Özil-Rücktritt Einer, der sich beraten lässt

Mesut Özil und seine Berater - diese Beziehung wird seit der Rücktrittserklärung des Ex-Nationalspielers heftig diskutiert. Die Fäden laufen bei Erkut Sögüt zusammen.

Mesut Özil
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Bei all dem, was seit Sonntag über Mesut Özil, seinen Rücktritt aus der Fußballnationalmannschaft und sein bemerkenswertes Statement geschrieben wurde, war eines immer wieder zu lesen und schimmerte bei den Bewertungen regelmäßig durch: Özil habe seine ausführliche Erklärung, verbunden mit den Rassismusvorwürfen gegen den DFB-Boss Reinhard Grindel, sicherlich nicht selbsttätig veröffentlicht. Das sei vielmehr das Werk seiner Berater, so die wiederholt zu lesende, beinahe einhellige Meinung.

Özil, der Fremdbestimmte. So wirkt das. Dabei ist es vollkommen üblich, dass Agenturen, Berater oder PR-Fachleute die offiziellen Erklärungen eines Stars anfertigen, die Formulierungen glatt ziehen und im Namen ihrer Kunden an die Öffentlichkeit geben. Auch die Pressemitteilungen des Deutschen Fußball-Bundes werden schließlich nicht vom Präsidenten persönlich verfasst, sondern von der dafür zuständigen Medienabteilung. Entscheidend ist lediglich, dass diejenigen, in deren Namen gesprochen wird, selbst mit dem Duktus der Erklärung einverstanden sind. Davon ist auch im Fall Özil auszugehen.

Mesut Özil und seine Berater - das ist seit Jahren ein Dauerthema. Wobei man sagen muss, dass Beratern in Deutschland gern die Verantwortung zugeschoben wird. Als etwa Robert Lewandowski seinen Wechsel von Borussia Dortmund zu Bayern München durchsetzen wollte, waren es in der Öffentlichkeit zumeist die vermeintlich bösen Berater, die ihren Spieler dahin drängen wollten. Die Verantwortung der Spieler selbst wird dagegen gern kleiner gehalten.

Erkut Sögüt, Franz Beckenbauer und Vater Mustafa Özil bei einem Charity-Golfturnier 2013
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Erkut Sögüt, Franz Beckenbauer und Vater Mustafa Özil bei einem Charity-Golfturnier 2013

Der Mann, dem Mesut Özil vertraut, heißt Erkut Sögüt, ein 38-jähriger Jurist mit Sitz in London, geboren in Hannover, studiert in Osnabrück, mit ähnlichen Erfahrungen wie Özil: Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, wie man das so gern nennt. Sögüt wird als treibende Kraft hinter der Özil-Erklärung beschrieben, als einer, der eher in internationalen Dimensionen denkt, dem der deutsche Markt nicht so wichtig erscheint. Dass Özils Erklärung in englischer Sprache abgefasst ist, obwohl es sich um eine deutsch-türkische Angelegenheit handelt, hat damit zu tun. Die Erfahrungen, die Özil in den vergangenen Wochen seit dem Erdogan-Foto gemacht hat, die Aufregung und Abneigung in Deutschland, dürften Sögüt in der Einschätzung bestärkt haben, Özils Vermarktung lieber global anzulegen.

Ihm wird auch zugeschrieben, Özil zu dem Foto mit dem türkischen Präsidenten zugeredet zu haben. Die Details, wie es zu dem Treffen mit Erdogan kam, sind allerdings völlig offen. Sögüt sagt nichts dazu. Ein Schweiger mehr in der ganzen Angelegenheit. Viele Fragen sind nach Monaten einfach nicht beantwortet.

Löw-Berater Harun Arslan
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Löw-Berater Harun Arslan

Das führt so weit, dass Özil und seinem Berater bereits unterstellt wurde, das Statement sei eine fast perfide Form, die deutsche EM-Bewerbung für 2024 zu hintertreiben. Einziger Konkurrent des DFB ist bekanntlich die Türkei, die Entscheidung über den Zuschlag fällt im September, Rassismusvorwürfe gegen den deutschen Verband sind sicher nicht hilfreich, um sich vor der Uefa als herzlicher Gastgeber zu präsentieren. Dennoch dürften diese Interpretationen schon sehr in Richtung Verschwörungstheorie weisen und spiegeln erneut nur die Erzählung wider, hier würden Berater auf Özils Rücken ihr eigenes Ding machen. Özil redet bekanntlich nicht gern, Auftritte in der Öffentlichkeit sind nicht seine Sache, aber er ist dennoch ein 29-jähriger erwachsener Mensch, der wissen dürfte, was er will. Auch wenn er bei den Formulierungen Hilfe in Anspruch nimmt.

Spielerberater Roland Eitel
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Spielerberater Roland Eitel

Schließlich hat Özil im Lauf seiner Karriere bereits unterschiedliche Beratungen kennengelernt, angesteuert und auch wieder beendet. Jahrelang hatte sein Vater die geschäftlichen Beziehungen des Fußballers gemanagt, er hat die Wechsel von Schalke 04 zu Werder Bremen und nach der WM 2010 zu Real Madrid eingefädelt. 2013 haben sich Vater und Sohn im Streit getrennt, Özil suchte danach den Rat des erfahrenen Roland Eitel, des Mannes, der sich auch schon um die Belange von Joachim Löw und Jürgen Klinsmann gekümmert hatte.

