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Nationalkeeperin Holl: Die Frau dahinter

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Schuften für den Erfolg: Die Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen sind auch für die Partner der deutschen Spielerinnen eine besondere Zeit - und für die Partnerinnen. So wie für DFB-Torfrau Ursula Holl und ihre Gattin Carina, wie das Magazin "11FREUNDE" beschreibt.

DFB-Torfrau Holl: Als lesbisches Zugpferd wollte sie sich nicht einspannen lassen Zur Großansicht
dapd

DFB-Torfrau Holl: Als lesbisches Zugpferd wollte sie sich nicht einspannen lassen

Es war der 18. Juni 2010. In Port Elizabeth, Südafrika, verliert die deutsche Nationalmannschaft ihr zweites WM-Gruppenspiel 0:1 gegen Serbien, Lukas Podolski verschießt einen Elfmeter. Ein grauer Tag für Fußball-Deutschland. In Köln aber scheint die Sonne - und zwei Frauen strahlen mit ihr um die Wette. Ursula Holl gibt ihrer Freundin Carina das Jawort. Warum sie geheiratet habe? Was für eine Frage! "Weil ich Carina liebe, weshalb denn sonst", sagt Holl.

Die 28-Jährige sitzt an einem wackligen Tisch in der Kölner Südstadt. Sie ist Ersatztorhüterin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Schulterlange Haare, durchtrainierte Figur, dunkler Teint: Ursula Holl ist eine hübsche Frau. Die Augen ruhen konzentriert auf ihrem Gegenüber, jede Antwort kommt mit Bedacht. Bei den ersten Fragen scheint es, als würde sie jeden Moment einen satten Schuss in den Winkel erwarten. Ihre Frau ist da anders. Carina hat kurze blonde Haare, kleine Lachfalten um die Augen. In einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung wäre sie die heitere Lebenslustige und ihre Frau die stille Geheimnisvolle.

Kennengelernt haben sich die beiden 2006. Die Sportwissenschaftlerin Carina führte beim Bundesligisten 1. FFC Frankfurt eine Studie zur Sprintverbesserung durch. Torhüterin Ursula lief artig mit. Nach drei Monaten waren sie zusammen, Studie erfolgreich abgeschlossen.

Natürlich sind Ursula und Carina Holl kein normales Paar, jedenfalls nicht für die breite Öffentlichkeit. Nachdem die "Bild"-Zeitung Anfang des Jahres über die "Torfrau, die mit einer Frau verheiratet ist", berichtete, erhielt das Ehepaar Holl mehr als ein Dutzend Medienanfragen. Fast alle wurden höflich abgesagt, auch die von diversen homosexuellen Organisationen. Als lesbisches Zugpferd wollte sich die Torhüterin vom FCR Duisburg nicht einspannen lassen.

In der Nationalelf ist für Holl an Nadine Angerer kein Vorbeikommen

Aber eine Kickerin, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennt, ist auch im Frauenfußball immer noch eine große Sache. Das Ehepaar Holl ist eine kleine Attraktion. "Pfft", macht Ursula Holl. Eine Attraktion will sie sein, das schon. Aber bitte als sprunggewaltige Torhüterin auf dem Fußballplatz und nicht als Frau, die mit einer Frau verheiratet ist. In der Nationalelf ist an Nadine Angerer zwar kein Vorbeikommen. Dennoch ist Holl eine der erfolgreichsten Fußballerinnen des Landes: Welt- und Europameisterin, Uefa-Cup-Siegerin, mehrfache Deutsche Meisterin, DFB-Pokalsiegerin.

Ihre Gattin hat ein ansteckendes Lachen. Wenn sie erzählt, hört man gerne zu. Als Spielerinnen-Frau lebt es sich in den Wochen der WM-Vorbereitung allerdings ziemlich einsam. Die Frau des DFB-Teampsychologen Arno Schimpf hat vor kurzem ausgerechnet, wie viele Tage sich Fußballerinnen und Partner in den gut vier Monaten vom Beginn der Vorbereitung bis zum möglichen WM-Finale sehen werden: 23.

"Betreutes Wohnen mit Animationsprogramm"

Weil alles andere als der Titelgewinn eine Enttäuschung wäre, hatte Bundestrainerin Silvia Neid ein straffes Programm zusammengestellt. Wochenlang schuftete das Team in Sportschulen, ein Kasernenleben mit strikter Vorgabe: Fußball trainieren, Fußball leben, Fußball denken. "Ich nenne das immer betreutes Wohnen mit Animationsprogramm", sagt Carina Holl.

In der gemeinsamen Wohnung hängt ein Terminkalender. Der 26. Juni 2011 ist mit rotem Filzstift dick eingekreist. Eröffnungsspiel in Berlin, die erste Partie der DFB-Frauen, Deutschland gegen Kanada. Das große Ziel, Grund für all die Schinderei. Auch für Ursula Holl, die bei der WM höchstwahrscheinlich nicht zum Einsatz kommen wird und sich zudem seit Monaten mit einer Beckenverletzung quält. Ihre Motivation: "Ich will jeden Tag beweisen, dass ich mehr als nur eine Alternative bin." Das kostet Kraft, physisch und psychisch.

