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Mikro statt Mandat: Günther Koch darf wieder ins Stadion

Er ist der beliebteste Fußballreporter Deutschlands. Doch weil Günther Koch zwischenzeitlich mit der Politik flirtete, schien seine Karriere hinterm Mikrophon gefährdet. Nun hat sich die "Stimme Frankens" für den Fußball entschieden. Der Entschluß kam aber alles andere als freiwillig.

Radioreporter Günther Koch: "Schwerste Entscheidung, die ich jemals treffen musste"
DPA

Radioreporter Günther Koch: "Schwerste Entscheidung, die ich jemals treffen musste"

Nürnberg - Günther Koch bleibt seinem Beruf als Fußballreporter im Hörfunk des Bayerischen Rundfunks (BR) treu und wechselt nicht in die Politik. Der 61-Jährige hat sich entschieden, sein Mandat als Abgeordneter des bayerischen Landtags nicht anzunehmen. Dies teilte der BR am Donnerstag in einer Presseerklärung mit.

"Nun also bleibt Koch in seiner unverwechselbaren Art als Markenzeichen der Fußballreportage erhalten. Das freut mich als Intendant und als Fußballfan", erklärte BR-Intendant Thomas Gruber zufrieden. Zuvor hatte Gruber eine Doppelfunktion Kochs als Politiker und Radioreporter ausgeschlossen. Im bayerischen Landtagswahlkampf war Koch für die SPD, die insgesamt ein enttäuschendes Ergebnis am vergangenen Sonntag erzielt hatte, auf Stimmenfang gegangen und hatte dabei mehr als 54.000 Stimmen erhalten. Der politische Senkrechtstarter ohne eigenen Wahlkreis schob sich damit sogar vor die Listenführerin und mittelfränkische SPD-Spitzenkandidatin Christa Naaß.

Obwohl sich der BR ob der Entscheidung Kochs sehr erleichtert zeigt, fühlt sich Koch von seinem Arbeitgeber im Stich gelassen. "Das ist eine Sauerei", schimpft Koch in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" (Freitagausgabe). Er sei "sehr unzufrieden" über die Umstände, die ihn zum Verzicht auf seinen Parlamentssitz bewogen hätten.

Der Verzicht auf das Landtagsmandat sei "die schwerste Entscheidung gewesen, die ich jemals treffen musste", sagte Koch in einem weiteren Interview der dpa. "Jetzt ist die Luft raus. Jetzt geht nichts mehr." Gruber habe ihm in dem schon länger vereinbarten Vier-Augen-Gespräch deutlich gemacht, das nach einer seit Anfang September geltenden Dienstanweisung ein hauptamtliches Parlamentsmandat einer freien BR-Mitarbeit im Wege stehe. Von der neuen Dienstanweisung habe er erst am Freitag erfahren, betonte Koch. Daraufhin habe er keine Alternative mehr gesehen, als sein Mandat niederzulegen.

Bei der SPD ist man über den Vorgang im Rundfunkhaus empört. "Die neue BR-Dienstanweisung verstößt gegen das bayerische Abgeordnetengesetz", erklärte dazu Bayerns SPD-Generalsekretärin Susann Biedefeld. Diese "Lex Koch" sei auf Druck der CSU zu Stande gekommen. "Die Dienstanweisung stellte jetzt Günther Koch vor die Wahl: Mandat oder Mikro", kritisierte Biedefeld. Weder Koch noch die SPD seien über diesen unerträglichen Vorgang informiert gewesen. Rechtliche Schritte gegen den Bayerischen Rundfunk oder die SPD schloss Koch allerdings aus: "Das tu' ich mir im Alter nicht mehr an."

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