DFB-Trio Löw, Flick, Bierhoff: Erst die WM - und dann?

Aus Mainz berichtet Peter Ahrens

Bundestrainer Löw, Co-Trainer Flick, Manager Bierhoff (v.l.n.r.): Bald vorbei? Zur Großansicht
DPA

Bundestrainer Löw, Co-Trainer Flick, Manager Bierhoff (v.l.n.r.): Bald vorbei?

Sie sind die Strategen der deutschen Nationalmannschaft: Bundestrainer Joachim Löw, Assistent Hansi Flick und Manager Oliver Bierhoff. Doch wie lange wird es das Trio noch geben? Flick soll DFB-Sportdirektor werden, Bierhoff kokettiert mit neuen Aufgaben. Und auch der Chefcoach könnte bald gehen.

Die Mannschaft ist jung, sie ist motiviert, sie hat Perspektive. Vielen Spielern in der Nationalmannschaft steht der Karrierezenit noch bevor. Mario Götze, Mesut Özil, Marco Reus, André Schürrle, Ilkay Gündogan, Thomas Müller - sie haben jedes Recht, noch weit über das WM-Turnier im kommenden Jahr hinauszudenken.

Auch die Verantwortlichen dieser Mannschaft sind motiviert, möglicherweise steht auch ihnen ihr größter Triumph erst noch ins Haus, aber ihre Pläne reichen wohl nur bis zum Turnier im Sommer 2014 in Brasilien. In diesen Tagen vor dem Testspiel gegen Paraguay am Mittwoch in Kaiserslautern (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) wird denn auch mehr über die Zukunft von Joachim Löw und seiner Getreuen gesprochen als über die Frage, mit welcher Elf gegen die Südamerikaner gespielt wird.

Und auch wenn sich offiziell noch niemand aus der Deckung wagt: Es mehren sich die Anzeichen des Abschieds.

Ins Rollen gebracht hat die Debatte einer, der mit dem Deutschen Fußball-Bund gar nichts mehr zu tun hat. Der frühzeitige Rückzug von Robin Dutt aus dem Amt des DFB-Sportdirektors hat den Verband in Handlungsnot versetzt. Ein Nachfolger soll her, und der soll nach dem Willen der Verantwortlichen Hans-Dieter Flick heißen, der bewährte und treuherzige Assistent Löws. Seit sieben Jahren sind sie ein Duo, Löw schätzt die Loyalität seines engsten Mitarbeiters.

Löw hat die Personalie Flick bereist abgesegnet

Aber er hat der Personalie bereits seinen Segen gegeben: "Er wäre ein sehr guter Sportdirektor, einer, der dieses Amt ausfüllen könnte und würde", hat Löw gesagt. Ein Wort, das beinahe einer Vertragsunterzeichnung gleichkommt. Flick jetzt noch abzulehnen, wäre von DFB-Seite ein Affront gegen den Bundestrainer.

Auch der zweite Mann an Löws Seite hat bereits mit neuen Karriereplänen kokettiert. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat schon öfter angedeutet, dass er sich auch etwas anderes vorstellen könnte, als WM-Quartiere auszusuchen und Werbepartner zu akquirieren. In einem Interview mit der "Welt" hatte er sich vor Wochen bereits die Frage gestellt: "Brauche ich einen neuen Anreiz und muss mal wieder raus aus der Komfortzone des Gewohnten?" Angebote für den eloquenten Manager auch aus der Privatwirtschaft dürften zur Genüge vorliegen.

Bleibt noch der Bundestrainer. Löw hat vor dem Paraguay-Spiel noch betont, es mache ihm derzeit "so viel Spaß", dass er "keinen Gedanken an die Zukunft verwende". Und das mag man ihm auch abnehmen. Löw hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren nach seinen Vorstellungen auf- und umgebaut. Dieses Team ist sein Team.

Aber es hat eben auch noch keinen Titel geholt. Obwohl alle Verantwortlichen überzeugt davon sind, dass die deutsche Mannschaft längst an der Reihe gewesen wäre. Umso verstörter reagierten Löw und Co. nach dem EM-Aus im Halbfinale des Vorjahres. 2012 waren alle im DFB-Team der Ansicht, dass der Titel ihnen zustehe.

