Foulspiel im Champions-League-Finale Warum ein ägyptischer Anwalt Ramos auf eine Milliarde Euro verklagt

Nach der Verletzung von Mohamed Salah klagt ein ägyptischer Jurist gegen Sergio Ramos. Seine Forderung: eine Milliarde Euro. Die Aussicht auf Erfolg: gering.

Ramos und Salah beim Zweikampf
REUTERS

Ramos und Salah beim Zweikampf


Der ägyptische Anwalt Bassem Whaba hat nach eigenen Angaben Real-Verteidiger Sergio Ramos verklagt. Der Grund ist die Aktion des 32-Jährigen im Champions-League-Finale an Mohamed Salah. Die Summe, die der Jurist für Salah erstreiten will, beläuft sich auf eine Milliarde Euro.

Im Gespräch mit dem TV-Sender "Sada Elbalad" sagte Whaba: Die Summe sei "für den physischen und psychischen Schaden, den Ramos Salah und dem ägyptischen Volk zugefügt hat". Der Anwalt sagte auch: "Ramos hat Salah absichtlich verletzt und sollte dafür bestraft werden. Ich habe Anklage erhoben und eine Beschwerde an die Fifa gerichtet."

Sollte der Fußball-Weltverband die Beschwerde annehmen, werde er eine Milliarde Euro "und mehr" Schadensersatz fordern, sagte der Anwalt, lachte anschließend aber über seine Forderung. Die Champions League ist ein Wettbewerb der Europäischen Fußball-Union Uefa und nicht der Fifa.

Es ist jedoch völlig unklar, vor welchem Gericht der Ägypter die Klage eingereicht haben will.

Das war zwischen Ramos und Salah passiert: Der Top-Angreifer des FC Liverpool war nach einem engen Zweikampf mit Ramos zu Boden gegangen. Salah hielt seinen Arm im Laufduell nach außen, Ramos zog ihn an sich heran und fiel anschließend auf die Schulter des 25-Jährigen. Salah versuchte danach noch weiterzuspielen, doch die Schmerzen waren zu stark. Der Ägypter verließ unter Tränen den Platz. Eine offizielle Diagnose ist bisher nicht bekannt.

Ramos disktutiert nach Zweikampf mit Salah
AFP

Ramos disktutiert nach Zweikampf mit Salah

Der ägyptische Fußballverband rechnet mit einem WM-Einsatz seines Stürmerstars Salah. Die medizinische Abteilung des FC Liverpool habe den Arzt der ägyptischen Nationalmannschaft nach der Röntgenuntersuchung der Schulter darüber informiert, dass Salah sich eine Bänderverletzung zugezogen habe. Das hatte der Verband in der Nacht auf Sonntag via Twitter mitgeteilt.

Hat die Klage des ägyptischen Anwalts Aussicht auf Erfolg? Die Vergangenheit zeigt: Von Profifußballern wird der Klageweg nur selten beschritten - und wenn doch, dann mit geringen Chancen für den Kläger. Als im Jahr 1988 der Stuttgarter Karl Allgöwer vom Keeper Bodo Illgner 23.000 Mark für ein folgenschweres Foul verlangte, klappte das nicht. Ähnlich erging es dem Bochumer Matias Concha. Das Landgericht Berlin-Tegel wies die Klage des Schweden ab. Er hatte seinen Gegenspieler Younga-Mouhani auf 200.000 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Ein prominenter Fall für eine Verurteilung ist der nach einer Verletzung von Lucien Favre im Jahr 1985. Damals spielte der Schweizer für Servette Genf. Dem künftigen BVB-Trainer wurden nach einem Foul von Pierre-Albert Chapuisat (Vater von Stéphane Chapuisat) 5000 Franken wegen fahrlässiger Körperverletzung zugesprochen. Favre musste damals acht Monate pausieren.

In Amateurklassen kommt es häufiger zu Bestrafungen. Da bei Hobbyfußballern durch harte Fouls die eigentliche berufliche Existenz gefährdet sein könnte, gelten die Richter als weniger zurückhaltend. 2010 stellte das Landgericht Dortmund fest, dass "Spieler für Grenzüberschreitungen auf dem Fußballplatz haften müssen". Weil das Opfer nach einer Attacke mit gestrecktem Bein nicht mehr als Maler und Lackierer arbeiten konnte, musste der Täter 50.000 Euro bezahlen. Der Fall hatte sich bei einem Kreisligaspiel ereignet.

All diese Fälle haben aber einen wesentlichen Unterschied zum Vorfall zwischen Ramos und Salah: Hier hat immer der gefoulte Spieler selbst geklagt - und nicht ein völlig Unbeteiligter wie der ägyptische Anwalt.

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Champions League: Eine Verletzung, zwei Patzer, drei Titel in Folge

Eine Bestrafung für Ramos durch ein Gericht dürfte unwahrscheinlich sein - die Forderung von einer Milliarde Euro hat mit Sicherheit keine Chance. Auch der europäische Fußballverband Uefa ermittelt aktuell nicht gegen Ramos.

jan



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