Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Messis Tor-Gala: Gott zerstört Leverkusen

Aus Barcelona berichtet

Es war eine Demütigung, exekutiert vom besten Fußballer der Welt: Gegen einen überirdischen Lionel Messi war Bayer in der Champions League völlig überfordert. Für Leverkusen kann es nach der 7:1-Lehrstunde von Barcelona nur noch darum gehen, kein dauerhaftes Trauma davonzutragen.

AP

Lionel Messi trippelte direkt nach dem Abpfiff wie in den 90 Minuten zuvor an allen Gegenspielern vorbei, bückte sich kurz und sammelte den Ball auf. Das Spielgerät dieses Abends war selbst für den Superstar des Weltfußballs noch ein besonderes Souvenir. Niemand, nicht einmal der Schiedsrichter, mochte diesem Wunsch widersprechen. Zu groß war die Anerkennung vor Messis Leistung beim 7:1 (2:0)-Spektakel seines FC Barcelona gegen Bayer Leverkusen. Erstmals in der Historie der Champions League schaffte es ein Spieler, in einer Partie fünf Tore zu erzielen.

"Messi ist auf einer Stufe mit Cruyff, Maradona und Pelé. Er gehört zu den besten Fußballern aller Zeiten", sagte Bayers Manager Rudi Völler. Leverkusens Trainer Robin Dutt sprach von einem "Außerirdischen", Barças Trainer Pep Guardiola nannte Messi "ein Geschenk".

Dass der 169-Zentimeter kleine Wirbelwind als der beste Fußballer auf dem Globus gilt, war auch schon vor seinem Galaabend gegen die Rheinländer hinlänglich bekannt. Auf Vereinsebene hat er schließlich bereits alle möglichen Titel mit den Katalanen errungen, er ist aktuell zum dritten Mal zum Weltfußballer gewählt worden. Doch dieser Fünferpack gegen Bayer lässt die Fußballwelt noch einmal staunend, kopfschüttelnd und sich verbeugend zurück. "Er ist ein Fußballgott", sagt Carles Puyol, Messis Mitspieler, der am Mittwoch verletzungsbedingt passen musste.

Maradona empfiehlt das "Studienfach Messi"

Fotostrecke

11  Bilder
Champions League: Überragender Messi schießt Leverkusen ab
Der Fußballgott Messi hat tatsächlich kaum fassbare Fähigkeiten. Sein Dribbling, sein präziser Torschuss, sein Antritt und sein Instinkt sind unvergleichbar. Diego Maradona hat einmal empfohlen, ein "Studienfach Messi" einzurichten, um dem Phänomen auf die Schliche zu kommen. Doch bei allem Lobgesang für den erst 24-Jährigen, muss auch erwähnt werden, dass der Argentinier mit Bayer noch nicht einmal einen unterklassigen Sparringspartner vorgesetzt bekommen hat. Die Werkself, die in den vergangenen Wochen einen klaren Aufwärtstrend erkennen ließ, wirkte gegen Barcelona wie eine Ansammlung von Freizeitkickern, die sich der weltbesten Mannschaft entgegenzustellen versuchte. "So wie heute darf man einfach nicht verlieren", sagte Völler.

Bayers taktisches Konzept war darauf ausgerichtet, Barcelona früh zu pressen und zu versuchen, die 1:3-Hinspielniederlage irgendwie zu reparieren. "Aber wenn man ehrlich ist: Gegen eine solche Mannschaft darf man erst gar nicht versuchen mitzuspielen. Man muss sich wohl eher hinten reinstellen und mauern", sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. Jedes Aufrücken des Tabellenfünften der Bundesliga wurde direkt von den Spaniern bestraft, der 0:2-Halbzeitrückstand war noch mehr als schmeichelhaft. "Wir haben uns eigentlich vorgenommen, es im zweiten Durchgang allen zu zeigen. Aber das ist gründlich nach hinten losgegangen", sagte Daniel Schwaab.

Der Abwehrmann musste nämlich auch in den zweiten 45 Minuten zuschauen, wie Messi sich in den Fußballolymp spielte. Nach seinen zwei Treffern aus dem ersten Durchgang, setzte der Argentinier nach der Pause drei weitere drauf. "Der ist kaum zu verteidigen. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht zu ungestüm ist, denn dann dreht er sich so komisch in einen hinein und lässt einen völlig ins Leere laufen", sagte Schwaab.

Bayers Spieler trauten sich nicht einmal, Messi zu foulen

Vielleicht ist das der Grund, warum die Bayer-Akteure Messi nicht ein einziges Mal während des Spiels gefoult haben. Vielleicht ist dieses körperlose Spielen aber auch nur das Sinnbild für den völlig desolaten, mut- und kampflosen Auftritt Bayers. Anders lässt sich auch kaum erklären, warum Leverkusen sich im Nou Camp-Stadion lediglich 23, 2 Prozent Ballbesitz erspielte und nur 280 Pässe zustande brachte. Barcelona hatte insgesamt satte 960 Pässe bei 76, 8 Prozent Ballbesitz (Quelle: Opta Sports). "Das war heute eine Laufeinheit", fasste es Stefan Reinartz sarkastisch aber prägnant zusammen.

"Natürlich hat man Angst, dass die Leistung ein bisschen in den Köpfen hängen bleibt", sagte Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser beim mitternächtlichen Bankett. Doch dies wäre für die Ziele Bayers fatal, denn auf Leverkusen warten in den Märzwochen mit dem VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und dem FC Schalke 04 ganz schwere Bundesliga-Brocken. Es wird spannend sein zu beobachten, wie Trainer Dutt diese Demontage aus den Bayer-Köpfen heraus bekommen will.

