Nachwuchsförderung in der Bundesliga Krieg der Sterne

Das EM-Debakel der deutschen Mannschaft im Jahr 2000 blieb nicht ohne Folgen: Anschließend wurde die Nachwuchsförderung reformiert. Das Magazin "SPONSORS" erklärt den entstandenen Wettkampf um die beste Ausbildung. Denn: Je besser die Jugendarbeit, umso höher die Fördergelder.

Von Henning Eberhardt

dapd

Dies ist der zweite Teil des "SPONSORS"-Artikels über die Nachwuchsförderung im deutschen Profifußball. Lesen Sie im ersten Teil, welche Auflagen die Clubs erfüllen müssen.

Die Bewertung der Jugendarbeit aller Fußball-Bundesligisten erfolgt über die Vergabe von maximal drei Qualitätssternen. "Das ist wie in der Gastronomie", zieht Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim und Hauptförderer der Nachwuchsarbeit der Kraichgauer, Vergleiche zu den berühmten Michelin-Sternen.

Bei der ersten Zertifizierung von 2007 bis 2009 erreichten sieben Clubs die Top-Kategorie von drei Sternen, sechs Vereine erhielten zwei Sterne und drei Teams einen Stern. Zwei der geprüften Nachwuchsleistungszentren bekamen keinen Stern zugesprochen. 2010 ging die Zertifizierung in die zweite Runde. Betrachtet man nur die Ergebnisse der 18 Bundesliga-Clubs, wird eine Qualitätssteigerung sichtbar. So haben mittlerweile mehr als die Hälfte der Erstligisten die Bestnote drei Sterne bekommen (Anm.: genaue Einteilung im Kasten links).

Mittlerweile existiert sogar so etwas wie ein "Krieg der Sterne" um die beste Nachwuchsförderung - auch wenn das niemand offen zugibt. Denn eigentlich war es der ausdrückliche Wunsch der Clubs, "keine Hitparade der 36 Leistungszentren anzulegen", betont Holger Hieronymus, Geschäftsführer Spielbetrieb der Deutschen Fußball Liga (DFL). Jeder Verein kenne nur sein eigenes Ergebnis.

Nachwuchszentren werden meist durch Spielerverkäufe finanziert

"Dennoch registrieren wir auch, dass Ergebnisse ausgetauscht werden und sich darüber ein gewisser Ehrgeiz in den einzelnen Leistungszentren entwickelt hat", so Hieronymus. Der Ehrgeiz der Clubs liegt wohl auch in den Mittelzuflüssen von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) begründet. Die DFL erhält von der Uefa aus dem Champions-League-Solidaritätsfonds jährlich rund 7,5 Millionen Euro. Dieses Geld verteilt sie über die Ergebnisse der Zertifizierung. So erhält ein Club für drei Sterne rund 360.000 Euro, für zwei rund 260.000 und für einen rund 160.000.

Berücksichtigt werden jedoch ausschließlich Vereine, die nicht an der Champions League teilgenommen haben. Vom DFB erhalten die Vereine eine zusätzliche Fördersumme für Kooperationen mit sogenannten "Eliteschulen des Fußballs". Hoffenheim kassiert hierüber beispielsweise pro Saison noch einmal 30.000 Euro. Die Eliteschulen sind spezielle Bildungs- und Fördereinrichtungen, die Kinder und Jugendliche gleichzeitig schulisch und sportlich weiterbilden sollen. Insgesamt gibt es bundesweit derzeit 29 solcher Eliteschulen.

Alle Subventionen reichen allerdings nicht ansatzweise aus, um den jährlichen Etat eines Nachwuchsleistungszentrums zu stemmen. Dieser liegt im Bundesliga-Durchschnitt nach SPONSORS-Informationen bei rund 2,5 Millionen Euro. Alleine durch die Fördergelder können diese Kosten nicht gedeckt werden.

Aber durch Spielerverkäufe: Stuttgart gab den selber ausgebildeten Mario Gomez 2009 zum FC Bayern ab - und erhielt 30 Millionen Euro. Schalke 04 verkaufte Mesut Özil für über vier Millionen Euro nach Bremen und Manuel Neuer für 22 Millionen Euro zum FC Bayern. Geld, mit dem man seine Nachwuchsabteilung einige Jahre aufrecht erhalten kann.

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Klaus.Freitag 16.02.2012
1.
Zitat von sysopdapdDas EM-Debakel der deutschen Mannschaft im Jahr 2000 blieb nicht ohne Folgen: Anschließend wurde die Nachwuchsförderung reformiert. Das Magazin "SPONSORS" erklärt den entstandenen Wettkampf um die beste Ausbildung. Denn: Je besser die Jugendarbeit, umso höher die Fördergelder. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,813795,00.html
Schwacher, wenig recherchierter und kaum Hintergrund-und Detailinformationen liefernder Artikel.
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