Aus Doha berichten Tim Röhn und Rafael Buschmann
Das Pflichtprogramm reicht ihm nicht. Als die meisten Mitspieler nach dem Training am Sonntagvormittag schon Richtung Mannschaftshotel schlendern, steht Breno immer noch auf dem Rasen. Der 22-jährige Brasilianer lupft den Ball mit beiden Füßen in die Luft, erst alleine, dann mit seinen Landsleuten Rafinha und Luiz Gustavo. Zwischendurch blickt er immer wieder in die Sonne.
Vielleicht denkt er dabei an die Heimat. Denn Brenos Rückkehr nach Brasilien zum Ende dieser Saison ist sehr wahrscheinlich - trotz aller Lobeshymnen im Trainingslager der Bayern. Zwar wirkt Breno zufrieden und ausgeglichen, lacht viel, albert mit den Mitspielern herum. Doch eine reelle Chance auf eine Vertragsverlängerung hat er nicht.
"Wir werden eher versuchen einen Innenverteidiger zu finden", sagte Uli Hoeneß jüngst der "Süddeutschen Zeitung", angesprochen auf die sommerliche Personalpolitik. Zwar erklärte der 60-Jährige ebenfalls, Breno habe durchaus "die Chance, es bei uns noch zu packen". Doch die Frage bleibt: Wann und wie soll dies geschehen?
Verletzungen, Gewichtsprobleme, Heimweh
Seit Januar 2008 spielt der Brasilianer in München. Er wechselte als 18-jähriges Supertalent vom FC São Paulo zum Rekordmeister. Zwölf Millionen Euro hatten die Bayern bezahlt und dafür einen kommenden Weltstar bekommen, da waren sie sich ganz sicher. Doch weder bei den Trainern Hitzfeld und Klinsmann noch bei van Gaal reichte seine Leistung, um dauerhaft zu überzeugen.
Immer wieder kamen Verletzungen dazwischen, zudem Gewichtsprobleme und Heimweh. Eine Ausleihe an den 1. FC Nürnberg endete jäh mit einem Kreuzbandriss. Und als ob dies nicht genug Drama wäre, ging im vergangenen Jahr auch noch seine Familienvilla im Münchner Vorort Grünwald in Flammen auf. Der Abwehrspieler wird verdächtigt, das Feuer selbst gelegt zu haben, musste sogar für zwölf Tage in Untersuchungshaft. Dass er nun am Trainingslager in Katar teilnehmen darf, verdankt er ausschließlich der Kulanz der Staatsanwaltschaft, die kurz vor der Abreise seine Meldeauflagen lockerte.
Eben dieser Breno, der seit vier Jahren allen Erwartungen hinterherläuft, versucht nun innerhalb eines halben Jahres seine letzte Chance auf eine Vertragsverlängerung zu nutzen. Dafür hat er augenscheinlich im Winterurlaub viel an sich gearbeitet. Er hat fast zehn Kilo abgenommen, seine Beine sind so durchtrainiert wie die von Abwehr-Kollege van Buyten. Er wirkt schneller, gewinnt fast jedes Kopfballduell. Das wird honoriert und erfreut alle bei den Bayern. Er selbst sagte in der "Sportbild": "Ich möchte die Chance nutzen. Ich kann mir eine Zukunft in München gut vorstellen."
Plätze in der Innenverteidigung blockiert
Öffentlich macht Christian Nerlinger Breno Hoffnung auf eine Verlängerung des bis zum Saisonende laufenden Vertrags. "Er entwickelt sich Schritt für Schritt Richtung Top-Niveau. Er ist eine echte Alternative", lobte der Sportdirektor. Auch Trainer Jupp Heynckes sagt: "Warum sollte sein Vertrag nicht verlängert werden? Er hat eine große Chance in dieser Saison."
Doch dafür müsste der Brasilianer im Wettkampf seine Fähigkeiten beweisen. Doch Breno wird sich - sofern die Mannschaft nicht eine Verletzungsmisere ereilt - in Pflichtspielen nicht mehr zeigen können. Denn mit Daniel van Buyten, Holger Badstuber und Jérôme Boateng haben die Bayern drei formstarke Abwehrspieler, die derzeit die Plätze in der Verteidigung blockieren.
In Doha machte Heynckes angesichts der wenigen Einsätze von Sommer-Zugang Nils Petersen klar, dass der Verein kein Versuchslabor sei. Als junger Spieler könne man nicht erwarten, "sechs, sieben Spiele in Folge zu machen, um seine Top-Form zu finden." Denn, so erklärte Heynckes das Selbstverständnis des FC Bayern: "Wir müssen immer siegen." Zudem gäbe es einen "riesigen Unterschied zwischen Training und Wettbewerb."
Für den aktuellen Trainingsweltmeister Breno sind das harte Worte. Der FC Bayern hat derzeit nur sehr wenige Gründe, ihm einen neuen Vertrag anzubieten.
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