Von Nils Kemter
Hamburg - "Die Jungs sollen es krachen lassen und den Moment einfach nur genießen", ließ Mike Büskens seine Mannschaft am späten Montagabend wissen. Während das gesamte Team von Greuther Fürth mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle und den Spielerfrauen in den VIP-Räumen des Stadions in eine rauschende Partynacht startete, hatte der Trainer die Zweitliga-Partie zwischen Dynamo Dresden und Fortuna Düsseldorf live vor Ort verfolgt.
Durch den 2:1-Sieg der Dresdner ist Zweitliga-Spitzenreiter Greuther Fürth der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Drei Spiele vor Schluss haben die Franken neun Punkte und 31 Tore Vorsprung auf den SC Paderborn auf Relegationsplatz drei.
"Nie mehr zweite Liga", skandierten tausende Fans und Spieler bis weit in die Nacht in der Fürther Innenstadt. Spätestens als Dresdens Stürmer Poté in der 70. Minute den 2:1-Siegtreffer gegen die Fortuna erzielte, war allen Beteiligten klar: Die "Unaufsteigbaren" vom Fürther Ronhof empfangen in der kommenden Spielzeit Bayern München und Borussia Dortmund statt Erzgebirge Aue und den FSV Frankfurt.
"Neue Dimension in der Vereinsgeschichte"
"Für die Stadt Fürth ist der Aufstieg die Erfüllung eines Jahrhunderttraums", ließ Oberbürgermeister Thomas Jung kurz nach Abpfiff der Partie in Dresden verlauten. Ähnliche Töne stimmte Vereinspräsident Helmut Hack an: "Das ist eine neue Dimension in unserer Vereinsgeschichte."
Greuther Fürth, der deutsche Meister von 1914, 1926 und 1929, ist der 52. Neuling in der 1963 gegründeten Bundesliga. Nach sieben fünften Plätzen seit 2001 und dem vierten Rang in der vergangenen Saison führte der ehemalige Bundesliga-Profi Mike Büskens die junge, hungrige Mannschaft nun ins Fußball-Oberhaus.
Dass der Vater des Erfolgs die spontane Aufstiegsfeier zunächst versäumte, weil er den kommenden Heimspielgegner Düsseldorf live im Stadion analysierte, passt ins Bild, das die Spielvereinigung in dieser Saison abgab. Trainer Büskens als bodenständig akribischer Arbeiter formte aus Eigengewächsen, gepaart mit erfahrenen Kräften wie Gerald Asamoah ein spielstarkes Team, das mit 69 erzielten Treffern und nur 23 Gegentoren Bestwerte erreicht.
"Für den Verein und für die Stadt ist der Aufstieg sensationell", sagte Büskens, auch für ihn ist es der erste große Erfolg seiner Trainerlaufbahn. Als Spieler gehörte Büskens zu den Schalker "Eurofightern", die 1997 den Uefa-Pokal gewannen. Nach der aktiven Laufbahn war der 43-Jährige bislang als Co- und Interimstrainer der Schalker tätig. Seit Dezember 2009 wirkt er nun in Fürth.
Im Moment des Triumphes verhehlten Büskens und sein Kapitän Thomas Kleine nicht ihre "riesige Genugtuung" darüber, dass das Gerede von den "unaufsteigbaren Fürthern" nun ein Ende hat. "Ich konnte es nicht mehr hören, dieser ewige Pessimismus", gestand Büskens am Montagabend. "Es hieß, wir wollen nicht aufsteigen, wir können nicht aufsteigen. Das ist jetzt vorbei", sagte Kleine.
Nach dem letzten Heimspiel am 29. April gegen Fortuna Düsseldorf wollen sie dann noch einmal "richtig die Korken knallen lassen". Dann wird auch Büskens dabei sein. Als gebürtiger Düsseldorfer würde er der Fortuna dann zu gern zumindest zu Relegationsplatz drei gratulieren.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema SpVgg Greuther Fürth | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH