Premier-League-Star Salah Im Tal der Könige

Mohamed Salah hat ein grandioses Jahr hinter sich. Er ist Torschützenkönig der Premier League und jetzt auch noch Afrikas Fußballer des Jahres. Dabei kommt der eigentliche Höhepunkt für den Ägypter erst.

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Wenn ein international erfolgreicher Fußballer aus Ägypten kommt, ist das Bild vom Pharao nicht weit. Mohamed Salah kennt das zur Genüge, als Sphinx ist er auch schon bezeichnet worden, nur zur Mumie hat ihn noch niemand gemacht. So quicklebendig wie im Jahr 2017 ist der 25-Jährige allerdings auch noch nie gewesen: Der Stürmer des FC Liverpool war der beste Hinrunden-Torschütze der Premier League, er hat Ägypten mit seinen Toren zur Weltmeisterschaft geführt, er ist am Donnerstag zu Afrikas Fußballer des Jahres gekürt worden.

Viel mehr kann man von einem Jahr nicht verlangen. Außer vielleicht, dass das nächste noch besser wird.

Seit einem halben Jahr erst stürmt Salah für die Reds, und er ist jetzt schon der Liebling der Massen an der Anfield Road. Sie widmen ihm ihre Lieder, singen "MoMoMo Salah", seit Luis Suárez hatte der FC Liverpool keinen so aufregenden Torjäger wie den Ägypter.

Schuhwechsel statt Händedruck

Damit hören die Vergleiche mit dem Bad Boy aus Uruguay allerdings schon auf. Salah tritt als artiger Junge auf, er ist kein Skandal-Profi. Für unrühmliches Aufsehen hat er im Grunde nur einmal gesorgt, 2013, als er noch beim FC Basel unter Vertrag stand und die Schweizer in der Champions-League-Qualifikation in Israel bei Maccabi Tel Aviv anzutreten hatten. Salah umging den obligatorischen Händedruck mit den gegnerischen Spielern, indem er just in dem Moment einen Schuhwechsel vornahm. Die Zuschauer in Israel pfiffen ihn danach bei jeder Ballberührung aus, in Ägypten wurde er dafür gefeiert.

Afrikas Fußballer des Jahres: Sadio Mané, Mohamed Salah, Pierre-Emerick Aubameyang
AFP

Afrikas Fußballer des Jahres: Sadio Mané, Mohamed Salah, Pierre-Emerick Aubameyang

Basel war die erste Station Salahs außerhalb seiner Heimat, mit 20 unterschrieb er zu Jahresbeginn 2013 seinen Vertrag. Es war eine schwierige Zeit für ihn und für den ägyptischen Fußball. Ein Jahr zuvor hatte es die Stadionkatastrophe von Port Said mit 74 Toten gegeben, der Ligabetrieb war danach komplett eingestellt worden. Salah konnte nur noch spielen, wenn die U23 Pflichtspiele hatte - oder beim olympischen Fußballturnier in London, bei dem Ägypten das Viertelfinale erreichte. Salah erzielte drei Tore in vier Partien.

Basel hatte ihn damals bereits unter Beobachtung, der Klub hatte im März 2012 extra ein Testspiel der ägyptischen U23 in der Schweiz organisiert, um sich von Salahs Fähigkeiten zu überzeugen. Salah wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt, er erzielte zwei Treffer, der FC Basel hatte danach keine Zweifel mehr.

Basel, London, Florenz, Rom, Liverpool

In der Schweiz wurde Salah Meister, im Europacup spielte Basel gegen Tottenham und Chelsea, in beiden Spielen traf der junge Stürmer. Besser kann man sich nicht für die Premier League empfehlen. Chelsea zahlt fast 20 Millionen Euro für den 21-Jährigen, aber in London konnte er sich unter José Mourinho nicht durchsetzen.

Salah wurde zunächst nach Florenz, dann zum AS Rom verliehen. Manchmal muss man Umwege gehen, um zum Ziel zu kommen. In Rom holte sich Salah die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, um ein zweites Mal in die Premier League zu wechseln - und diesmal richtig. Die 42 Millionen Euro, die Liverpool für ihn ausgegeben hat, sind jetzt schon wieder eingespielt.

"Salah ist noch besser, als ich gedacht hätte", hat sein Trainer Jürgen Klopp zuletzt gesagt. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Salah wohl den Weg über die Bundesliga genommen. Klopp hätte Salah 2013 gerne nach Dortmund geholt, heißt es. Chelsea aber war schneller und hat mehr geboten.

Fab-Four-Fanschal in Liverpool
Getty Images

Fab-Four-Fanschal in Liverpool

Salah, der Senegaler Sadio Mané, die Brasilianer Philippe Coutinho und Roberto Firmino - das sind die "Fab Four" der Liverpooler Offensive. Ein Ehrentitel, mit dem man in der Beatles-Stadt eher zurückhaltend umgeht, aber lange hat das Team nicht so viel Kreativität, Schnelligkeit und Torgefahr im Angriffsspiel ausgestrahlt wie derzeit. Möglicherweise ein Vergnügen mit Verfallsdatum für die Fans in der Kop. Coutinho, das Herzstück, arbeitet heftig an seinem Wechsel zum FC Barcelona. Der Top-Zuspieler wäre weg, aber ein rauschhaftes halbes Jahr inklusive der teilweise haarsträubenden Defensivfehler war es trotzdem in Anfield.

Für Salah hält 2018 dessen ungeachtet noch genug Höhepunkte bereit - wobei das FA-Cup-Spiel gegen den Lokalrivalen FC Everton am Abend (20.55 Uhr, TV: Eurosport) einen ersten emotionalen Adrenalinkick gibt. Dann kommt der WM-Sommer, und es ist wohl nicht übertrieben, wenn man die Floskel benutzt: Ein ganzes Land wird dann auf ihn schauen. Ohne Salah hätte sich die Nationalmannschaft niemals für das Turnier in Russland qualifiziert, das weiß jeder - angefangen von Trainer Héctor Cúper bis herunter zum kleinesten Fan. Sie würden Salah am liebsten bis zum Juni in Watte packen, damit ihm bloß bis dahin nichts passiert.

Daraus wird aber nichts. Salah wird gebraucht im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Porto. Ebenso in der Liga, wo das Klopp-Team derzeit auf Platz vier liegt - auf dem Rang, den die Mannschaft unbedingt verteidigen will, um auch 2018/2019 wieder europäisch in der Königsklasse anzutreten. Nur angemessen für einen wie Salah, den Mann aus dem Land des Tals der Könige.

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Akrobat des Wortes 05.01.2018
1. Kein Torschützenkönig
Der Text enthält einige interessante Anekdoten, dafür vielen Dank. Zudem gefällt mir der Schreibstil an sich sehr, jedoch sind mir einige teils haarsträubende Fehler aufgefallen: Da wird aus einem Senegalesen ein Senegaler und der kleinste Fan wird zum kleinesten Fan. Außerdem ist Salah streng genommen nicht wie im Teaser verkündet (amtierender) Torschützenkönig, sondern momentan Führender der Torschützenliste.
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