Nach Debakel in Hoffenheim: HSV feuert Trainer Labbadia

Jetzt ist es offiziell: Die Führung des Hamburger SV hat die Notbremse gezogen und sich von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. Der Holländer coacht das Team bis zum Saisonende.

Bruno Labbadia: Treffsicherer Stürmer, glückloser Trainer Fotos
dpa

Hamburg - Der Hamburger SV hat sich vor seinem vermeintlich wichtigsten Saisonspiel in der Europa League gegen den FC Fulham von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Club-Chef Bernd Hoffmann gab den "einstimmigen Beschluss" des Vorstands nach einer Krisensitzung am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt.

"In dieser Konstellation können und wollen wir nicht mehr weitermachen", sagte Hoffmann. Man habe die Situation analysiert, so der Clubchef, und "sie hat sich so dargestellt, dass wir nicht erwarten konnten, das Spiel am Donnerstag in Fulham erfolgreich zu bestehen." Der Verein reagierte damit vor allem auf die schlechten Bundesliga-Ergebnisse der vergangenen Wochen, die in der 1:5-Niederlage bei 1899 Hoffenheim gegipfelt hatten. In den vergangenen sieben Bundesliga-Partien war den Hamburgern nur ein Sieg gelungen.

Die HSV-Verantwortlichen erhoffen sich durch diese Maßnahme ein Signal für das Halbfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Fulham am Donnerstag (21.05, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Es war der letzte Zeitpunkt, um zu reagieren, um das Ziel Europa League nicht zu gefährden", so Hoffmann. Bei der Partie in London übernimmt Techniktrainer Ricardo Moniz das Amt als Interimscoach, um nach dem 0:0 im Hinspiel den Traum des HSV vom Europapokal-Endspiel am 12. Mai im eigenen Stadion doch noch zu verwirklichen.

Der Niederländer, der die Hanseaten am Saisonende in Richtung österreichischer Meister Red Bull Salzburg verlassen wird, leitete am Montag bereits das Vormittagstraining und wird die Mannschaft bis zum Saisonende trainieren.

"Es ist ein dramatischer Tag", sagte Moniz. "Ich habe mit Bruno gesprochen. Er hatte kein Problem damit. Das war mir sehr wichtig." Labbadia, dessen Vertrag bis 30. Juni 2012 datiert ist, trauten die Club-Verantwortlichen offenbar nicht mehr zu, die Wende im Saisonendspurt herbeizuführen.

Mittelfeldspieler Piotr Trochowski sieht nun die Mannschaft in der Pflicht, bestritt aber, dass man zuletzt gegen den Trainer gespielt habe: "Darum geht es doch nicht. Wir haben einfach zu viele Spiele verloren. Jetzt konzentrieren wir uns nur noch auf Fulham."

Labbadias Zwist mit Torwart Rost

Zuletzt hatten sich die Zweifel gemehrt, dass Labbadia die Mannschaft noch erreicht. Höhepunkt war der öffentliche Disput zwischen Labbadia und Torwart Frank Rost, der nach der ihm vorgeworfenen Disziplinlosigkeit aus dem Mannschaftsrat zurückgetreten war.

Labbadia hatte das Traineramt Anfang Juni vergangenen Jahres als Nachfolger des Niederländers Martin Jol übernommen. Der frühere Stürmer war für eine geschätzte Ablöse von 1,3 Millionen Euro vom Ligarivalen Bayer Leverkusen an die Elbe gewechselt und kassiert nun angeblich eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro.

Labbadia war bei seiner Verpflichtung der sechste Trainer des HSV in knapp sechs Jahren. Am 22. Oktober 2003 wurde Kurt Jara gefeuert, sein Nachfolger Klaus Toppmöller hielt nur ein Jahr (23. Oktober 2003 bis 17. Oktober 2004) durch. Thomas Doll war anschließend immerhin knapp zweieinhalb Jahre HSV-Trainer (Oktober 2004 bis Februar 2007), sein Nachfolger Huub Stevens nur anderthalb (Februar 2007 bis Juni 2008). Trainer Nummer fünf, Martin Jol (Juli 2008 bis Mai 2009), schaffte ebenso wenig ein komplettes Jahr wie nun Labbadia.

Wer den HSV in der nächsten Saison als Chefcoach trainiert, steht noch nicht fest. Zuletzt wurde in den Hamburger Medien über Joachim Löw als neuen Trainer spekuliert.

ham/sid/dpa

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insgesamt 61 Beiträge
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1. Hoffentlich!
HansWilhelm 26.04.2010
Zitat von sysopDie Führung des Hamburger SV zieht die Notbremse: Der kriselnde Bundesligist hat sich laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird demnach Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691207,00.html
Wenns denn so ist,wurde es höchste Zeit!
2. ++
saul7 26.04.2010
Zitat von sysopDie Führung des Hamburger SV zieht die Notbremse: Der kriselnde Bundesligist hat sich laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird demnach Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691207,00.html
Das ist sicherlich eine konsequente Entscheidung, die im Grunde schon etwas eher hätte stattfinden müssen....
3. absehbar
Kanzla87 26.04.2010
Zitat von sysopDie Führung des Hamburger SV zieht die Notbremse: Der kriselnde Bundesligist hat sich laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird demnach Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691207,00.html
Eine absehbare Entscheidung. Schade, aber Labbadia und der HSV - das hat einfach nicht gepasst. Drücke dem HSV natürlich international weiter die Daumen und hoffe auch, dass Labbadia bald eine neue Aufgabe findet.
4. Wer ist der nächste ?
sergio56 26.04.2010
Zitat von sysopDie Führung des Hamburger SV zieht die Notbremse: Der kriselnde Bundesligist hat sich laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird demnach Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691207,00.html
Und wann wird der Torwart entlassen ? Das Problem in Hamburg ist , Mittelmass als Vorbild zu nehmen ,so kommen wir nicht viel weiter.
5. Labbadia
Seifert 26.04.2010
Zitat von sysopDie Führung des Hamburger SV zieht die Notbremse: Der kriselnde Bundesligist hat sich laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Beim Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham wird demnach Techniktrainer Ricardo Moniz die Mannschaft betreuen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,691207,00.html
Tja, eine Mannschaft,die aus mindestens elf Spielern besteht,kann so schlecht spielen,wie sie will:immer ist der Trainer der Schuldige. Wann hat ein Verein mal den Mut,die Spieler zu feuern? Aber das wird zu teuer- schade! Und leider findet sich auch immer noch ein Trainer,der bereit ist (entsprechendes Salär versteht sich von selbst) eine solche Gurkentruppe zu trainieren. Also: hackt doch noch eine Krähe der anderen ein Auge aus. P.S:ich bin kein Freund von Labbadia!!
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