Nach Nada-Einigung: Pharmakologe Sörgel kritisiert Doping-Politik des DFB

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Pharmakologe Sörgel: "Eine große Farce"

"Das ist ein reiner Kuhhandel und sonst nichts": Der Doping-Experte Fritz Sörgel hat den Deutschen Fußball-Bund für seine Einigung mit der Nada kritisiert. Die Anzahl der Bluttests würde nicht ausreichen, um gedopte Fußballprofis flächendeckend zu entlarven.

Hamburg - Deutliche Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB): Der Pharmakologe Fritz Sörgel hat den künftigen Umfang der Blutkontrollen im deutschen Profi-Fußball als "eine große Farce" bezeichnet. "Es wird überhaupt nichts dabei herauskommen und wenn doch, dann hätte der Fußball ein riesiges Problem", schrieb der Leiter des Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in der Münchner Zeitung "TZ".

Auch der Chefarzt des Fußball-Weltverbandes Fifa, Jiri Dvorak, hält die Zahl von Blutkontrollen für viel zu niedrig. "Wenn man das macht, dann richtig", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Mediziner weiter: "Optimal wäre es, wenn vor der Beginn der Saison alle Spieler der Bundesliga getestet würden. Dann hätte man eine Basis, könnte weitere Kontrollen in der Saison folgen lassen und die Ergebnisse vergleichen."

Der DFB und die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada hatten sich am Donnerstag darauf geeinigt, dass von den 500 Trainingskontrollen in der neuen Spielzeit 75 Bluttests sein werden. "Wenn das das Ergebnis der langen Verhandlungen zwischen DFB und Nada sein soll, kann ich wirklich nur lachen", so Sörgel.

Die Blutkontrollen verteilen sich auf alle Teams aus Bundesliga, zweite Liga sowie die A-Nationalmannschaft und alle Juniorenteams des DFB. Im Schnitt muss jeder der 36 Profivereine also mit weniger als zwei Besuchen der Nada-Tester rechnen, bei denen auch Bluttests vorgenommen werden. Alle anderen Kontrollen sind Urinproben.

Durch die geringe Anzahl der Tests sei es nicht möglich, einen Blutpass zu erstellen, erklärte Sörgel. Zudem gebe es durch die neue Vereinbarung 15 Prozent weniger Urinkontrollen. "Das ist ein reiner Kuhhandel und sonst nichts", urteilte Sörgel und nannte den DFB die "bremsende Kraft".

Der Verband wolle nicht, "dass etwas Unangenehmes ans Tageslicht kommt". Wenn dem DFB wirklich etwas an intensiven und qualitativ hochwertigen Doping-Kontrollen gelegen sei, müsse er mehr Geld investieren, so der Wissenschaftler.

Durch die Studie "Doping in Deutschland" des Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) zum Doping in Westdeutschland ist auch der Profifußball wieder stärker in den Fokus gerückt.