Zeit für eine neue Herausforderung

Die Schlappe von Warschau, als gegen Italien Endstation war, hat an Löw genagt. In diesen Tagen hat man aber auch das Gefühl, dass ihn die Niederlage auch sehr motiviert. Der Bundestrainer wirkt fast trotzig beseelt von der Mission Brasilien. Diese WM werde "eine WM des Willens", jeder Spieler müsse bereit sein, "alles zu investieren".

Löw will den Erfolg um jeden Preis - um danach auch abtreten zu können. Fast alle Beobachter um die Nationalmannschaft gehen davon aus, dass Brasilien 2014 das letzte Turnier Löws als Bundestrainer wird. Er war dann zehn Jahre in Diensten des DFB. Löw dürfte selbst der Überzeugung sein, dass es dann Zeit für eine neue Herausforderung wird. Wenn es wieder nicht klappt mit dem großen Titel, würde der Bundestrainer wohl ohnehin den Weg freimachen. Auf dass es ein anderer versuche.

Es ist darum auch kein großes Wunder, dass Löw mit seiner unklaren Vertragssituation relativ entspannt umgeht. Selbst wenn sein Kontrakt vor der WM nicht verlängert würde, wäre das "kein großes Störfeuer für das Turnier", sagt der Bundestrainer. Man denke noch an die Aufregung, an den Ärger, den die verzögerte Vertragsunterzeichnung 2010 vor dem Turnier in Südafrika auslöste. Damals schien ein paar Tage lang das gesamte Projekt Nationalmannschaft auf der Kippe zu stehen. Jetzt herrscht tiefster Frieden.

Joachim Löw, Hans-Dieter Flick, Oliver Bierhoff - ein Trio, an das man sich gewöhnt hat. Zum Beginn der WM-Saison schwingt denn auch schon ein bisschen Wehmut mit. Das Spiel gegen Paraguay - es könnte die Abschiedstournee einläuten.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte
Lankoron 13.08.2013
endlich ein Ende der Löw-Bierhoff-werauchimmer -Phase. Keine Titel, keine taktische Weiterentwicklung, Planungsfehler...und auch im Nachwuchsbereich ist keinerlei Entwicklung zu sehen.
2.
kriskross 13.08.2013
Ich weiß ja nicht, ob die gute Personallage allein auf die Kappe von Löw geht… Die Nachwuchspolitik hatte zum Großteil Sammer zu verantworten und wie Löw mit seiner Nominierungspraxis immer wieder die U-Mannschaften torpediert hat fand ich auch nicht toll. Ich finde, es ist Zeit für einen Wechsel.
3.
pariah_aflame 13.08.2013
10 jahre ohne titel wäre dann aber auch mehr als genug. welche rechtfertigung gibt es eigentlich für löw in diesem amt, dessen wundermannschaft alles weghaut und die löw selbst vor den entscheidenden spielen immer wieder taktisch so schlecht einstellt, dass sie verliert? dass das halbfinale 2012 an ihm nagt glaube ich nur zu gern, hat er es doch ganz allein verloren.
4. und tschüss! Endlich...
ttvtt 13.08.2013
auf so einen Artikel warte ich schon sehnsüchtig. Hoffentlich ist es wahr, dass es diese Anzeichen wirklich gibt. Seit fünf Jahren macht mir die NM keinen Spass mehr, weil ich deren Führungsriege und ihre Art nicht ausstehen kann. Von mir aus kann der Löw auch noch einen Titel gewinnen, nur muss er dann endlich weg.... ein Grausen wäre es, wenn es nach 2014 mit Löw, Flick, Bierhoff weitergehen würde...
5. WM des Willens?
merkel123 13.08.2013
Da gab es mal einen Propagandafilm ueber den NSDAP-Reichsparteitag 1934 von der Hitler-Freundin Leni Riefenstahl mit dem Titel: Triumph des Willens. Nun gut, Jogi und Co. sind intellektuell nicht die Hellsten - aber kann man sich da nicht mal beraten lassen, bevor man sich so aeussert?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball
RSS
alles zum Thema Fußball-Nationalteams
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 62 Kommentare
  • Zur Startseite

Themenseiten Fußball

Tabellen