Medienbericht Löw wusste vorab nichts von Özils Rücktritt

Dass Mesut Özil sich aus der Fußballnationalmannschaft zurückzieht, hat Bundestrainer Joachim Löw einem Bericht zufolge erst aus dem Internet erfahren.

Özil und Löw im WM-Trainingslager
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Özil und Löw im WM-Trainingslager


Auch Fußball-Bundestrainer Joachim Löw wusste bis zum Sonntagabend nichts über den Rücktritt Mesut Özils aus der Nationalmannschaft, er erfuhr es erst aus dem Internet. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung hatte Özils Berater Erkut Sögüt den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nur informiert, dass es am Sonntag eine Stellungnahme seines Klienten geben werde. "Weder der Bundestrainer noch ich waren vorab informiert", sagte Löws Berater Harun Arslan der Zeitung.

Löw befindet sich derzeit im Urlaub auf Sardinien. Arslan betreut ihn schon seit vielen Jahren und handelte auch dessen Verträge mit dem DFB aus. Laut "Bild" kooperiert Arslan seit Jahresbeginn auch mit Sögüt sowie mit Ilhan Gündogan, dem Onkel und Berater von Nationalspieler Ilkay Gündogan. Ziel sei es, bei Transferprojekten zusammenzuarbeiten.

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Mesut Özil: Der Rückzug

Özil hatte am Sonntag online drei Erklärungen veröffentlicht und seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Dabei kritisierte er den DFB und vor allem dessen Präsidenten Reinhard Grindel sowie deutsche Medien und Sponsoren (wie genau Özil argumentiert, können Sie hier nachlesen). Özil verteidigte in den Statements auch seine umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan - die Bilder hatten die Affäre im Mai ausgelöst.

Video zum Özil-Rücktritt: Integrationsdebatte ist neu entflammt

Der DFB wies die Rassismusvorwürfe Özils am Montag zurück. "Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir (...) in aller Deutlichkeit zurück", hieß es in der Mitteilung des Verbands. Man bedauere den Abschied Özils und wolle seine "erfolgreiche Integrationsarbeit weiter konsequent" fortsetzen.

Aus der Politik und der türkischen Gemeinde gab es Stimmen, die Grindel zum Rücktritt aufforderten. Grünen-Politiker Cem Özdemir sagte der "Welt", der DFB hätte unmittelbar nach Özils Foto mit Erdogan eingreifen und die Sache bereinigen müssen. "Herr Grindel sollte sich kritisch hinterfragen, ob er noch der richtige Mann ist für dieses Amt." Weitere Reaktionen lesen Sie im Folgenden:

"Grindel hätte gehen sollen, nicht Özil"

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Löw will am 29. August seinen Kader für den Neuanfang verkünden. Özil war seit 2009 Fußballnationalspieler und seit der WM 2010 ein Fixpunkt im Ensemble des Bundestrainers. Welche konkreten Schlüsse Löw nach dem WM-Vorrunden-Aus für die Länderspiele am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich und drei Tage später in Sinsheim gegen Peru zieht, ist noch offen. "Natürlich wollen wir uns im September anders präsentieren und ganz anders auftreten als zuletzt in Russland", sagte Löw schon vor ein paar Tagen. "Es ist natürlich vor allem auch meine Aufgabe als Trainer, dieses Feuer, diese Begeisterung, die Hingabe, die Emotionen, den Stolz wieder zu wecken."

aar/dpa/sid

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