Manipulationsskandal Mutmaßlicher Wettpate in den Niederlanden verhaftet

Niederländische Polizisten haben einen mutmaßlichen Wettbetrüger nach monatelanger Suche verhaftet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll es sich dabei um Paul Rooij handeln. Dieser soll vor Jahren versucht haben, Spiele des FC St. Pauli zu manipulieren.

Wettschein: Niederländer Rooij verhaftet
dpa

Wettschein: Niederländer Rooij verhaftet

Aus Bochum berichtet


Im Kampf gegen den internationalen Wettbetrug ist der niederländischen Polizei offenbar ein beachtlicher Schlag gelungen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Niederländer Paul Rooij vor knapp zwei Wochen verhaftet worden sein. Rooij gilt als bestens vernetzter Zocker, der insbesondere zum asiatischen Wettmarkt ausgezeichnete Kontakte pflegte.

Im Zuge des 2009 enthüllten Wettskandals um Ante Sapina und Co. geriet auch Rooij ins Blickfeld von Staatsanwaltschaft und Polizei. Laut Aussage des ehemaligen St.-Pauli-Stürmers René Schnitzler soll Rooij ihm knapp 100.000 Euro für die Manipulation von einigen Partien des heutigen Zweitligisten gegeben haben. Rooij bestreitet die Zahlungen. Schnitzler hat zugegeben, Geld in Amsterdam angenommen zu haben, bestreitet aber, dass Manipulationen stattgefunden haben.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE im vergangenen Frühjahr hatte Rooij gesagt, dass "er nichts mit Wettmanipulation" zu tun habe. Er reise zwar regelmäßig nach Asien, aber "ich habe mit Fußballwetten vollkommen abgeschlossen." Die Staatsanwaltschaft Bochum geht hingegen von mutmaßlichen Tatbeteiligungen an Wettmanipulationen durch Rooij aus und erließ bereits vor mehr als einem halben Jahr einen internationalen Haftbefehl gegen ihn.

"Ich kommentiere keine Namen. Aber richtig ist, dass wir im Zuge des 2009er-Wettskandals einen europäischen Haftbefehl gegen einen niederländischen Bürger erlassen haben", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, Bernd Bienioßek, zu SPIEGEL ONLINE.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft will nun in Gesprächen mit ihren niederländischen Kollegen eine Auslieferung Rooijs erreichen. "Bislang wurde uns nicht gesagt, dass das ausgeschlossen sei. Eine weitere Möglichkeit könnte aber sein, dass die holländischen Kollegen unser Verfahren übernehmen und die Niederlande den Prozess führen werden", sagt Bienioßek.

Letzteres wäre für die Prozessstrategie der Bochumer nicht wirklich förderlich. Denn die Staatsanwaltschaft um den Wettmanipulationsexperten Andreas Bachmann möchte nach Informationen von SPIEGEL ONLINE spätestens im Januar des kommenden Jahres das Verfahren gegen Schnitzler eröffnen. Im Zuge dessen wären U-Haft-Verhöre von Rooij eine wichtige Möglichkeit, um herauszufinden, ob und welche Verstrickungen er und Schnitzler tatsächlich in den Wettsumpf hatten.

Rooijs anwaltliche Vertretung war für SPIEGEL ONLINE nicht zu erreichen.



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