Verzicht auf Kandidatur als Fifa-Chef Platini riskiert nichts

Uefa-Chef Michel Platini verzichtet auf die Kampfkandidatur gegen Fifa-Boss Joseph Blatter. Der französische Ex-Fußballstar spielt auf Zeit. Doch er könnte sich schwer verzockt haben.

Uefa-Präsident Platini: Kein Gegenkandidat für Blatter
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Uefa-Präsident Platini: Kein Gegenkandidat für Blatter


Als es darauf ankam, kniff er: Europas Fußballboss Michel Platini fürchtet die Auseinandersetzung mit Joseph Blatter, dem Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa. Lange hatte Platini seine Entscheidung hinausgezögert, ob er 2015 für den Fifa-Vorsitz und damit gegen Blatter kandidiert. Gleichzeitig hat Platini stets vollmundig erklärt, er sei der Einzige, der Blatter schlagen könne.

Blatter sagte kürzlich über den Franzosen, wer nichts riskiere, könne auch nichts gewinnen. Und behielt damit wohl recht: Nun verkündete Platini in Monte Carlo, er wolle sich auf seine Führungsrolle in der Uefa konzentrieren. 2011 wurde er bereits einmal im Amt des Uefa-Bosses bestätigt, im März 2015 wird Platini für weitere vier Jahre kandidieren.

Der 59-Jährige riskiert also nichts, wie nicht anders erwartet worden war. Platini hat in seine Funktionärskarriere nie alles investiert. Für ihn gibt es ein Leben außerhalb der Uefa-Büros im schweizerischen Nyon, und darauf legt der Lebemann Wert. Blatter dagegen ist im Grunde seit vier Jahrzehnten mit der Fifa verheiratet.

Er habe lange mit sich gerungen, sich aber nicht überzeugen können, sagte Platini: "Das ist nicht meine Zeit. Noch nicht." Er setzt offenbar darauf, den 78-jährigen Blatter 2019 nach Ablauf der nächsten Wahlperiode zu beerben. Ein riskantes Unterfangen. Denn der seit 1998 amtierende Blatter hat längst einen neuen Liebling: Jeffrey Webb, 49, von den Cayman-Inseln, Präsident der nordamerikanischen Konföderation Concacaf.

Diesmal gibt es einen Gegenkandidaten

Platini scheut auch deshalb die offene Feldschlacht, weil er aus verschiedenen Gründen kaum eine Chance gehabt hätte. Zum einen sprachen sich kurz vor der Fußball-WM Anfang Juni in Brasilien fünf von sechs Konföderationen für Blatter aus, nachdem dieser auf dem Fifa-Kongress in São Paulo Bonuszahlungen von 750.000 Dollar für jeden der 209 Nationalverbände und eine Erhöhung der Mindesttranche im Entwicklungshilfeprogramm (Goal) um 50 Prozent auf nun 600.000 Dollar versprochen hatte. Die Kritiker aus Europa konnte er so wieder einmal isolieren.

Zum anderen gibt es einen weiteren Gegenkandidaten bei der Wahl während des Fifa-Kongresses Ende Mai 2015: Jérome Champagne, ein langjähriger Vertrauter von Blatter und Platini. Der 56-jährige Franzose hat seine Kandidatur bereits im Januar bekannt gegeben, seitdem macht er fleißig PR in eigener Sache. Präsident des europäischen Verbands Uefa war Platini 2007 nur dank der Unterstützung Blatters und des damaligen Fifa-Deputierten Champagne geworden.

Am Donnerstag traf Champagne sich an seinem Wohnort Zürich mit Reportern der auflagenstärksten europäischen Tageszeitung, der britischen "Sun". Er habe die Entscheidung des Uefa-Präsidenten zur Kenntnis genommen, sagte Champagne SPIEGEL ONLINE: "Sollte ich zum Fifa-Präsidenten gewählt werden, werde ich die nun schon 20 Jahre währende belastete Beziehung zwischen Uefa und Fifa normalisieren. Ich werde vertrauensvoll mit dem Uefa-Präsidenten zusammenarbeiten und alles tun, um die Nationalverbände zu stärken."

