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Nach Panik: HSV-Fans erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei

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Fan-Panik im Weserstadion: Das Nordderby zwischen Bremen und Hamburg wurde von dramatischen Szenen überschattet. Während die Polizei von einer "entspannten Situation" spricht, sind HSV-Anhänger über das Chaos empört. Jetzt ermittelt die Kripo.

HSV-Fans, Polizisten: "Wir wollten Konfliktsituationen vermeiden" Zur Großansicht
dpa

HSV-Fans, Polizisten: "Wir wollten Konfliktsituationen vermeiden"

Hamburg - Das Verhältnis zwischen Fans von Werder Bremen und dem Hamburger SV ist von Rivalität geprägt, manchmal auch von Hass. Mehrfach waren Anhänger beider Clubs in den vergangenen Jahren aneinandergeraten, weshalb das Nordderby zwischen Werder und dem HSV stets als Risikospiel eingestuft wird und eine entsprechend große Zahl an Stadionordnern und Polizisten vor Ort ist.

Strikte Trennung beider Fan-Gruppen: Das war auch am Samstagabend vor, während und nach der Partie im Weserstadion, die Bremen 3:2 gewann, die Vorgabe für die Sicherheitskräfte. Dazu gehörte nach Schlusspfiff auch der gesonderte Abgang der HSV-Anhänger. Dafür sollten sie bis 20 Minuten nach Spielende im Stadion verweilen. So war es abgesprochen. Dennoch brach unter den Hamburger Fans eine Panik aus. Folge: 17 verletzte Beamte und sieben verletzte HSV-Fans, von denen einer nach wie vor im Krankenhaus liegt und in Lebensgefahr schwebt.

Mehrere HSV-Fans berichteten im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass sie nicht die angekündigten 20, sondern 40 Minuten im Stadion ausharren mussten, ohne von der Polizei über die Gründe informiert worden zu sein. Weil einige Anhänger befürchteten, ihren Zug nach Hamburg zu verpassen, entstand erhebliche Unruhe unter den Anhängern.

Kleine Gruppe kann die Polizei-Sperre durchbrechen

Zweites Problem: Die HSV-Fans mussten zwischen der Tribüne des Weserstadions und den Treppen warten, die zum Ausgang führen. Direkt an diesem Treppenabgang hatte die Polizei abgesperrt. Mit zunehmender Dauer, als die angekündigten 20 Minuten Wartezeit längst verstrichen waren, drückten laut Augenzeugen immer mehr Fans in Richtung Ausgang, der nach wie vor verriegelt war.

Bremens Polizeisprecher Henning Zanetti sagte SPIEGEL ONLINE, dass es sich dabei jedoch nur um eine kleine Gruppe von bis zu 20 Leuten gehandelt habe, die gegen die Beamten drückten und die Sperre auch durchbrechen konnten. Alle sieben verletzte Fans kämen aus dieser Gruppe. "Die Situation ist ganz plötzlich gekommen", sagte Zanetti.

Als die Sperre schließlich aufgehoben wurde, "sind die Leute vorne gestürzt, weil von hinten gedrückt wurde", beschrieb ein Hamburger Anhänger SPIEGEL ONLINE die Szenen im Stadion. Dem jedoch widerspricht Zanetti, der sagt, abgesehen von der die Sperre durchbrechende Gruppe habe es unter den anderen Fans kaum großes Gedränge gegeben. "Von oben gab es keinen weiteren Druck. Die Fans konnten sich gut verteilen."

Die Sperre am Treppenabgang war nach Ansicht vieler HSV-Fans das Hauptproblem, das die Situation erst eskalieren ließ, so der Vorwurf in Richtung Polizei. Dabei hätte es ihrer Ansicht nach zwischen den Treppen und dem Stadionausgang einen größeren, weitläufigeren Platz gegeben, wo die rund 3600 Anhänger aus Hamburg problemlos hätten warten können.

"Unten wären unsere und Bremens Anhänger aber nur durch einen einfachen Zaun getrennt gewesen. Daher wurde entschieden, dass wir oben warten sollten", erklärt der HSV-Fan-Beauftragte Mike Lorenz. Polizeisprecher Zanetti sagte: "Wir wollten unten Konfliktsituationen vermeiden, wenn die Fans aufeinandergetroffen wären."

Zanetti verteidigte das Vorgehen der Polizei: "Die Fläche vor den Treppen war groß genug. Außerdem bot sich diese eher an, weil dort Toiletten und Verkaufsbuden sind." Zudem habe es nur an einem der drei Treppenabgänge Probleme gegeben.

"Insgesamt war die Situation entspannt", so Zanetti, der sagt, die Blocksperre habe nicht 20, sondern nur fünf Minuten länger gedauert als zunächst geplant. Das sei nötig gewesen, da noch nicht alle Werder-Fans mit den Bussen abgereist waren und sich die Abfahrt der HSV-Anhänger daher verzögerte. Derzeit ermittele die Kriminalpolizei im Stadion.

"Wir wollen den Vorfall sauber abarbeiten und müssen gucken, wie man das in Zukunft verhindern kann", betonte Zanetti, der von einem insgesamt "sehr ruhigen" Nordderby sprach.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 113 Beiträge
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1. Unfassbar
Winnewupp 26.09.2010
"17 verletzte Beamte, sieben verletzte HSV-Fans, von denen einer nach wie vor im Krankenhaus liegt und in Lebensgefahr schwebt." => "Insgesamt war die Situation entspannt", so [Bremens Polizeisprecher]Zanetti. Wie bitte?? Das sind Zahlen die sogar die Krawallen zwischen St.Pauli und Hansa Anhängern übertreffen. Und das OHNE Ausschreitungen! Anscheinend mangelt es der deutschen Polizei an der Fähigkeit Selbstkritik zu üben. Normalerweise spricht man in so einem Fall "wenigstens" von "einem bedauerlichen Zwischenfall" der "so schnell wie möglich untersucht wird". Aber nicht von einer "entspannten Situation" die jetzt "sauber abgearbeitet" wird. Ansonsten gute Besserung an den/die Fan(s). Ein Fussballfan
2.
K.H.I.A. 26.09.2010
Aha, jetzt werden Vorwürfe gegenüber der Polizei laut. Das ich nicht lache !! Habe im Weserstadion im Gästebereich arbeiten müssen. Ohne die schwer gepanzerte Polizei in Sichtweite hätte ich mich dort vor Angst irgentwo versteckt. Das hat alles nichts mehr mit einer spaßigen Veranstaltung zu tun! Der Mob aus Hamburg ist zu einem großen Teil sehr aggresiv. Ich habe das Gefühl gehabt, dass sich dort 50 % normale Fans und 50 % gewaltbereite Fans aufhielten. Normalerweise sind die Caoten in der Minderzahl, sodass alle friedlichen Gäste unter denen leiden müssen. Bei den Hamburgern jedoch ists ausgeglichen und deshalb gefährlich. Klar gab es eine Blocksperre. Die Hamburger können froh sein, dass sie hier überhaupt Alkohol bekommen. In einigen deutschen Städten bekommen die nur alkfreies Bier! Wärend der Blocksperre wurden die Beamten bereits mit Sprechchören beleidigt und mit Bechern, Feuerzeugen usw. beworfen. Sie sind natürlich ruhig geblieben. Als die Sperre aufgehoben wurde rannte der Pöbel wie eine Herde Rindviecher los. Das dort Menschen zu schaden gekommen sind, ist alleine Schuld des betrunkenen Hamburger Fans. Sorry Leute, die Polizei hat sich meiner Ansicht nach, noch zu zurückhaltend gezeigt.
3. .
Christian W., 26.09.2010
Zitat von K.H.I.A.Aha, jetzt werden Vorwürfe gegenüber der Polizei laut. Das ich nicht lache !! Habe im Weserstadion im Gästebereich arbeiten müssen. Ohne die schwer gepanzerte Polizei in Sichtweite hätte ich mich dort vor Angst irgentwo versteckt. Das hat alles nichts mehr mit einer spaßigen Veranstaltung zu tun! Der Mob aus Hamburg ist zu einem großen Teil sehr aggresiv. Ich habe das Gefühl gehabt, dass sich dort 50 % normale Fans und 50 % gewaltbereite Fans aufhielten. Normalerweise sind die Caoten in der Minderzahl, sodass alle friedlichen Gäste unter denen leiden müssen. Bei den Hamburgern jedoch ists ausgeglichen