Klose-Rücktritt Stets zur Stelle

Mit ihm geht der wohl letzte Vertreter der Uwe-Seeler-Wertegemeinschaft: Miroslav Klose tritt als Nationalstürmer zurück. Er ist einer, den alle mögen - weil er bescheiden ist, anständig, fleißig. Und weil er stets wusste, wann es drauf ankam.

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Überraschen konnte das niemanden. Anders als bei Teamkollege Philipp Lahm hatten alle diesen Rücktritt erwartet. Angreifer Miroslav Klose hat mit dem Weltmeistertitel in Brasilien schließlich erreicht, was man als Nationalspieler erreichen kann: die Krönung einer 13-jährigen Karriere in Diensten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er hat alle Torrekorde gebrochen, die ein Stürmer für sich verbuchen kann. In zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Frankreich wäre Klose 38 Jahre alt. Das hätte selbst er sich nicht mehr zumuten können.

Sein Schritt war logisch, vielleicht gar überfällig. Bedauern darf man ihn trotzdem. Miroslav Kloses Rücktritt ist vor allem ein menschlicher Verlust für die Nationalmannschaft.

Klose wirkte - je älter er wurde, je mehr Turniere er absolvierte - mehr und mehr wie ein aus der Zeit gefallener Fußballer. Einer aus der guten alten Zeit, als die Nationalspieler über ihre Agenturen noch keine belanglosen Tweets in die Welt schickten, als Fußballstars vor allem Fußball spielten und nicht noch Markenbotschafter waren und von ihren Beratern von Verein zu Verein geschoben wurden. Anstand, Bescheidenheit, Zurückgenommenheit - Klose wirkte zuweilen wie der letzte aus der Uwe-Seeler-Wertegemeinschaft des Fußballs.

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Miroslav Kloses Rücktritt: Perfekter Abschied
Klose war ein skandalfreier Profi, er hat sich diesen Ruf über all die Jahre bewahrt. Auf allen seinen Stationen - in Kaiserslautern, in Bremen, in München und jetzt bei Lazio Rom - gibt es kaum jemanden, der ihm ein böses Wort nachgerufen hätte. Überall hat er seine Einsätze gerechtfertigt, seine Tore geschossen.

Seine Meisterstücke hat er in der Nationalmannschaft abgeliefert, wo er es regelmäßig schaffte, auf den Punkt topfit zu sein. Selbst als seine Wehwehchen und Blessuren im fortgeschrittenen Fußballalter zunahmen, er sich mit Verletzungen durch die Liga quälte - wenn ein Turnier anstand, war Klose zur Stelle. Klose war einer, der wusste, wann es wirklich wichtig war, Leistung zu bringen.

Bei der erfolgreichen WM in Brasilien fiel ihm das schon sichtlich schwer. Die Kraft bei seinen Einsätzen reichte weitgehend noch für 60 bis 70 Minuten, der Absprung zu seinen gefürchteten Kopfbällen fiel deutlich weniger dynamisch aus als zu seinen besten Zeiten. Aber Klose ist Fußball-Ökonom genug gewesen, um auch dann noch das Beste daraus zu machen.

Bei seinem Ausgleichstreffer gegen Ghana im zweiten Gruppenspiel kurz nach seiner Einwechslung stand Klose genau da, wo ein Mittelstürmer für einen erfolgreichen Abschluss stehen muss. Auch ohne viel Kraft und Tempo zu investieren. Das kann man Instinkt nennen, Erfahrung, Antizipation. Alles Eigenschaften, die Klose bis zuletzt gewinnbringend fürs DFB-Team kultiviert hat.

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Miroslav Klose: Alle 16 Treffer des WM-Rekordtorjägers
Der Mittelstürmer des Klose-Typs scheint im heutigen Fußball eine aussterbende Gattung zu sein, er ist aktuell nicht mehr sonderlich nachgefragt, weder bei den Top-Klubs FC Barcelona und FC Bayern noch bei der Fußballnationalmannschaft, wo Bundestrainer Joachim Löw lieber auf die Vielzahl der Offensivmöglichkeiten seines Mittelfeldes setzt. Im 23er-Kader für die WM firmierte Klose als einziger Stürmer.

Der Routinier hat diesen Trend über die Jahre kommen sehen, er hat versucht, gegenzuhalten, sein Angriffsspiel mehr und mehr zu variieren, auch jenseits des Strafraums zu operieren. Auch deswegen stand er bei Löw immer hoch in der Wertschätzung, anders zum Beispiel als sein Stürmerkollege Mario Gomez, dessen Revier immer der Sechzehnmeterraum geblieben ist. Auf Miroslav Klose konnte sich Löw jederzeit verlassen wie sonst nur auf seinen Kapitän Lahm. Jetzt sind beide weg.

Kloses WM-Torrekord von 16 Treffern wird so schnell nicht erreicht werden, die Zahl von 71 Toren in der Nationalmannschaft seit 2001 noch viel weniger. Klose ist einer der ganz Großen, die der DFB je zur Verfügung hatte, er steht in einer Reihe mit Uwe Seeler, Helmut Rahn, Gerd Müller. Löw nennt ihn "einen der größten Stürmer, die der Fußball hervorgebracht hat". Das ist beileibe keine Übertreibung. Er hat allerdings noch vergessen anzufügen: Mit Miroslav Klose verliert die Nationalmannschaft einen hochanständigen Menschen. Es geht ein guter Kerl.

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insgesamt 101 Beiträge
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vish 11.08.2014
1. Ohne Klose...
... gäbs keinen WM-Titel. Danke für alles Miro!
deutscheridiot 11.08.2014
2. Ein toller Kicker!!!
Dieser Rücktritt ist smart.
c218605 11.08.2014
3. Schade
das Lahm sich nicht ein Beispiel an ihm nahm und weiter machte. Schliesslich kann der sich auf den Lorbeeren doch nur ausruhen weil Spielernaturen wie Miro und andere vor ihm das nicht getan haben, und ihn so erst dahin gebracht haben.
jumbing 11.08.2014
4.
Ein Artikel, dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Alles gute für die Zukunft Miroslav Klose !!
hanspeter.z 11.08.2014
5.
Einfach ein feiner Kerl...
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