Im Vorjahr kam der Kontakt zu Sögüt zustande - der mittlerweile in allen drei Firmen drinsteckt, die sich um Özil kümmern. Die Firma Family & Football, die auch die Angelegenheiten von Ilkay Gündogan regelt, die Özil Marketing GmbH, die ihren Sitz in Ratingen hat, und die Hannoveraner Firma ARP Sportmarketing GmbH, die bei möglichen Transfers eingebunden ist. Dass Sögüt und Özil darüber auch mit ARP-Geschäftsführer Harun Arslan, dem langjährigen Berater von Bundestrainer Joachim Löw, verbandelt sind, verleiht der Angelegenheit eine gewisse Brisanz. Wobei der Kontakt zwischen Arslan und Özil lediglich über Sögüt laufe, heißt es.

Konstanten in dem Netzwerk sind lediglich Özils Bruder Mutlu, seit eh und je Geschäftsführer im Managementteam Özils, und Cousin Serdar, der ebenfalls in der Marketingfirma für den Fußballer arbeitet. "Wir haben diese Rücktrittsentscheidung gemeinsam getroffen. Mesut hat über das Thema viel nachgedacht", wird Bruder Mutlu in der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Das klingt nicht wirklich fremdbestimmt. Aber wem soll man glauben?

Mutlu hat auch gesagt: "Wir sind nicht gekränkt. Wir leben in Deutschland und sind Türken. Wir haben zwei Verbindungen." Es wäre schön, wenn es so einfach wäre.



insgesamt 133 Beiträge
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Holledauer 25.07.2018
1. Es ist vernünftig, dass sich Özil beraten lässt.
Ebenfalls vernünftig war seine Darstellung in englischer Sprache, die offensichtlich sein Berater verfasst hat. Özil war so gut in Deutschland integriert, dass man nur mit Mühe sein Ruhrgebietskauderwelsch verstehen kann.
cup01 25.07.2018
2. Die Sache ist in der Welt..
... und lässt sich nicht mehr bereinigen. Da kann Özil machen was er will. Am Besten wäre es einfach wieder Ruhe zu geben. Sein Ruf ist unwiderruflich beschädigt und für seine Fürsprecher ist es einfach chick gegen Deutschland zu sein.
Zottelbär 25.07.2018
3. Alternativlose Fotos?
Vielleicht wurde in Özils und Gündogans Beraterkreis sogar diskutiert, sich beim Fototermin mit dem türkischen Präsidenten auch jeweils mit einem Trikot der deutschen Nationalmannschaft ablichten zu lassen. Stellen wir uns vor, einer der Berater hätte hierzu Kontakt mit der Bundesregierung aufgenommen – und diese hätte abgeraten, um außenpolitische Irritationen zu vermeiden. Ist doch nicht auszuschließen, oder?
wmb58 25.07.2018
4. Schwierig, was zu sagen und nicht in eine Ecke gedrängt zu werden
Özil war in den letzten Monaten dermaßen schlecht auf dem Spielfeld, so dass ich mich wunderte, dass Löw ihn nominierte. Es gab weit bessere Spieler. Aber vielleicht sind es die Verstrickungen des ehemaligen und neuen Trainers Löw zu den Özil-Beratern, die Löw veranlasst haben, den mies spielenden Özil mit nach Russland zu nehmen. Das spricht nicht für Löw. Nur der hat jetzt seinen neuen Vertrag (ich glaube 4 Jahre u. 16 Millionen) und er wird genüsslich seinen Capuccino schlürfen, und abwarten bis der Shitstorm sich gelegt hat. für 16 Mio kann man schon mal negatives in der Badischen Zeitung lesen, insbesondere wenn es um Özil geht und nicht um die eigene Person. Grindel und Bierhoff gehören mit Löw zum gleichen raffgierigen Club, die sollten mit Löw schnell abdanken. Wird bei Löw nicht geschehen, der sitzt doch jetzt auf seinem Geldsack und den wird er nicht mehr hergeben. Özil ist meiner Meinung nach mehr Türke als Deutscher, was ich ihm aber nicht ankreide. Dass er Werbung macht für den machthungrigen Halbdiktator Erdogan, das finde ich ziemlich beschissen. Anscheinend lag die Initiative hierzu nicht bei Özil, sondern bei seinem Management. Trotzdem: Für den Fast-Diktator Erdogan werben, und dann rumjammern, in Deutschland von Rassisten umgeben zu sein.... na ja, eigentlich jämmerlich... Özil ist weg, jetzt sollten Löw Grindel und Bierhoff gehen, das wäre mal ein Lichtblick.
kalsu 25.07.2018
5. Hab ich da was verpasst?
Wieso handelt es sich hier um eine deutsch-türkische Angelegenheit? Mal ganz davon abgesehen, das es Mesut Özils ganze private Angelegenheit ist, ist das allenfalls noch eine deutsche Angelegenheit. Soweit mir bekannt, hat Herr Özil zu Gunsten der deutschen Staatsbürgerschaft seine türkische Staatsbürgerschaft abgelegt. Zu einer deutsch-türkischen Angelegenheit machen das die Medien, Politiker und ein paar in der Zeit zurückgebliebene Hohlbirnen wobei zwischen den Zweiten und den Dritten die Grenzen inzwischen leider fließend sind.
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