Fifa könnte Kandidatur Champagnes verhindern

Das sind neue, offensive Töne, die in der Fifa-Administration gewiss belächelt werden, hatte doch Champagne im Januar erklärt, er habe gegen Blatter keine Chance. Er hat keine Chance und will sie trotzdem resolut nutzen.

Blatter und der Fifa ist es zuzutrauen, dass sie die Kandidatur Champagnes noch zu verhindern trachten, um hundertprozentig sicherzugehen. Schon vor einem Jahr änderte der Fifa-Kongress einige Regeln. Statt bislang zwei müssen nun fünf Nationalverbände einen Präsidentschaftskandidaten unterstützen. Auch soll der Kandidat in den fünf Jahren vor seiner Kandidatur mindestens zwei Jahre wichtige Funktionen im Fußballgeschäft bekleidet haben. Ob Champagnes Beratertätigkeit für die Verbände Palästinas, Zyperns und Kosovos dazu zählt, ist eine Auslegungssache.

Die Rollen in diesem Spiel sind schwer durchschaubar. Schon wird Platinis jüngster Vorstoß, die Zahl der europäischen WM-Teilnehmer von 13 auf 14 Team zu erhöhen, weil Europa dreimal in Folge den Weltmeister gestellt hat, als Indiz für einen Deal zwischen Platini und Blatter interpretiert. Wer glaubt, die Auseinandersetzungen auf die Propaganda-These "Gute Uefa, böse Fifa" reduzieren zu können, liegt auf jeden Fall daneben. Auch in der Uefa-Führung tummeln sich einige zweifelhafte Gestalten wie der Gazprom-Mann Sergej Fursenko aus Russland oder Hryhorij Surkis aus der Ukraine.

Dazu kommt, dass die wichtigsten Uefa-Funktionäre selbst Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees sind: etwa Präsident Platini, Finanzchef Marios Lefkaritis (Zypern), Michel D'Hooghe aus Belgien und Ángel María Villar Llona aus Spanien. Sie alle haben in die von schwerwiegenden Bestechungsvorwürfen überschattete Vergabe der WM 2022 an Katar abgesegnet. Platinis Sohn Laurent fungiert derzeit als Chef der katarischen Sportartikelfirma Burrda mit Sitz in Genf - ganz in der Nähe des Uefa-Hauptquartiers.



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insgesamt 6 Beiträge
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hobbyleser 28.08.2014
1. Er wird den König schon noch beerben
Konsequenterweise sollte die FIFA dann aber zur Erbmonarchie stehen.
raber 28.08.2014
2.
Wer weiss ob Herr Platini oder irgend ein anderer aus den eigenan Reihen die geeignete Person für dieses Korruptionsparadies, genannt Fifa, ist. Die Geldverteilung Blatters hat natürlich wieder Stimmen gekauft so wie fast alles dort nur auf Geld basiert. Diesem gross verdienenden Verein sollte man endlich Steuern auferlegen und die Austragungsorte sie auch mit mehr Kosten belasten. Was ist denn aus dem Brasilien-WM-Ticket-Skandal geworden? Auch wieder versandet?
febra 28.08.2014
3. Lusche, Memme, ... (o. T. )
o. T.
Skakesbier 28.08.2014
4. Der Michel
war ein grandioser Spieler - der die wirklich wichtigen Matches erfreulicherweise regelmäßig verloren hat (siehe z.B. Eurocup-Endspiel gegen de HSV oder das 3:5 bei der WM in Spanien) - und das auch noch immer gegen die von ihm soooo geliebten Deutschen! Als Funktionär in eigener Sache prima, für den Fußball 'ne einzige Katastrophe (völlig unsinnige Aufblähung der EM-Qualifikation sowie der EM selbst).
drvoigt 28.08.2014
5. blatter korrupt???
das glaub ich jetzt nich :-o
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