Real-Remis gegen BVB: Özil straft spanische Presse mit Schweigen

Von Birger Hamann

Ein Tor, eine Vorlage: Vor allem dank der Leistung von Mesut Özil konnte Real Madrid froh sein, gegen Borussia Dortmund überhaupt einen Punkt geholt zu haben. Die spanischen Medien meckerten dennoch am deutschen Nationalspieler herum - wie schon seit Wochen.

Real-Spieler Özil: Kein Wort zu niemandem
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DPA

Hamburg - Er wollte nichts sagen, ließ die Reporter in den Katakomben des Estadio Santiago Bernabéu einfach stehen. Dabei hätte Mesut Özil viel zu erzählen gehabt. Etwa, warum sich sein Team, Real Madrid, im Champions-League-Gruppenspiel gegen Borussia Dortmund lange Zeit so schwer getan hatte. Oder wie er, Özil, kurz vor Schluss diesen Freistoß zum 2:2-Endstand ins BVB-Tor zirkelte. Die Journalisten hatten viele Fragen an Özil, bekamen aber keine Antworten.

Der selbst auferlegte Maulkorb des deutschen Nationalspielers war eine nonverbale Antwort auf die heftige Kritik in der spanischen Presse, die sich Özil in den vergangenen Wochen gefallen lassen musste. Etwa nach dem vergangenen Wochenende, als Madrid zu Hause 4:0 gegen Real Saragossa gewonnen hatte, die Zeitung "El Mundo" den Spielmacher dennoch als "Mitternachtsexpress" bezeichnet, der "furchtbare Spiele macht, wenn der Vollmond scheint". Und das Sportblatt "Marca" schrieb nach dem Erfolg in der Liga: "Er hatte im Pokal Pause und dachte wohl, er bekommt die ganze Woche frei. Denn auch gegen Saragossa ließ er sich nicht blicken."

Mit solch einer Kritik müsse er leben, hatte Özil vor dem Duell gegen den BVB gesagt. Er sei jetzt fast seit zweieinhalb Jahren bei Real und kenne den Umgang der Presse mit den Spielern. In Spanien wird man schnell vom Helden zum Buhmann, und genau diese Rolle scheint derzeit Özil auszufüllen. Denn obwohl der 24-Jährige gegen Dortmund nicht nur den späten Ausgleich erzielt, sondern zudem auch das zwischenzeitliche 1:1 durch Pepe vorbereitet hatte, waren die Kritiken am Mittwoch wieder miserabel.


"Bis zu seinem Tor deutete alles darauf hin, dass er im nächsten Spiel auf die Ersatzbank verbannt würde. Özil wirkte außer Form und fand nie ins Spiel", schrieb die "Marca". Die Zeitungen "El País" und "La Razón" merkten an, das Freistoßtor sei zu halten und ein Geschenk des Dortmunder Torwarts Roman Weidenfeller gewesen. Das sah der BVB-Keeper anders: "Das war ein Geniestreich. Unglaublich, besser geht es nicht." Reals Verteidiger Sergio Ramos kommentierte das Tor mit den Worten: "Mich wundert Özils Treffer überhaupt nicht. Ich sehe jeden Tag im Training, wie er die Freistöße schießt."

Weil Freistöße bei Real aber meist eine Angelegenheit von Oberdiva Cristiano Ronaldo sind, kommt Özil selten zum Zuge. Dabei spricht die Statistik klar für den Deutschen: Nach einer Erhebung der "Marca" war Özil während seiner Real-Zeit bei 15 Freistößen zweimal erfolgreich, was einer Trefferquote von 13,3 Prozent entspricht. Ronaldo dagegen kommt mit neun Toren bei 146 Freistößen nur auf eine Quote von 6,2 Prozent.

Mit seinem späten Ausgleichstor sorgte Özil dafür, dass Real nach wie vor eine gute Ausgangslage in der Gruppe D besitzt. Madrid liegt mit sieben Punkten einen Zähler hinter Spitzenreiter Dortmund und drei vor dem Dritten Ajax Amsterdam. Damit reicht den Spaniern ein Sieg im letzten Gruppenspiel zu Hause gegen die Niederländer - selbst wenn sie die kommende Partie bei Manchester City verlieren würden. Zumindest das Sportblatt "As" würdigte diesen Umstand und schrieb: "Özil bewahrt Real vor einer Krise. Sein Freistoßtor sichert den Madrilenen alle Chancen in der Champions League."

