleich fest, warum das so ist: Messi und Ronaldo hätten in ihrem Mannschaften "nur wenig Unterstützung" gefunden, deshalb sei es ihnen schwergefallen, "auf gleicher Höhe wie in ihren Klubs zu spielen". Dies ist freilich keine neue Erkenntnis. Doch während Ronaldo noch darum kämpfte, seine Mitspieler auf sein Niveau zu heben, schien Messi dazu nicht die Kraft zu haben und auch nicht den Willen. Er wirkte ausgebrannt.

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Die Wahl zum Weltfußballer dominieren Messi und Ronaldo seit zehn Jahren, jeder wurde fünf Mal ausgezeichnet. Messi gewann mit dem FC Barcelona vier Mal die Champions League und drei Mal die Klub-WM, Ronaldo mit Real Madrid (4) und Manchester United (1) fünf Mal die Champions League und vier Mal die Klub-WM. Die Erfolge mit der Nationalmannschaft? Messi wurde 2008 wenigstens Olympiasieger, ansonsten ist er gescheitert, besonders grandios im WM-Finale 2014 in Rio. Ronaldo dagegen führte Portugal zum EM-Titel 2016 - immerhin ein großer Titel.

Wie Ronaldo hat Messi nun vier WM-Endrunden gespielt, Premiere: 2006 in Deutschland. Eine fünfte WM? Ein Argentinien ohne Messi, des "besten Spielers der Welt", wie Trainer Jorge Sampaoli über ihn sagte, wollen sich viele nicht vorstellen. "Der Einzige, auf den man nicht verzichten kann, ist Messi", sagte sein gealterter Kumpel Javier Mascherano. Allerdings: Messi hat schon mal seinen Rücktritt erklärt aus der Nationalmannschaft, er kehrte zurück, um sich seinen, vor allem aber den Traum der Argentinier vom Titel zu erfüllen. Eine Last, die wohl zu groß ist.

Ronaldo? Sagte am Samstag, es sei "jetzt nicht der Moment", um über die Zukunft zu reden. Das taten andere. "Cristiano", sagte Trainer Fernando Santos, "hat dem Fußball noch viel zu geben. Ich hoffe, dass er bleibt."

him/SID



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
doktordoktormueller 01.07.2018
1. Messi soll den Torwart auf
sein Niveau bringen oder was will man uns hier sagen? Am Ende hat Messi besser gespielt als Ronaldo, der zwei Spiele in Folge völlig abtauchte. Aber bei Messi muss man höhere Ansprüche haben. Messi hat zwei Tore eingeleitet, einige gute Pässe gespielt und auch mal ein Dribbling erfolgreich durchgezogen. Bei Ronaldo ging hingegen gar nichts. an den Offensivbemühungen der Argentinier lag's gegen die Franzosen nicht, Sondern wie gehabt an der schwachen Abwehr. Während die Portugiesen gegen Uruguay relativ stark spielten. Aber nicht wegen Ronaldo. Das ist vielleicht der Druck, den Aguero meint. Bei manchen reicht es, wenn sie ein bisschen aufmunternd in die Hände klatschen, bei Messi verlangt man immer außergewöhnliches. Welcher Spieler würde gedisst, wenn er zwei Tore einleitet?
andreasm.bn 01.07.2018
2. Cr7,....
ich mag ihn nicht, nichtsdestotrotz hat er sich reingehängt in jedem Spiel, vor allem gegen Spanien. Im Gegensatz zu Messi, der hat sich hängen lassen, hat resigniert, von dem war fast nix zu sehen. In vier Jahren werden beide zu alt sein um auf dem Niveau noch Impulse setzen zu können.
hitcher 01.07.2018
3. Superfußballer
Ich werde diese beiden großartigen Fußballer sehr vermissen!
KerKaraje 01.07.2018
4. Mit einem Abgesang
sollte man sich zurückhalten. Ronaldo wird etwa ein Jahr und Messi mindestens zwei Jahre auf Klubebene weiter brillieren. Es stimmt, dass Ronaldo mehr Präsenz und Einsatz zeigte, aber abgesehen von dem Spiel gegen Spanien (1x 11er, 1x Freistoss und ein Tor, das ein totaler Torwartfehler und leicht haltbar war) und eine Standardszene gegen Marokko war er komplett abgemeldet. Tendenziell war Messi Trend sogar besser: Tor im dritten Gruppenspiel und zwei Assists gegen Frankreich. Entscheidend ist aber, dass Ronaldo im Mittelfeld mindestens zwei kreative und ballsichere Spieler neben sich hat, die dynamisch sind und Löcher aufreissen können, u.a. Joao Mario. Messi hat dort niemanden. Wichtiger: Ronaldo hat "hinter" sich eine stabile Abwehr und einen guten Torwart, Messi hingegen dort nur äusserst mässige Spieler, die kaum in der Lage waren, für Sicherheit zu sorgen, geschweige denn Spielaufbau zu betreiben.
dr.joe.66 02.07.2018
5. Mentalitäts-Thema
Zitat von doktordoktormuellersein Niveau bringen oder was will man uns hier sagen? Am Ende hat Messi besser gespielt als Ronaldo, der zwei Spiele in Folge völlig abtauchte. Aber bei Messi muss man höhere Ansprüche haben. Messi hat zwei Tore eingeleitet, einige gute Pässe gespielt und auch mal ein Dribbling erfolgreich durchgezogen. Bei Ronaldo ging hingegen gar nichts. an den Offensivbemühungen der Argentinier lag's gegen die Franzosen nicht, Sondern wie gehabt an der schwachen Abwehr. Während die Portugiesen gegen Uruguay relativ stark spielten. Aber nicht wegen Ronaldo. Das ist vielleicht der Druck, den Aguero meint. Bei manchen reicht es, wenn sie ein bisschen aufmunternd in die Hände klatschen, bei Messi verlangt man immer außergewöhnliches. Welcher Spieler würde gedisst, wenn er zwei Tore einleitet?
Ronaldo ist ein Anführer-Typ, egal wo er spielt. Ja, manchmal taucht er ein Spiel komplett ab. Aber er hängt sich immer voll rein, ist sich auch für Sprints nach hinten nicht zu schade. Er ist zurecht Kapitän und Anführer. Messi ist das nicht. Er ist ein absolut genialer Fußballer, und vor Allem dann am besten, wenn er wenig Druck und viele Freiheiten hat. So wie bei Barca. Aber für Argentinien soll er alles alleine schaffen. Dabei haben die doch Top-Spieler genug. Warum ist nicht Mascherano oder Higuain Kapitän? Aus meiner Sicht ist das ein Trainer-Fehler. Warum setzt man den besten Fußballer genau dort ein, wo ihm die Mentalität fehlt?
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