joe/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Dummfug
vinzenz 10.08.2013
.. es weiss doch jeder, dass Doping im Fussball nichts bringt.. :-) somit ist jeder Test rausgeschmissenes Geld ... wollen die Fussballverbände uns glauben machen... aber solange die Massen in die Stadien strömen, und die ÖR - TV Anstalten nur eien Sportart ob des Dopings nicht übertragen (tjaja, Werbezeit bei Fussball bringt viel Geld in die Kassen...).. wozu was ändern?? sind doch alle zufrieden... bis auf eine Handvoll motzender Realisten..
2. Ein Beweis des Unwillens
spon72 10.08.2013
Der größte und reichste Sportverband Deutschlands kann wohl kaum finanzielle Gründe als Ausrede nehmen, um Blutkontrollen zu umgehen, dieser Grund fällt dann wohl flach. Aber warum sonst hat die Liga und der DFB so wenig Interesse an einer Nachweismethode, die bewiesenermaßen moderne Dopingsubstanzen wenigstens halbwegs aufdeckt? Die Antwort ist klar und braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Nicht umsonst werden gerade in der Leichtathletik und im Radsport seit Einführung der vielen Bluttests quasi wöchentlich Sportler jeden Kalibers überführt. Dadurch verhindert man zwar kein Doping, lässt aber die Sportler, Betreuer und auch die das alles deckenden Verbände vorsichtiger werden. Ein großes Problem, was auch Blutproben nicht ausmerzen werden, sind jedoch die Art und Weise der Kontrolle und Analyse sowie wer und wann die Proben nimmt. So erledigen letzteres immer noch zu oft die Verbände und Veranstalter selbst, auch in der Leichtathletik wie im Radsport, und nicht die WADA oder NADA. Da sind Warnungen und Absprachen vorprogrammiert und bereits bewiesen. Zudem muss auch eine Blutprobe auf die richtigen Substanzen hin untersucht werden, einige Methoden und Mittel können erst Jahre später nachgewiesen werden, dafür müssen die Proben aber gelagert werden, was im Falle des Radsports mit den Urin- und Blutproben bereits seit Ende der Neunziger passiert und deshalb ja auch so ein Wirbel um positive Tests aus diesem Jahr anno 2013 entstand. Die Urinproben der Fußball-WM aus diesem Jahr wurden beispielsweise sofort vernichtet, ein Schelm wer Böses dabei denkt. Weiterhin ist der Zeitpunkt der Kontrolle immens wichtig, Wettkampfkontrollen bringen da eher wenig, da die meiste Wirkung durch Präparate in der Trainings- und Aufbauphase erzielt wird. Deshalb wären viele Kontrollen in den Trainingslagern unerlässlich. Wer einmal eine genaue Auflistung der Anzahl von Dopingproben, aufgeschlüsselt nach Sportarten einsehen möchte, bitteschön! Doping-Kontrollen in Deutschland: Wettkampfkontrollen pro Sportart seit 2004 » YOUdaz.com (http://www.youdaz.com/2012/06/28/doping-kontrollen-in-deutschland-wettkampfkontrollen-pro-sportart-seit-2004/) Natürlich gilt auch hier, Qualität geht vor Quantität! Noch zum Schluss, Doping dient seit einiger Zeit vor allem dazu, die Erholungsphasen zu verkürzen und dadurch nicht mehr, die Leistung direkt, sondern indirekt zu steigern. Immer und überall 100% abrufen zu können, auch wenn das medizinisch utopisch ist, das ist der Schlüssel im modernen Sport!
3. Halb so wild
ExigeCup260 10.08.2013
Doping im Fußball bringt nichts, das weiss doch mittlerweile jedes Kind. Es macht keinen Unterswchied, wenn man die Regenrationszeiten zwischen den intensiven Trainingseinheiten verkürzt oder nicht, oder ob man ein laufintensives Spiel betrieben kann. Die Verletzungsanfälligkeit mit Hilfe von muskelwachstumsfördernden Medikamenten herabzusenken ist ebenfalls sinnlos. Gedopt wird im Fußball nicht, Basta. Ebenso ist es kein Problem, dass massiv für internationale Wettanbieter geworben wird, z. B. durch den kompletten Vorstand/Aufsichtsrat des FC Bayern Münchens. Einen Zusammenhang mit der Förderung von Glücksspiel sehe ich da überhaupt nicht. Also: Alles kein Problem.
4. Schiedsrichter
tomkey 10.08.2013
Zitat von sysop"Das ist ein reiner Kuhhandel und sonst nichts": Der Doping-Experte Fritz Sörgel hat den Deutschen Fußball-Bund für seine Einigung mit der Nada kritisiert. Die Anzahl der Bluttests würde nicht ausreichen, um gedopte Fußballprofis flächendeckend zu entlarven. Nach Nada-Einigung: Pharmakologe kritisiert Doping-Politik des DFB - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/nach-nada-einigung-pharmakologe-kritisiert-doping-politik-des-dfb-a-915878.html)
Dopen eigentlich Schieri's?? Werden die auch kontrolliert? Geben die ihre "gelben Karte" zur Analyse ab?
5. optional
guteronkel 11.08.2013
Ooooh, das tut fast schon weh. Da sagt jetzt doch endlich mal einer, was Hand und Fuss hat: Es wird auch jetzt-im Angesicht einer großen Blamage- weiter versucht den Dopern Tür und Tor offen zu halten. Was den Herrn Beckenbauer betrifft, habe ich die vage Vermutung, dass wir da vom Stern bald die Tagebücher des Kaisers zu lesen bekommen. Exklusiv und brandaktuell natürlich.
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