Nach Fifa-WM-Reform Äthiopien. Ein Sommermärchen

Gruppenspiel gegen Jordanien, Finale gegen Äthiopien? Hätte die Aufstockung von 32 auf 48 Mannschaften schon bei der WM 2014 gegriffen, wäre Deutschlands Weg zum Titel ganz anders verlaufen.

Hauptsache Deutschland ist Weltmeister! Gegen wen ist doch egal.
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Hauptsache Deutschland ist Weltmeister! Gegen wen ist doch egal.


Auf den Tribünen des Maracanã-Stadions herrscht blankes Entsetzen. Gastgeber Brasilien ist ausgerechnet bei der Heim-WM schon in der zweiten Runde gescheitert. Dass der Seleção dadurch ein schmachvolles 1:7-Debakel im Halbfinale erspart bleibt, ahnt niemand, als der Unglaube in Wut umschlägt und die Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert vom Rasen geschickt wird. Nach zwei souveränen Siegen in der Gruppenphase gegen Ägypten und Ungarn kommt das überraschende Aus im Sechzehntelfinale gegen Panama.

Die Brasilianer sind nicht das einzige prominente Opfer des neuen Systems. Titelverteidiger Spanien, Italien und sogar England haben es als Tabellenzweite zwar durch eine der 16 Dreiergruppen geschafft, scheitern dann aber jeweils in der ersten K.o.-Runde. Die Niederlande finden nach einer starken Vorrunde mit hohen Siegen gegen Rumänien und Tunesien im Achtelfinale kein Mittel gegen den unorthodoxen Hurra-Fußball der Jamaikaner. Frankreich scheitert im Viertelfinale an den physisch starken Neuseeländern. In mehr Runden lauern eben auch mehr Stolpersteine für die vermeintlich Großen.

In Deutschland wird das Favoritensterben mit Hohn und Spott kommentiert. Das Team von Joachim Löw setzt sich zum Auftakt in Gruppe N klar gegen Jordanien durch. Im zweiten Gruppenspiel gegen die sympathischen Isländer muss sich die DFB-Elf nach 90 Minuten mit dem traditionellen Unentschieden begnügen und profitiert letztlich von der Nervenstärke im Elfmeterschießen.

Showdown gegen Panama

Nach Siegen gegen Österreich, Bolivien und Schweden kommt es im Halbfinale zum Showdown zwischen Deutschland und Panama. Auch dank der Unterstützung der brasilianischen Fans, die den Panamaern das frühe Aus nicht verziehen haben, setzt sich das Löw-Team verdient durch und erreicht das Endspiel im Maracanã.

Hier wartet nicht etwa Argentinien, sondern sensationellerweise Äthiopien. Denn das Team um Top-Scorer Yussuf Saleh vom schwedischen Erstligisten Syrianka FC hat es mit mannschaftlicher Geschlossenheit, einer erbarmungslosen Defensiv- und Kontertaktik sowie viel Glück tatsächlich geschafft, nach Peru, der Ukraine und Venezuela auch Messi und Co. auszuschalten.

Im Finale halten die Äthiopier mit ihrer im Laufe des Turniers etablierten Sechser-Abwehrkette über 90 Minuten das 0:0. Zum ersten afrikanischen WM-Titel reicht es aber trotzdem nicht ganz, weil Joachim Löw ein glückliches Händchen hat und den Sieg einwechselt. André Schürrle setzt sich in der 113. Minute auf der linken Außenbahn schön durch und flankt auf den ersten Pfosten, wo Mario Götze den Ball mit der Brust annimmt und mit links ins lange Eck trifft. Aber das wissen Sie ja.

Hinweis der Redaktion: Bislang hat die Fifa nicht entschieden, wie die zusätzlichen Startplätze unter den Kontinentalverbänden aufgeteilt werden. Folgerichtig steht auch noch nicht fest, wie die jeweiligen Qualifikationsrunden modifiziert werden. Das hier dargestellte hypothetische Szenario geht davon aus, dass die Anzahl der Startplätze proportional aufgestockt wird. Soll heißen: Die Uefa entsendet 19 statt 13 Teilnehmer, Conmebol und Caf jeweils acht statt fünf, Concacaf und AFC jeweils sechs statt vier. Zusätzlich ist der Gastgeber gesetzt. Auf Grundlage der Qualifikationsergebnisse aus den Jahren 2011 bis 2013 wären die 16 gefetteten Nationen zusätzlich zu den 32 tatsächlichen Teilnehmern bei der WM-Endrunde 2014 in Brasilien dabei gewesen, wenn schon im 48er-Feld gespielt worden wäre.

Grafik: So könnte die 48er-WM aussehen.



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Seite 1
kastenmeier 12.01.2017
1.
Das ist natürlich blanker Unsinn. Wer die letzte EM aufmerksam verfolgt hat, kann kaum annehmen, dass es außer Italiens Nationalmannschaft ein anderes Team geben könnte, dass wir im Elfmeterschießen besiegen. Schon gar nicht die Isländer.
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