Messi hingegen mag das völlig egal sein. Er befindet sich einmal mehr auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Mit seinen zwölf Treffern aus sieben Spielen hat er seinen eigenen Saison-Torerekord in der Königsklasse bereits nach dem Achtelfinale eingestellt. Und auch die Torjägerkanone in diesem Wettbewerb sollte er nun zum vierten Mal in Folge gewinnen können. Trotzdem bleibt er bescheiden: "Wichtig ist, wie wir es als Team gemacht haben und dass wir die Runde überstanden haben. Wir wollen die Champions League gewinnen."

Der Fußballgott hat noch lange nicht genug.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 192 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Peinlich Bayer
stampler2 08.03.2012
Zitat von sysopAPEs war eine Demütigung, vorgenommen vom besten Fußballer der Welt: Bayer Leverkusen war gegen einen überirdischen Lionel Messi in der Champions League völlig überfordert. Für Bayer kann es nach der Lehrstunde von Barcelona nur noch darum gehen, kein Trauma davonzutragen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,820019,00.html
Bayern Leverkusen ist nur Mittelmass. Von daher ist das Ergebnis entsprechend und war auch zu erwarten. Dass Messi 5 Buden macht, ist schön für ihn, aber gegen LEV ist das auch keine Kunst. Trotzdem Glückwunsch zum Rekord.
2. Bayer - eine leblose Hülle
andydevine 08.03.2012
Das war eine Schande für den deutschen Fußball! Bayer hat eine blamable Leistung abgeliefert, da hätte eine A-Jugendmannschaft nicht wesentlich schlechter performt. Ein 1/8-Finale in dieser Form abzuschenken ist peinlich. Barca war in allen Bereichen überlegen, vor allem auch in puncto Einstellung! Messi ist nicht nur der Beste, sondern auch super symphatisch!
3.
jenzy 08.03.2012
Zitat von stampler2Bayern Leverkusen ist nur Mittelmass. Von daher ist das Ergebnis entsprechend und war auch zu erwarten. Dass Messi 5 Buden macht, ist schön für ihn, aber gegen LEV ist das auch keine Kunst. Trotzdem Glückwunsch zum Rekord.
was sagt uns dann das 2:0 von leverkusen gegen die bayern???
4. xxx
styxx66 08.03.2012
Zitat von sysopAPEs war eine Demütigung, vorgenommen vom besten Fußballer der Welt: Bayer Leverkusen war gegen einen überirdischen Lionel Messi in der Champions League völlig überfordert. Für Bayer kann es nach der Lehrstunde von Barcelona nur noch darum gehen, kein Trauma davonzutragen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,820019,00.html
Demütigung trifft es sehr gut. Nur hat Bayer in der zweiten Halbzeit alles getan um diese Demütigung überhaupt zu ermöglichen. Das war für meine Begriffe schon Arbeitsverweigerung. Andächtig schauten die Bayer-Bubis zu, exakt wie im Hinspiel, wie Messi zauberte. Keine Pressing, keine Agression, keinen Überblick, warum gingen die eigentlich nicht schon vorzeitig zum Duschen. Nach dem BVB-Versagen die zweite deutsche Mannschaft, die unseren Fussball total lächerlich machte. In diesen Teams spielen "Nationalspieler" die Europameister werden wollen. Ich glaube da klaffen Wunschdenken und Wirklichkeit meilenweit auseinander.
5. Ach je
Svenner80 08.03.2012
Zitat von sysopAPEs war eine Demütigung, vorgenommen vom besten Fußballer der Welt: Bayer Leverkusen war gegen einen überirdischen Lionel Messi in der Champions League völlig überfordert. Für Bayer kann es nach der Lehrstunde von Barcelona nur noch darum gehen, kein Trauma davonzutragen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,820019,00.html
Naja, naja. Barca schießt an guten Tagen halt 4-5 Tore gegen jede Mannschaft dieser Welt. Schon vergessen, wie selbst ein hochmotiviertes Real 5 Tore im eigenen Stadion kassiert hat? Leverkusen hat halt versucht mitzuspielen - klar mit Gemauere wären es mglw. nur 4 oder 5 Tore gewesen. Ist aber am Ende nicht so wichtig. So wie Fussball heutzutage gespielt wird UND mit Messi sind selbst 7 Tore nicht die Blamage, als die sie jetzt dargestellt wird. Solange man nicht die Trikots in der Halbzeit tauschen will und ansatzweise den Willen zum Mitspielen erkennen lässt (war ja wohl der Fall) ist es schon okay.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Weltfußballer: Lothar, George und Lionel

Alle Weltfußballer des Jahres
Jahr Name
2014 Cristiano Ronaldo (Portugal)
2013 Cristiano Ronaldo (Portugal)
2012 Lionel Messi (Argentinien)
2011 Lionel Messi (Argentinien)
2010 Lionel Messi (Argentinien)
2009 Lionel Messi (Argentinien)
2008 Cristiano Ronaldo (Portugal)
2007 Kaká (Brasilien)
2006 Fabio Cannavaro (Italien)
2005 Ronaldinho (Brasilien)
2004 Ronaldinho (Brasilien)
2003 Zinedine Zidane (Frankreich)
2002 Ronaldo (Brasilien)
2001 Luís Figo (Portugal)
2000 Zinedine Zidane (Frankreich)
1999 Rivaldo (Brasilien)
1998 Zinedine Zidane (Frankreich)
1997 Ronaldo (Brasilien)
1996 Ronaldo (Brasilien)
1995 George Weah (Liberia)
1994 Romário (Brasilien)
1993 Roberto Baggio (Italien)
1992 Marco van Basten (Niederlande)
1991 Lothar Matthäus (Deutschland)


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: