Nach umstrittenem Quali-Aus Fifa stellte irischen Fußballverband mit Millionenbetrag ruhig

Wegen eines nicht geahndeten Handspiels flog Irland vor der WM 2010 aus dem Wettbewerb. Der irische Fußballverband wollte dagegen klagen, erhielt stattdessen aber eine Entschädigung von der Fifa, angeblich als Kredit.

Schiedsrichter Hansson, protestierende Iren: Nach einem umstrittenen Handspiel flog Irland aus der Qualifikation
AFP

Schiedsrichter Hansson, protestierende Iren: Nach einem umstrittenen Handspiel flog Irland aus der Qualifikation


Der Fußball-Weltverband Fifa hat sich im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika anscheinend ein juristisches Verfahren mit dem irischen Verband FAI durch eine millionenschwere Entschädigungszahlung erspart.

Damals war Irland im Playoff-Rückspiel in Frankreich mit 1:1 nach Verlängerung unglücklich ausgeschieden. Dem Ausgleichstreffer in Paris ging ein nicht geahndetes Handspiel von Thierry Henry voraus. Der irische Verband hatte daraufhin beantragt, als 33. Teilnehmer zur WM-Endrunde in Südafrika zugelassen zu werden, war damit aber gescheitert.

"Wir hatten das Gefühl, Anlass zu einer Klage gegen die FIFA zu haben, weil wir im Playoff wegen Henrys Aktion ausgeschieden waren", sagte FAI-Präsident John Delaney nun dem Radiosender RTE Radio 1. In der Folge sei es zu einem "Abkommen" mit der FIFA gekommen: "Wir setzten uns donnerstags zusammen und hatten montags einen Deal, der von allen Parteien unterzeichnet wurde. Damit war die Sache erledigt."

Zur Höhe der Zuwendungen wollte Delaney mit Verweis auf die "Vertraulichkeit" keine Angaben machen. Allerdings räumte er ein, dass es sich um eine "sehr gute und überaus rechtmäßige Übereinkunft" gehandelt habe. Medienberichten zufolge soll die FIFA eine Summe von umgerechnet rund fünf Millionen Euro gezahlt haben, um den Fall abzuschließen.

In einem der Zeitung "The Guardian" vorliegenden Statement bestätigt die Fifa die Zahlung der Summe und teilte mit, dass die das Geld als Darlehen für den Bau eines Stadions vorgesehen war. Die Fifa habe später entschieden, den Betrag zum 31. Dezember 2014 abzuschreiben.

Das Hinspiel hatte Frankreich 1:0 gewonnen. Der irische Verband und die Regierung bemühten sich in der Folge bei der Fifa vergeblich um ein Wiederholungsspiel.

Die Zahlung an Irland ist ein weiteres Kapitel im Fifa-Skandal. Erst kürzlich wurde bekannt, dass bei den WM-Vergaben 1998 und 2010 offenbar Schmiergelder geflossen sein sollen.

kbl/dpa/sid

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Seite 1
Lankoron 04.06.2015
1. Wieso ist das ein Skandal?
Höchstens die Geheimhaltung.....ansonsten ist sowas durchaus in vielen Gerichtsverfahren üblich, in den anglophilen Ländern sind Vergleiche noch eher wichtig als in Deutschland. Stellen sie sich vor, Irland hätte zugelassen werden müssen mit ner einstweiligen Verfügung vom CAS, oder man hätte das Spiel tatsächlich neu ansetzen müssen....die ganze WM stünde eventuell mit riesigen Problemen vor dem Aus. Angesichts eines drohenden Milliardendebakels erscheint dann eine Summe von 5 Mio als geringeres Übel. Zumal das Geld ja offfensichtlich durch offizielle Kanäle von der FIFA zum irischen Verband ging, und nicht in die Hände von Funktionären oder Politikern... Was würde denn z.B der SPIEGEL tun...eine ganze Auflage unter Strafandrohung Sonntags einstampfen oder lieber eine Summe von 1000 Euro zahlen, um einer Beschlagnahme zu entgehen?
Unternehmerunternimmtwas 04.06.2015
2. So tief runter in die Einzelbegegnungen geht das?
Na da sollte man sich aber eine ganze Reihe Spiele noch mal ansehen. Da gab es aber jede Menge Siege, auf die Niemand "gewettet" hat - womit wir beim nächsten Thema wären...
maxehaxe 04.06.2015
3. Aha!
Also die nächste WM in Nordirland. Warum sonst sollte man die Iren schmieren (hehe). Wen interessiert schließlich noch ein Handspiel von vor 6 Jahren...
napoleon1st 04.06.2015
4.
Ich finde eine Entschädigung für Fehlentscheidungen eigentlich gar nicht so verkehrt. Fassen wir zusammen: - es geht um viel Geld - eine Mannschaft kann durch einen Fehlentscheid viel verlieren (Sieg, Geld, Prestige, usw). In der "normalen Welt" werden verursachte Schäden auch bezahlt bzw. entschädigt.
Kezman9 04.06.2015
5.
Es wird immer unheimlicher! Jetzt kommt noch raus, welcher Schiedsrichter bei diversen WM Spielen geschmiert worden sind. Müssen auch Titel aberkannt werden? Ich glaub die FIFA kann sich schon mal nen Spruch für ihren Grabstein ausdenken.
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