Bundestrainer Löw: "Eine unglückliche Situation"

Das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft nach der EM ging gegen Argentinien verloren, DFB-Keeper Ron-Robert Zieler wurde früh vom Platz gestellt. Bundestrainer Joachim Löw hält die doppelte Bestrafung für den Torhüter für "unsinnig", Kritik an der Mannschaft lässt er nur bedingt gelten.

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Bundestrainer Löw: "Kann keinem Spieler einen Vorwurf machen"

Frage: Herr Löw, wie bewerten Sie das erste Spiel nach der EM?

Löw: Der Spielverlauf war einfach gegen uns. Ich war sehr zufrieden mit den ersten 25 Minuten. Wir hatten viele Ballgewinne, viele Möglichkeiten. Die Chancenverwertung gilt es zu verbessern. Nach der Roten Karte und dem Eigentor war es in Unterzahl nicht einfach, einen Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Aber die Mannschaft hat nichts unversucht gelassen.

Frage: Was können Sie aus dem Spiel für die anstehende WM-Qualifikation mitnehmen?

Löw: Das war eine erste Standortbestimmung, sozusagen eine gewisse Orientierung für mich, wo der ein oder andere Spieler steht. Die Färöer sind im September ein ganz anderer Gegner, der sicher nicht so offensiv spielen wird. Wichtig war, dass ich in den zwei Tagen mit der Mannschaft kurz über die EM sprechen konnte, was wir im September dann noch vertiefen werden, wenn hoffentlich wieder alle dabei sind.

Frage: Wie beurteilen Sie die Schlüsselszene des Spiels mit dem Platzverweis für Ron-Robert Zieler und dem Elfmeter?

Löw: Ob er sich zu spät von der Linie bewegt hat, weiß ich nicht genau. Eins ist klar: Wer diese Regel (doppelte Bestrafung mit Elfmeter und Roter Karte - d. Red.) erfunden hat, möchte ich gar nicht wissen. Das ist einfach unsinnig. Natürlich war Ron ziemlich betrübt. Das muss er aber nicht sein. Es war einfach eine unglückliche Situation.

Frage: Marc-André ter Stegen hat jetzt acht Tore in zwei Spielen kassiert. Wie bauen Sie ihn wieder auf?

Löw: Man muss ihn gar nicht so aufbauen, er hat einen Elfmeter gegen Messi gehalten. Das war ein gutes Gefühl für ihn. Dann hat er auch noch ein paar andere Bälle gut gehalten. Er konnte nichts tun bei den Gegentoren.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle von Marco Reus?

Löw: Marco Reus kann im Nationalteam in den nächsten Monaten noch einige große Schritte machen. Vor der EM war er noch nicht so häufig bei uns. Er hat große Fähigkeiten, das hat man gegen Argentinien gesehen. Doch da ist nicht nur Marco Reus, auch Mario Götze, wenn er in den Rhythmus kommt. Da sieht man hervorragende Anlagen.

Frage: Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn hat als ZDF-Experte die deutsche Abwehr hart kritisiert. Zu recht?

Löw: Ich teile seine Meinung bedingt. Natürlich hätten wir einige Situationen besser lösen können, in denen wir uns zu früh haben rauslocken lassen. Uns war klar, dass es im Zentrum sehr schwer würde, aber dass wir dem Gegner in einigen Situationen zu viel Platz gelassen haben, war in Unterzahl gar nicht nötig. Keine Frage, das müssen wir besser machen. Daran werden wir arbeiten.

Frage: Kahn sprach auch von zehn Prozent fehlendem Willen?

Löw: Das habe ich nicht gesehen. Zehn, zwölf oder acht Prozent - wer will so etwas einschätzen? Ich kann taktische Dinge herausziehen, Spieler einschätzen, ob sie Fehler gemacht haben. Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat.

Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa und Jürgen Zelustek, sid

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insgesamt 30 Beiträge
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1.
081172 16.08.2012
Zitat Löw: "Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat." Richtig - zu mehr reicht es halt nicht. Ist ja nicht weiter schlimm, aber dann sollte man sich nicht großkotzig hinstellen und von Titeln reden, als ob das nur eine lästige Pflichtübung ist. So weckt er eine sachlich unbegündete Erwartungshaltung - die Enttäuschung kommt zwangsläufig..
2. Herr Löw kann es kommentieren
dani216 16.08.2012
wie er will. Fakt ist, dass die deutsche Nationalmannschaft keinen Erfolg bzw. keinen Titel vorzuweisen hat. Ach ja, wenn ich schon dabei bin: Lieber Herr Löw. Könnten Sie (und der liebe Hansi natürlich auch) nicht mal im Sommer ein kurzärmeliges Hemd tragen? Es tut mir jedesmal sowas von weh, wenn ich sehe, wie Sie (und der liebe Hansi) die Ärmel bis über die Ellenbogen nach oben gekrempelt haben. Es gibt speziell für warme Tage Kurzarmhemden, Langarmhemden sind eher was für die kühlere Jahreszeit. Ich sehe ein, dass man sich durch diese Maßnahme das Kurzarmhemd spart, aber aus modischer Sicht ist das eher völlig daneben. Vielleicht sprechen Sie mal mit dem DFB, ob diese Ausweitung der Dienstkleidung nicht doch noch irgendwie drin ist. Vielen Dank.
3. Patriotismus
WAZ 16.08.2012
Es fehlt einigen Spielern an emotionaler Bindung zu Deutschland. Es reicht nicht aus, dass diese Spieler gerne in der deutschen Nationalmannschaft spielen wollen, weil dies den internationalen Marktwert steigert und sie von Konzernen dicke Werbeaufträge erhalten.. Mit diesen Spielern kann kein Titel geholt werden, weil diese Spieler zu keinem Zeitpunkt bereit sind 120% ihrer Leistung in einem Turnier abzurufen. Dies hat für den Bundestrainer Löw Konsequenzen, die wie folgt aussehen könnten: Khedira auswechseln gegen Bender (kein Problem) Schürrle auswechseln gegen Podolski (kein Problem) Boateng auswechseln gegen Lahm (ohnehin notwendig) Özil auswechseln gegen Götze (erfolgt ohnehin). Klose auswechseln (ist ohnehin notwendig - z.B. gegen Müller in der Spitze. Das beeinträchtigt nicht seine Verdienste in der Nationalelf und seine positive Einstellung gegenüber Deutschland) Generell nachgedacht muss über die Rolle von Badstuber - nicht überzeugend in seinen Einsätzen; schöne Pässe aus der Abwehr reichen nicht aus. Der Patriotismus kann allerdings nicht angezweifelt werden bei diesem Abwehrspieler.. Der Bundestrainer hat eine große Auswahl talentierter deutscher Spieler zur Verfügung. Zur kommenden WM muss jetzt eine engagierte und patriotische Truppe zusammengestellt werden.
4. Unsinn
hfftl 16.08.2012
Zitat von sysopLöw: Ob er sich zu spät von der Linie bewegt hat, weiß ich nicht genau. Eins ist klar: Wer diese Regel (doppelte Bestrafung mit Elfmeter und Roter Karte - d. Red.) erfunden hat, möchte ich gar nicht wissen. Das ist einfach unsinnig. Nationalmannschaft: Bundestrainer Joachim Löw im Interview - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,850365,00.html)
Schmarrn bleibt Schmarrn, auch wenn er zum Zweck der Volksverdummung gebetsmühlenartig wiederholt wird. Wenn das Spiel des Gegners durch ein gravierendes Foul unterbunden wird, gibt es IMMER eine "doppelte Bestrafung". Im Mittelfeld eine gelbe oder schlimmstenfalls rote Karte UND einen Freistoß, im Strafraum statt des Freistoßes eben einen Elfmeter. Für das gleiche Foul, das sonst eine rote Karte nach sich zieht, auf diese Karte zu verzichten, nur weil es IM Strafraum begangen wird statt außerhalb, entbehrt jeder Logik und ist völlig blödsinnig.
5. xxx
styxx66 16.08.2012
Zitat von sysopDas erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft nach der EM ging gegen Argentinien verloren, DFB-Keeper Ron-Robert Zieler wurde früh vom Platz gestellt. Bundestrainer Joachim Löw hält die doppelte Bestrafung für den Torhüter für "unsinnig", Kritik an der Mannschaft lässt er nur bedingt gelten. Nationalmannschaft: Bundestrainer Joachim Löw im Interview - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,850365,00.html)
Löw war sehr zufrieden mit der Leistung, na ja, dann ist ja alles im Butter. Wahrscheinlich war er auch sehr zufrieden mit der Leistung seiner Spieler beim Italien Spiel, die er ja selbst bei der desaströsen Aufstellung behindert und geschwächt hat. Das war von diesem Wundertrainer eine wahre Glanzleistung in puncto Anschauungsunterricht, wie man es partout nicht machen sollte. Wie ich das sehe, hat Low kein Problem, er ist das Problem. Mit dieser Mannschaft würde ein mittelklassiger Trainer Titel gewinnen. Aber Löw ist da noch locker unter dem Durchschnitt. Der meistüberschätzte Trainer der vergangenen Jahre. Dieser Mann steht für Arroganz und Beratungsresistens. Gar nicht auszudenken, wenn ein Slomka oder Babbel diese Mannschaft trainieren dürfte, die Fussballwelt würde uns beneiden. Und als Belohnung für diesen peinlichen Trainer mit seiner Tuffi-Gang, gibt's vom DFB-Boss Niersbach noch einen Persilschein für diese Unterirdischen. Einfach nur noch peinlich.
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