Nationalmannschaft Hoeneß wird Klinsmanns Super-Nanny

Torhüterrotation, Fitnesstests, Wohnsitzdebatte: Bundestrainer Jürgen Klinsmann kann weitermachen wie bisher. Einziges Ergebnis des DFB-Krisengipfels ist: Klinsmann muss seinen schärfsten Kritikern künftig zuhören.

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Es ist eine illustre Runde: Liga-Präsident Werner Hackmann, Uli Hoeneß (Bayern München), Klaus Allofs (Werder Bremen), Dieter Hoeneß (Hertha BSC Berlin), Herbert Briem (VfB Stuttgart), Rudi Assauer (Schalke 04) und Michael Zorc (Borussia Dortmund) bilden die neue "Task Force" des deutschen Fußballs. Das ist das Ergebnis eines Gipfeltreffens zwischen den Verantwortlichen der Nationalmannschaft und der Ligavertreter, das heute in der Frankfurter DFB-Zentrale stattgefunden hat.

Rummenigge, Hackmann, Klinsmann, Mayer-Vorfelder: "Aufeinander zubewegt"
AP

Rummenigge, Hackmann, Klinsmann, Mayer-Vorfelder: "Aufeinander zubewegt"

Es mutet schon etwas seltsam an, dass gerade Klinsmanns schärfste Kritiker dem Bundestrainer künftig hilfreich zur Seite stehen wollen. Nach der Haue folgt jetzt die Hilfe? Zum Sprecher wurde ausgerechnet Uli Hoeneß gewählt, der in den vergangenen Wochen die härtesten Töne gegen Klinsmann gewählt hatte.

Wie die Hilfe konkret aussehen soll, ließen die Teilnehmer allerdings offen. Man wolle die Kommunikation verbessern, öfter reden und sich intern besser abstimmen, heißt es. "Beide Seiten haben sich extrem aufeinander zu bewegt", fabulierte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. So wolle Klinsmann künftig mehr Präsenz in Deutschland zeigen. Dessen Kompromissbereitschaft ging allerdings nicht soweit, dass Klinsmann seinen Wohnsitz im Vorfeld der WM von Kalifornien nach Deutschland verlegen wird.

Und das ist auch gut so. Denn die Diskussion über den Wohnort des Bundestrainers ist in etwa so inhaltsleer wie das Ergebnis des vermeintlichen Gipfeltreffens. Vielmehr hat es den Anschein, als sei der Rat der Fußballweisen lediglich dafür eingerichtet worden, die Geltungsbedürfnisse einiger Bundesliga-Funktionäre zu befriedigen. Die Manager fühlten sich zuletzt von Klinsmanns Reformkurs übergangen. Das alles selbstverständlich zum Wohle des deutschen Fußballs.

So können beide Seiten mit dem Ergebnis des Treffens gut leben. Der strategisch kluge Klinsmann weiß schließlich, dass es besser ist, seinen Kritiker Gehör zu schenken als sie zu ignorieren. Die Mächtigen der Liga haben dagegen ihr Mitspracherecht erfolgreich eingeklagt. Im Gegenzug erhält Klinsmann etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Laut Hackmann hätten sich die Teilnehmer "in die Hand versprochen", mögliche Kontroversen künftig intern zu klären und nicht mehr über die Medien zu führen.

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Klinsmanns Wohnsitz

Sollte Bundestrainer Jürgen Klinsmann in den Monaten vor der WM seinen Wohnsitz von Kalifornien nach Deutschland verlegen, um näher am Bundesliga-Alltag zu sein?

Wer glaubt, dass dieser Kompromiss eine längere Halbwertszeit als bis zum nächsten schwachen Auftritt der deutschen Nationalelf hat, sollte sich den 13. November in seinem Kalender anstreichen. Das ist der Tag, nachdem Deutschland das Freundschaftsspiel gegen Frankreich absolviert haben wird.



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