"Wenn die Ursula nach Hause kommt", beschreibt Carina ihren Alltag, "dann braucht sie erst mal eine halbe Stunde für sich. Wenn sie dann immer noch still ist, weiß ich, dass sie einen schlechten Tag hatte." Vom Kasernenleben zurück ins normale Leben mit fußballfremden Sorgen und Nöten - auch das ist ein Spagat, den die deutschen Fußballerinnen im Frühjahr 2011 bewältigen müssen.

In der Kölner Südstadt brennt wieder die Sonne vom Himmel. Das könnte ein schöner Sommer werden, nicht nur für die deutschen Fußballfrauen. Ursula Holl verzieht das Gesicht, das verletzte Becken schmerzt noch immer. Ihre Frau schaut besorgt über den Tisch: "Manchmal würde ich mir schon wünschen, dass die Ursula einen anderen Beruf ausübt. Vielleicht Ballett."

Ursula Holl lacht laut auf und sagt: "Großer Gott!" Sie schaut auf die Uhr. Die Augen blitzen, der Schalter im Kopf ist umgelegt. In zwei Stunden beginnt die nächste Trainingseinheit. Fangen, springen, fausten, rennen. Zurück ins betreute Wohnen mit Animationsprogramm. Und daheim sitzt jemand und wartet.

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Forum - Fußball-WM der Frauen 2011 - was erwarten Sie vom Turnier?
insgesamt 5176 Beiträge
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1.
krafts 29.11.2010
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
2.
Kanzla87 29.11.2010
Zitat von kraftsIch gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Aus welchem Grund?
3.
Rockker, 29.11.2010
Ein Wettbwerb aus der Kategorie *EIKS, aber dank den deutschen Medien wird er gehypt zu dem nächsten unsänglichen "Sommermärchen" wo die deutsche NM, alle Gegner sowieso mit 22:0 schlagen wird... *Eigentlich Interessiert Keine Sau
4. Zu wünschen wäre es...
Flosse, 29.11.2010
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Die Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
5. !
CaptainSubtext 29.11.2010
Zitat von FlosseDie Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
mmmmh. Wenn die Damenelf noch nicht mal in der Lage ist gegen eine Vereins-B-Jugend zu gewinnen, wieso.....?
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Wird Deutschland Weltmeister?

Frauenfußball-Weltmeister
Jahr Sieger
2015 USA (5:2 gegen Japan)
2011 Japan (3:1 n.E. gegen USA)
2007 Deutschland (2:0 vs. Brasilien)
2003 Deutschland (2:1 n.G.G. vs. Schweden)
1999 USA (5:4 n.E. vs. China)
1995 Norwegen (2:0 vs. Deutschland)
1991 USA (2:1 vs. Norwegen)

Fotostrecke
Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011: Das sind die 16 WM-Teilnehmer
Alle WM-Torschützenköniginnen
Jahr Torschützenkönigin
2011 Homare Sawa (Japan), 5 Tore
2007 Marta (Brasilien), 7 Tore
2003 Birgit Prinz (Deutschland), 7 Tore
1999 Sissi (Brasilien) & Sun Wen (China), je 7 Tore
1995 Kristin Aarønes (Norwegen), 6 Tore
1991 Michelle Akers (USA), 10 Tore

