Hamburg - Der Streit zwischen Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) über die Rettung des vor der Insolvenz stehenden Zweitligisten 1860 München geht weiter. Ude bezichtigte Hoeneß in einem am Montag veröffentlichten Brief der Lüge: "Bei allem Verständnis, dass er seinem Geld nachtrauert und die Rolle des FCB als maßgeblichen Großgläubiger in den Hintergrund drängen möchte, sollte sich Uli Hoeneß für seinen Versuch, mit einem Heldenepos sowie einem Schurkenstück, die beide frei erfunden sind, die Aggressionen auf einen parteipolitischen Gegner zu lenken, möglichst schnell und nicht wieder Monate zu spät entschuldigen."
Hoeneß entgegnete: "Die Entschuldigung kann sich der Herr Ude an den Hut stecken. Alles, was ich gesagt habe, stimmt zu 100 Prozent, da ist überhaupt nichts zurückzunehmen", sagte Hoeneß der "tz" und sah in dem Brief des Oberbürgermeisters ein Eingeständnis. "Das zeigt mir, dass ich einen Volltreffer gelandet habe - und das spürt er auch selbst."
Derweil hat sich auch Löwen-Präsident Dieter Schneider zum Konflikt der beiden Parteien geäußert: "Wenn Sie mich konkret nach dem Ablauf der Verhandlungen fragen, kann ich nur sagen: Hoeneß hat nicht unrecht." Es stehe 1860 aber nicht zu, Verhandlungspartner zu kritisieren, so Schneider, fügte aber an: "Ich empfinde es als Erfolg, dass wir von der Politik wieder empfangen wurden und den Dialog wieder aufbauen können."
Hoeneß hatte Ude vorgeworfen, die Rettung der Löwen als Verwaltungsratschef der Stadtsparkasse blockiert zu haben sowie nichts dafür getan zu haben, den Verein (1860, Anm. d. Red.) zu retten. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) habe dagegen "wie eine Eins" zur Rettung der Löwen gestanden.
"Ich habe unzutreffende Vorwürfe der Geschäftsführung von 1860 gegen den FC Bayern stets öffentlich zurückgewiesen und war natürlich nie so weltfremd, diese Fairness auch von Uli Hoeneß zu erwarten. Aber dass er jetzt offenkundige Unwahrheiten verbreitet, enttäuscht doch", sagte Ude.
Acht Millionen Euro bis zum Ende des Monats
Die Zeit für eine Rettung des Vereins wird unterdessen knapp. Bis zum Ende des Monats müssen die Löwen acht Millionen Euro auftreiben (3,5 Millionen Euro für die laufende Saison, 4,5 Millionen Euro für die Lizenz der kommenden Spielzeit), um dem Zwangsabstieg in die Amateurklasse zu entgehen. Schneider stellte unmissverständlich klar, dass eine Lösung "nur mit einer Mischung aus Banken und Investoren" möglich sei.
Bayern-Präsident Hoeneß hatte ein trickreiches Kreditgeschäft vorgeschlagen, das dem Stadtrivalen helfen sollte. Demnach wollten die Bayern der BayernLB acht Millionen Euro leihen. Dieses Geld sollte an die Löwen weitergereicht werden. "Wir hätten der Landesbank die acht Millionen Euro für zwei Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt, und die Landesbank hätte das Geld dann für vier Prozent an die Löwen weiterverleihen können", sagte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung".
Ude ließ indes durchblicken, dass eine Rettung noch nicht endgültig vom Tisch ist. Man könne über eine Sparkassen-Finanzierung reden, wenn vorher alle Probleme mit Gläubigern geklärt seien, so das Münchner Stadtoberhaupt. Aus dem Wirtschaftsministerium ist hingegen wenig Vielversprechendes zu vernehmen.
Demnach lehne der Verwaltungsrat der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA), die für den Landesbank-Kredit bürgen könnte, "eine Förderung des Profisports generell" ab. Diese sei "nicht mit dem Förderauftrag der LfA vereinbar".
jar/sid
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