Nach Cechs Schädelbruch Lehmann attackiert Presse und Schiedsrichter

Jens Lehmann ist aufgebracht: Nach der schweren Verletzung seines Kollegen Petr Cech vom FC Chelsea fordert der deutsche Nationaltorhüter mehr Respekt für seine Zunft. Verärgert äußert sich der Arsenal-Profi über die englische Presse und kritisiert einen Schiedsrichter scharf.


London - "Das Wort ungeschickt macht mich wütend, weil alle diese dummen Experten im Fernsehen sagen 'es war ungeschickt' oder 'es ist ein Spiel für Männer'", sagte Lehmann der Londoner "Times". "Natürlich ist es ein Männer-Spiel. Aber wir müssen immer daran denken, dass diese Männer Kinder und Frauen haben. Und die Kinder wollen keine Väter mit lebenslangen Folgeschäden haben, dass sie im Rollstuhl sitzen oder nicht mehr arbeiten können", so Lehmann.

Arsenal-Keeper Lehmann: "Respekt vor meinen Gegenspielern"
REUTERS

Arsenal-Keeper Lehmann: "Respekt vor meinen Gegenspielern"

Die Kritik des DFB-Keepers richtet sich gegen die Berichterstattung englischer Medien nach Torwartverletzungen. Zuletzt hatte sich Lehmanns Kollege Petr Cech im Spiel des FC Chelsea beim FC Reading einen Schädelbruch zugezogen, es war bereits der vierte schwere Unfall eines Keepers in der englischen Premier League in diesem Jahr. Er selbst habe niemals einen Gegenspieler verletzt, und dies solle auch so bleiben, "denn ich habe Respekt vor meinen Gegnern", erklärte Lehmann, "aber wenn sie es so haben wollen und mich attackieren, werde auch ich mein Spiel ändern. Von den Schiedsrichtern wird man schließlich nicht geschützt."

Lehmann attackierte vor allem Schiedsrichter Mike Riley, der die Partie zwischen Chelsea und Reading geleitet hatte. In diesem Spiel war auch der zweite Chelsea-Keeper Carlo Cudicini hart attackiert und verletzt worden. "Riley hat das Foul gegen Carlo noch nicht einmal gepfiffen. Und Petr hat er sogar aufgefordert, den Platz zu verlassen. Weiß er nicht, dass es einem Torhüter erlaubt ist, auf dem Platz behandelt zu werden?", echauffierte sich Lehmann.

Cech hatte die schwere Verletzung schon 16 Sekunden nach dem Anpfiff bei einem Zusammenprall mit Reading-Stürmer Stephen Hunt erlitten. Cech wurde noch am Abend operiert, am Montag hatte sich sein Zustand bereits etwas gebessert. Die Ärzte hatten ihm zu einigen Monaten Pause geraten. Cechs Teamkollege Didier Drogba unterstellte Hunt in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe" sogar Absicht: "Erzählt mir nicht, es sei ein Unfall gewesen. Hunt hat gesehen, dass er mit Petr zusammenprallt, und er hat nichts versucht, das zu vermeiden." Hunt bestreitet dies.

Unterdessen erklärte der Vater von Petr Cech, dass sein Sohn wohl länger als erwartet ausfallen wird. Der "Times" sagte Vaclav Cech: "Er wird ein Jahr lang kein Fußball mehr spielen können." Zunächst habe er geglaubt, dass es sich lediglich um eine Gehirnerschütterung handele. "Als ich dann die Schwere der Verletzung realisiert habe, zitterten meine Knie. Ich traute meinen Ohren nicht", so Vater Cech.

goe/sid



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