Die Favoriten der Frauenfußball-WM
Brasilien - der ewige Zweite
Fifa-Weltrangliste: 3.
WM-Teilnahmen: 6
Bestes WM-Ergebnis: Zweiter (2007)
Letzte Turniere: Sudamericano 2010: Sieger, Olympia 2008: Finale, WM 2007: Finale
Trainer: Kleiton Lima
Stars: Marta, Christiane (beide Sturm), Maurine (Mittelfeld)
Taktik: 3-4-1-2 oder 3-4-3
Stärken: variables Spiel, extrem torgefährlich, Marta
Schwächen: Defensive, fehlende Siegermentalität?
Deutschland - der Titelverteidiger
Fifa-Weltrangliste: 2.
WM-Teilnahmen: 6
Beste WM-Ergebnis: Weltmeister (2003, 2007)
Letzte Turniere: EM 2009: Sieger, Olympia 2008: Dritter, WM 2007: Sieger
Trainerin: Silvia Neid
Stars: Birgit Prinz (Sturm), Fatmire Bajramaj (Mittelfeld), Nadine Angerer (Tor)
Taktik: 4-2-3-1, offensiv ausgerichtet
Stärken: große Torgefahr von allen Position, hervorragend eingespielt, sehr flexibel
Schwächen: der Druck der Heim-WM
England - der Aufsteiger
Fifa-Weltrangliste: 10.
WM-Teilnahmen: 3
Beste WM-Ergebnis: Viertelfinale (1995, 2007)
Letzte Turniere: EM 2009: Finale, Olympia 2008: nicht dabei, WM 2007: Viertelfinale
Trainerin: Hope Powell
Stars: Kelly Smith (Sturm), Rachel Yankey (Linksaußen), Faye White (Abwehr)
Taktik: 4-2-3-1 nach deutschem Vorbild
Stärken: technisch versiert, taktisch gut geschult
Schwächen: Torfrauen, viele junge Spielerinnen
Japan - der Geheimfavorit
Fifa-Weltrangliste: 4.
WM-Teilnahmen: 6
Beste WM-Ergebnis: Viertelfinale (1995)
Letzte Turniere: Asienmeisterschaft 2010: Dritter, Olympia 2008: Vierter, WM 2007: Vorrunde
Trainer: Norio Sasaki
Stars: Homare Sawa (Mittelfeld), Yuki Nagasato, Kozue Ando (beide Sturm)
Taktik: 4-4-2, offensiv
Stärken: schnelles Kombinationsspiel, Technik
Schwächen: körperlich unterlegen, bei WMs bislang immer schlecht
Schweden - die Wundertüte
Fifa-Weltrangliste: 5.
WM-Teilnahmen: 6
Beste WM-Ergebnis: Zweiter (2003)
Letzte Turniere: EM 2009: Viertelfinale, Olympia 2008: Viertelfinale, WM 2007: Vorrunde
Trainer: Thomas Dennerby
Stars: Lotta Schelin (Sturm), Charlotte Rohlin (Abwehr), Caroline Seger (Mittelfeld)
Taktik: 4-4-2
Stärken: klare Ordnung, Zusammenspiel im Angriff
Schwächen: kaum konstante Leistungen, mangelhafte Chancenverwertung
USA - der Olympiasieger
Fifa-Weltrangliste: 1.
WM-Teilnahmen: 6
Beste WM-Ergebnis: Weltmeister (1991, 1999)
Letzte Turniere: Gold Cup 2010: Dritter, Olympia 2008: Sieger, WM 2007: Dritter
Trainerin: Pia Sundhage (Schweden)
Stars: Abby Wambach (Sturm), Christie Rampone (Abwehr), Hope Solo (Tor)
Taktik: 4-4-2, variabel
Stärken: Defensive, schnelles Umschalten, sehr athletisch
Schwächen: Passspiel phasenweise zu ungenau

Die deutschen Gegner im Portrait
Kanada
Die Kanadierinnen qualifizierten sich ohne Gegentreffer in der Nord- und Mittelamerikagruppe für die WM, im Finale besiegten sie Mexiko 1:0. Kanadas bislang größter Erfolg bei einer WM war Platz vier 2003 in den USA. Bei den anderen Teilnahmen kam die von Italiens Fußball-Ikone Carolina Morace trainierte Nation nicht über die Vorrunde hinaus. Die deutsche Elf spielte bereits neunmal gegen Kanada und gewann alle Duelle. Zuletzt siegte der Weltmeister im September 2010 in Dresden 5:0. Auch bei einer WM trafen sich beide Länder bereits: 2003 war Kanada ebenfalls der Auftaktgegner, die DFB-Elf setzte sich damals 4:1 durch - und holte anschließend erstmals den WM-Titel.
Nigeria
Nigeria ist im Frauen-Fußball das Maß aller Dinge in Afrika. Die "Super Falcons" (Super-Falken), wie die Mannschaft daheim genannt wird, gewannen bislang acht von neun Afrika-Meisterschaften. Im vergangenen Endspiel im November 2010 siegten sie 4:2 gegen Äquatorial-Guinea. Nigeria war bei allen fünf WM-Turnieren dabei. 1999 in den USA kamen die Afrikanerinnen bis ins Viertelfinale. Die Nigerianerinnen gelten als robuster und unangenehmer Gegner. Allerdings präsentierten sie sich beim 0:8 im Testspiel gegen Deutschland im November 2010 desolat. Auch sonst spricht die Bilanz klar für die deutsche Elf: Sie gewann bisher alle sechs Spiele gegen Nigeria, setzte sich auch im einzigen WM-Spiel 1991 in China 4:0 durch.
Frankreich
Für die Französinnen ist es erst die zweite WM-Teilnahme nach 2003 in den USA, damals schieden sie in der Vorrunde aus. Ungeschlagen blieb das Team von Trainer Bruno Bini aber in den zwölf WM-Qualifikationsspielen. Der Coach des Weltranglisten-Achten setzt vor allem auf Rekordnationalspielerin Sandrine Soubeyrand im Mittelfeld und Sturmtalent Eugénie Le Sommer. Bei einer WM traf Deutschland noch nie auf Frankreich, dafür aber bereits zweimal bei einer Europameisterschaft: Zuletzt siegte die DFB-Elf 5:1 in der Vorrunde bei der EM 2009 in Finnland. 2005 in England gewann Deutschland 3:0. Allerdings unterlag die DFB-Elf der "Equipe Tricolore" in neun Spielen auch zweimal. Ein Unentschieden zwischen den Nachbarländern gab es noch nie.

Quelle: dpa
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WM-Gruppe A: Das sind die deutschen Gegner
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