Özil, der in dieser Saison in allen Liga- und Champions-League-Spielen Reals zum Einsatz kam, dürfte mit seinem Auftritt gegen den BVB das Duell auf der Spielmacherposition gegen Luka Modric vorerst für sich entschieden haben. Der Kroate spielte gegen Dortmund vor der Abwehr neben Xabi Alonso. Özils großen Auftritt beim Ausgleichstor sah er nur von der Bank, Modric war in der Halbzeit ausgewechselt worden.

Beim Bezahlsender Sky sagte der Deutschtürke nach dem Spiel: "Natürlich wollten wir gewinnen. Aber man muss auch ein Kompliment an Dortmund machen - sie haben bis zur letzten Minute gekämpft. Letztendlich können wir zufrieden sein."

Özil redete also doch mit Journalisten - nur nicht mit spanischen.

Mit Material von dpa und sid

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insgesamt 24 Beiträge
bauerbernd 07.11.2012
Özil war schon ganz okay gegen BVB
Özil war schon ganz okay gegen BVB
erwin777sti 07.11.2012
der Spiegel-Chefredaktor sollte auch einen Journalisten schelten: Birger Hamann ist unübertrefflich stil- & instiktlos, indem er seine Reportage zu Özil um den Begriff 'Deutschtürke' anreichert. Ich kann nur [...]
Zitat von sysopEin Tor, eine Vorlage: Vor allem dank der Leistung von Mesut Özil konnte Real Madrid froh sein, gegen Borussia Dortmund überhaupt einen Punkt geholt zu haben.
der Spiegel-Chefredaktor sollte auch einen Journalisten schelten: Birger Hamann ist unübertrefflich stil- & instiktlos, indem er seine Reportage zu Özil um den Begriff 'Deutschtürke' anreichert. Ich kann nur vermuten, dass er damit ggf. versucht, seinen unglücklich gewählten Vornamen zu kompensieren.
glennwolf 07.11.2012
Tja, das hätte dem Jungen vorher klar sein müssen, dass er zum idiotischsten Verein auf der Welt wechselt und außerdem mit der dämlichsten Sportpresse worlwide zu tun haben wird. Aber der Millionen-Prämie wird er es schon [...]
Zitat von sysopEin Tor, eine Vorlage: Vor allem dank der Leistung von Mesut Özil konnte Real Madrid froh sein, gegen Borussia Dortmund überhaupt einen Punkt geholt zu haben. Di
Tja, das hätte dem Jungen vorher klar sein müssen, dass er zum idiotischsten Verein auf der Welt wechselt und außerdem mit der dämlichsten Sportpresse worlwide zu tun haben wird. Aber der Millionen-Prämie wird er es schon ohne psychischen Knacks durchstehen.
Greg84 07.11.2012
Ist es denn bei uns tatsächlich so viel besser? Wenn ich da an unsere berühmte "Zeitung" mit 4 Buchstaben denke, sehe ich die nicht weit weg davon. Selbst Spon und Co. sehen nur Extreme im Fußball. In der einen [...]
Zitat von glennwolfTja, das hätte dem Jungen vorher klar sein müssen, dass er zum idiotischsten Verein auf der Welt wechselt und außerdem mit der dämlichsten Sportpresse worlwide zu tun haben wird. Aber der Millionen-Prämie wird er es schon ohne psychischen Knacks durchstehen.
Ist es denn bei uns tatsächlich so viel besser? Wenn ich da an unsere berühmte "Zeitung" mit 4 Buchstaben denke, sehe ich die nicht weit weg davon. Selbst Spon und Co. sehen nur Extreme im Fußball. In der einen Woche unschlagbar, in der nächsten schon wieder am Boden.
TheDjemba 07.11.2012
Erst heißt es, Özil hätte im Pokal pausiert, dann, weiter unten, er hätte dieses Jahr alle Pflichtspiele bestritten. Was denn nun? Und was das mit der Bezeichnung "Deutsch-Türke" sein soll, das ist mir ebenfalls [...]
Erst heißt es, Özil hätte im Pokal pausiert, dann, weiter unten, er hätte dieses Jahr alle Pflichtspiele bestritten. Was denn nun? Und was das mit der Bezeichnung "Deutsch-Türke" sein soll, das ist mir ebenfalls schleierhaft. Wollen Sie nicht akzeptieren, dass Özil Deutscher ist, oder was steckt dahinter?
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  • Mittwoch, 07.11.2012 – 16:30 Uhr
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