und deshalb gefährlich. Klar gab es eine Blocksperre. Die Hamburger können froh sein, dass sie hier überhaupt Alkohol bekommen. In einigen deutschen Städten bekommen die nur alkfreies Bier! Wärend der Blocksperre wurden die Beamten bereits mit Sprechchören beleidigt und mit Bechern, Feuerzeugen usw. beworfen. Sie sind natürlich ruhig geblieben. Als die Sperre aufgehoben wurde rannte der Pöbel wie eine Herde Rindviecher los. Das dort Menschen zu schaden gekommen sind, ist alleine Schuld des betrunkenen Hamburger Fans. Sorry Leute, die Polizei hat sich meiner Ansicht nach, noch zu zurückhaltend gezeigt.
Das klingt vollkommen realistisch und entspricht sämtlichen Erfahrungen, die man als Gästefan bislang mit deutschen Polizisten machen durfte. Gerade in Bremen.
4. Aha...
Winnewupp 26.09.2010
Zitat von K.H.I.A.Aha, jetzt werden Vorwürfe gegenüber der Polizei laut. Das ich nicht lache !! Habe im Weserstadion im Gästebereich arbeiten müssen. Ohne die schwer gepanzerte Polizei in Sichtweite hätte ich mich dort vor Angst irgentwo versteckt. Das hat alles nichts mehr mit einer spaßigen Veranstaltung zu tun! Der Mob aus Hamburg ist zu einem großen Teil sehr aggresiv. Ich habe das Gefühl gehabt, dass sich dort 50 % normale Fans und 50 % gewaltbereite Fans aufhielten. Normalerweise sind die Caoten in der Minderzahl, sodass alle friedlichen Gäste unter denen leiden müssen. Bei den Hamburgern jedoch ists ausgeglichen und deshalb gefährlich. Klar gab es eine Blocksperre. Die Hamburger können froh sein, dass sie hier überhaupt Alkohol bekommen. In einigen deutschen Städten bekommen die nur alkfreies Bier! Wärend der Blocksperre wurden die Beamten bereits mit Sprechchören beleidigt und mit Bechern, Feuerzeugen usw. beworfen. Sie sind natürlich ruhig geblieben. Als die Sperre aufgehoben wurde rannte der Pöbel wie eine Herde Rindviecher los. Das dort Menschen zu schaden gekommen sind, ist alleine Schuld des betrunkenen Hamburger Fans. Sorry Leute, die Polizei hat sich meiner Ansicht nach, noch zu zurückhaltend gezeigt.
Ihr Artikel schreit geradezu nach Subjektivität. Und genaus das ist es was man bei der Klärung dieses Zwischenfalls nicht benötigt. Ihr Argumentation über agressive Hamburger Fans mag berechtigt sein, allerdings findet man diese bei jeder Fangruppierung, besonders bei Auswärtsspielen. Auch die Bremer lassen da nichts auf sich kommen. Ich durfte nämlich selbst miterleben wie sich Bremer "Fans" benahmen, als ein Ordner einen Krawallmacher aus dem Stadion führen wollte. Ein paar Schläge auf den Kopf, ein paar Tritte von den "Kumpels" und der Ordner musste sich zurückziehen. Geschehen im Auswärtspiel bei Hoffenheim vor 2 Jahren. Allerdings ist dasabsolut irrelevant wenn es die polizei versäumt rechtzeitig Ausgänge (in diesem Fall wohl eher "Fluchtwege") rechtzeitig zu öffnen. Und warum die "Horde" dann losgestürmt ist, sollte der Artikel bereits geklärt haben. Und eine angetrunkene Menschenmenge um mehr als das doppelte der abgesprochenen Zeit festzuhalten ist sicherlich das genaue Gegenteil von "deeskalierend". Zumal jedem bewust sein muss, das nach und nach mehr Menschen "nachrücken".
5. Ja die guten Bremer und die pöhsen HSVer
Dylan1941, 26.09.2010
Zitat von Christian W.Das klingt vollkommen realistisch und entspricht sämtlichen Erfahrungen, die man als Gästefan bislang mit deutschen Polizisten machen durfte. Gerade in Bremen.
Haben die nicht für den HSv mit den FC Fans das Heimspiel vorher "geübt" ;-)
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