DFB-Star Özil Der Leichtfuß

Mesut Özil kämpft mal wieder mit seinen Kritikern: Die Körpersprache, die hängenden Schultern - die Vorwürfe gegen den 28-Jährigen sind seit Jahren dieselben. Ob sie wirklich berechtigt sind, spielt schon längst keine Rolle mehr.

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Aus Stuttgart berichtet


Man mag es kaum glauben, aber manchmal platzt sogar Mesut Özil der Kragen. Der Nationalspieler gilt beileibe nicht als Wortführer, denn wenn er auch viele Qualitäten hat, Eloquenz gehört nicht unbedingt dazu. Aber dieses Mal musste er eine Botschaft loswerden, und das tut Özil dann meistens in den sozialen Netzwerken.

So verbreitete der Arsenal-Profi dort einen Brief an seine Kritiker aus England: "Hört auf zu reden und fangt an, den Klub zu unterstützen." Özil hatte sich zuletzt vor allem von früheren Arsenal-Helden mal wieder einiges anhören müssen, und die Vorwürfe sind immer dieselben. Özil kann sie mittlerweile selbst herunterbeten: "'Zu teuer, zu gierig, schlechte Körpersprache und zu wenig Kampfgeist' - das wurde über mich gesagt", zitiert er das, was seit Jahren Thema ist. Ein klassisches Kneipengespräch über Özil kommt ohne diese Kritikpunkte nicht aus. Das stamme aber samt und sonders "von Leuten, die mich nicht kennen", sagt der 28-Jährige.

Dass der Saisonstart mit Arsenal komplett in die Hose gegangen ist und Özil daran seinen Anteil hat, ist unbestritten. Von ihm wird mehr erwartet als von Anderen, das ist Teil seines Problems. Als die Londoner zuletzt beim FC Liverpool 0:4 demontiert wurden, war Özil so gut wie nicht vorhanden, englische Medien berichteten, er habe sich "teilnahmslos" auf dem Platz verhalten. Kritik dieser Art - nichts Neues.

Die berühmten hängenden Schultern

Wohl bei keinem anderen Nationalspieler wird so oft das Wort "Körpersprache" ins Gespräch gebracht, die Analysten auf der Tribüne und vorm Fernseher glauben, an den hängenden Schultern Özils ganz deutlich erkennen zu können, dass er zu wenig Siegeswillen hat. Es sind mittlerweile mit Sicherheit die berühmtesten hängenden Schultern des Weltfußballs. Als Deutschland Weltmeister wurde, hat niemand gesagt: Es lag an Mesut Özil. Obwohl er bei allen Spielen dabei war.

Die Nummer zehn der DFB-Elf ist jetzt seit acht Jahren Nationalspieler, am Montag gegen Norwegen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) macht er sein 84. Länderspiel, er war jahrelang Stammspieler bei Real Madrid, der FC Arsenal ließ ihn sich 50 Millionen Euro kosten, heute wären es vermutlich einige Millionen mehr. Er ist U21-Europameister, Weltmeister, WM-Dritter geworden, Meister und Pokalsieger in Spanien. Das ist ziemlich viel für einen ohne Siegeswillen.

Um Özil wird viel und dauernd diskutiert, seine Wertschätzung in Deutschland war nie ganz oben, aber wenn es darum geht, mit welcher Aufstellung die Nationalmannschaft in wichtige Spiele geht, dann ist er gesetzt. Und wenn man es ernsthaft angeht, stellt niemand die Frage, was denn der Özil in der Startelf wieder zu suchen habe.

Er hatte großen Anteil am Erfolg gegen Tschechien

Am Freitag in Prag beim 2:1-Erfolg über Tschechien hat Özil mal wieder gezeigt, was er kann. Wie leichtfüßig er das Führungstor der Deutschen durch Timo Werner vorbereitet hat, mit einem Pass, der nicht nur genau im richtigen Moment erfolgte, sondern auch genau an die richtige Stelle, so etwas können nur wenige Fußballprofis weltweit.

Aber er ist und bleibt derjenige, der in der Öffentlichkeit unter Wert läuft. Weil er lieber bei Instagram oder Facebook postet, statt sich vor eine Fernsehkamera zu stellen. Und wenn er es mal tut, hat man das, was er sagt, meistens schon nach wenigen Augenblicken wieder vergessen. Weil er selten Position bezieht, man erinnere sich daran, wie er sich winden musste, als damals alle Welt von ihm wissen wollte, warum er lieber für Deutschland als für die Türkei spielt. Das ist Jahre her, aber an der Scheu Özils hat sich seitdem wenig geändert.

Dass er jetzt in der "Welt" mal im Interview über seine Kindheit spricht, darüber, später mal eine Weltreise machen zu wollen, weil er nach der Karriere endlich Zeit hat, das ist für ihn schon der Gipfel der Selbstüberwindung. Ab und an äußert er sich über seine Religion als gläubiger Muslim, das ist ihm ein Anliegen, aber am liebsten will er nur Fußball spielen.

In der Vorwoche spülte die Endphase der Transferperiode das Gerücht an die Öffentlichkeit, Özil wolle noch im letzten Moment zum FC Barcelona wechseln. Die Katalanen hätten gesteigertes Interesse an ihm. Das war vielleicht nur Spekulation, aus dem Wechsel wurde jedenfalls nichts. Wahrscheinlich hat jemand die Barça-Scouts dann doch noch auf die hängenden Schultern aufmerksam gemacht. Damit war das Thema natürlich erledigt.



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
hnf0506 04.09.2017
1. Spiel rumgerissen?
Kann mich nicht daran erinnern, dass es so etwas 'mal gegeben hat!? Und natürlich ist er ein exzellenter Spieler........
trackingerror 04.09.2017
2.
Er hat zwar viel gewonnen, aber weltklasse ist er trotzdem nicht. Dafür hat er zu oft gegen große Gegner schlecht gespielt. Er hat definitiv internationale Klasse. Aber ja: dieses stereotype Özil-Bashing nervt langsam. Letztendlich sind die knallharten Statistiken entscheidend und sicher nicht, ob seine Schultern "hängen". Eigentlich unverschämt: nach all den Jahren sollte man doch eigentlich verstanden haben, dass er aufgrund seiner körperlichen Veranlagung wohl einfach nur so wirkt.
Bürger Bü 04.09.2017
3. Hymne
Ich finde Nationalspieler sollte die Hymne mitbrummen oder für ein Land spielen für das sie die Hymne mitbrummen wollen.
vliege 04.09.2017
4. Früher nannte man sowas
schlampiges Genie. Özil hat viel zu selten herausragende Momente aus seinem durchaus vorhandenem können gezaubert. Özil erinnert mich an Schönwetterfussballer aus Südamerika. Wenn die Lust und Laune haben spielen sie sehr gut, wenn nicht lassen diese sich schnell hängen.
stoffi 04.09.2017
5. Er ist zwar ein sehr guter Spieler
allerdings kommt es bei ihm immer auf die Tagesform an. Es ist kein Verlass auf gute Leistung, auch wenn er heute super spielt, ist morgen vielleicht alles gtottenschlecht.
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