MLS-Profi outet sich "Ich bin stolz, als offen schwuler Mann zu spielen"

Collin Martin hat sich als erster US-Fußballer während seiner aktiven Karriere öffentlich geoutet. Auf Twitter erklärte der Spieler, warum er den Schritt gewagt hat.

Collin Martin (r.) und Diego Rubio
AP

Collin Martin (r.) und Diego Rubio


Collin Martin, Mittelfeldspieler von Minnesota United, ist homosexuell. Im Jahr 2018 sollte das eigentlich keine Nachricht sein, doch nicht nur in der US-amerikanischen Major League Soccer (MLS) ist offene Homosexualität noch immer ein Tabu. Mit seinem Outing möchte Martin deshalb auch Vorbild sein.

"Die heutige Nacht ist wichtig für mich", schreibt der 23-Jährige zu Beginn seines auf Twitter geteilten Texts. Sein Team tritt in der Nacht auf Freitag (MESZ) gegen Dallas FC an - zu einem besonderen Spiel: Die Partie wurde zur Pride Night ausgerufen, um für mehr Toleranz gegenüber der LGBTQ-Community zu werben. Mit seinem Coming-out erreichte Martin dieses Ziel bereits vor Spielbeginn: "Ich verkünde zum ersten Mal öffentlich, dass ich ein offen schwuler Spieler in der MLS bin."

Martin ist damit der erste US-Fußballer, der als aktiver Spieler seine Homosexualität bekannt gab. Robbie Rogers, der von 2014 bis 2017 als erster offen schwuler Profi für Los Angeles Galaxy auflief, hatte 2013 während einer Karrierepause sein öffentliches Coming-out.

Familie, Freunde und auch viele Teamkollegen hätten bereits seit vielen Jahren von seiner sexuellen Orientierung gewusst, schreibt Martin weiter. Nun sei er stolz, dass der gesamte Verein Bescheid wisse. Abschließend richtete er sich an Sportkollegen, die das Coming-out bislang noch nicht gewagt haben: "Ich will andere Profis ermutigen und ihnen die Gewissheit verschaffen, dass der Sport sie voll und ganz willkommen heißen wird."

In der Tat erhielt Martin nach seinem Coming-out breite Rückendeckung. Unter dem Hashtag #soccerforall dankten ihm andere Spieler, Vereine und Fans für seinen Mut und seine Offenheit.

Martin selbst schloss seinen Text mit einem Verweis auf die bevorstehende Pride Night ab: "Ich bin stolz, für Pride als offen schwuler Mann zu spielen."

paw



insgesamt 17 Beiträge
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rainer82 29.06.2018
1. Wann Folgen wohl die ca. 50-100 schwulen Profis der deutschen Bundesligen?
Der Startschuss wurde also heute in den USA gegeben. Ein vorbildliches Signal für alle schwulen Spieler unserer deutschen Bundesligen. Außer ein paar homophober Rechtsextremisten würde sich doch niemand mehr darüber aufregen. Und genau deshalb ist ein Outing wichtig, damit unsere Gesellschaft Toleranz zeigen und das Thema dann ad acta gelegt werden kann, weil Homosexualität als ganz normale biologische Variante akzeptiert wird.
bernstein9 30.06.2018
2. Ein mutiger Schritt....
des jungen Mannes. Respekt, dass er sich getraut hat!
frl.bär 30.06.2018
3. Falls
Falls uns Alliens beobachten, sehen sie viel zu viele Menschen, die andere viel zu viele Menschen nach äußerst merkwürdigen, komischen Merkmalen beurteilen. Z.B. nach einer sexuelle Orientierung. Einerseits fragt mich in meinem kleinen unbedeutenden Job niemand, welche Art von Sex ich privat pflege - auf der anderen Seite gib es Jobs, bei denen müssen Menschen ihre Sexualität und was dazu gehört entweder geheim halten oder das ganze und 'sich' 'outen'(blödes Wort ). Einerseits ist völlig egal, ob ich meinen Tee morgens aus einem grünen oder blauen Becher trinke, aber sobald ich einem Rassisten oder einer Rassistin gegenüber stehe, wird für den oder die plötzlich wichtig welche Farbe ich habe. Farbe! Gleiches gilt für Religion, Geschlecht, Herkunft, Kleidungsstil, Aussehen, und und und. 'Bekloppt' denken sich vermutlich die ollen Alliens. Wenn Alliens sich streiten benutzen sie das Wort 'menschlich ' sicherlich als Schimpfwort. ..
dasfred 30.06.2018
4. Offensichtlich notwendig
Wenn ich einen Hetero Mann als schwul bezeichne und dieser fühlt sich dann beleidigt, was sagt mir das? Es sagt mir dass er Schwule für Menschen hält, die weniger wert sind als er. Nenne ich den selben Mann gutaussehend, freundlich, grosszügig oder uneigennützig, dann ist der selbe Mann meist nicht gekränkt. Jeder, der sich mit dem Adjektiv schwul verunglimpft fühlt, hat ein Problem mit Homosexualität. Da hilft auch Toleranz gerade mal so weit, wie man Mitleid mit Behinderten aufbringt. Ein Hetero Sportler ist zuerst Sportler. Ein schwuler Sportler ist zuerst Sportler. Die einzigen Menschen, die sich mit der sexuellen Orientierung befassen sollten, sind die Sexualpartner. Für alle anderen ist die Orientierung völlig ohne Belang. Einige erregen sich auch gerne über sogenanntes "weibisches" Verhalten. Dazu nur so viel: Es kommt bei Schwulen statistisch vielleicht häufiger vor, ist aber weder Kennzeichen noch Alleinstellungsmerkmal für Homosexualität. Homosexuelle sind zuallererst mal Männer oder Frauen. Es gibt sie in allen Ausprägungen vom Netten bis zum Fießling, vom Softie bis zum Macho. Auch in der weiblichen Entsprechung.
ulrics 30.06.2018
5.
Dass noch ein Nachricht wert sein muss ist traurig. Man sollte annehmen es wäre heute egal welche Sexualität man hat. Ist es leider aber nicht. Zu viele engstirnige ängstliche Menschen lehnen ab, was nicht in ihr kleines Weltbild passt.
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