Nationalmannschaft Löw zerstört Frings' WM-Traum

Die Entscheidung ist gefallen - und die Karriere eines Nationalspielers vor dem Ende: Bundestrainer Joachim Löw hat Torsten Frings mitgeteilt, dass er für die Weltmeisterschaft in Südafrika ohne ihn plant. Der Mittelfeldspieler erklärte, "völlig anderer Meinung" zu sein. Er findet sich stark genug fürs Team.

Mittelfeldspieler Frings: Fährt nicht mit der Nationalmannschaft nach Südafrika
dpa

Mittelfeldspieler Frings: Fährt nicht mit der Nationalmannschaft nach Südafrika


Hamburg - Die Karriere von Torsten Frings in der Deutschen Nationalmannschaft ist nach 79 Länderspielen offenbar beendet. Bundestrainer Joachim Löw erklärte dem 33-jährigen Kapitän von Werder Bremen am Mittwoch, dass er in seinen Plänen keine Rolle mehr spielt. Das gab der Club in einer Pressemitteilung bekannt.

Löw sagte nach der Bekanntgabe: "Wir haben in unserem erweiterten Kader viele junge Spieler, die unsere Anforderungen erfüllen und die sehr gute Perspektiven über die WM 2010 hinaus haben." Frings hatte am 11. Februar des vergangenen Jahres in Düsseldorf gegen Norwegen (0:1) sein letztes Länderspiel bestritten.

Frings zeigte sich enttäuscht - auch wenn "dieser Schritt jetzt nicht völlig überraschend kommt". Wenn man alle Vorzeichen gesehen habe, habe er "damit rechnen müssen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw". Er glaube, dass er immer noch das Potential zu starken Leistungen bei einer WM habe. "Und ich werde das weiterhin in der Bundesliga unter Beweis stellen", teilte Frings mit. Der Bremer Profi hatte sich schon im Trainingslager in Dubai skeptisch in Bezug auf seine Nominierung geäußert. "Wir können seine Enttäuschung über unsere Meinung verstehen. Doch wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", so Löw.

"Das ist eine enttäuschende Entscheidung des Bundestrainers"

Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs nannte die Entscheidung des Bundestrainers "enttäuschend": "Schade, dass unser Kapitän nicht die Möglichkeit bekommt, die WM zu spielen. Für uns ist und bleibt Torsten Frings ein entscheidender Spieler, der gerade aufgrund seiner großen internationalen Erfahrung sicher auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Nationalmannschaft spielen könnte." Man müsse aber Löws Entscheidungen als sportlich Verantwortlicher akzeptieren.

Der Bundestrainer hatte darauf hingewiesen, dass er Zweifel an der Fitness des in der Vergangenheit oft angeschlagenen Mittelfeldspielers hat. Bei der WM müsse er auf physisch sehr robuste Spieler setzen. Dennoch hatte er Frings bisher immer noch Resthoffnung auf ein Comeback im Nationaltrikot gelassen. Löw will am Donnerstag einen erweiterten Kader für den Fitnesstest in der kommenden Woche in Sindelfingen benennen.

Frings hatte mehrfach die Vermutung geäußert, dass seine Nicht-Berufung seit der Partie gegen Norwegen nicht nur sportliche Gründe hatte. Im Herbst 2008 war es zum öffentlich ausgetragenen Disput zwischen Löw und Frings über den Umgang mit verdienten Nationalspielern gekommen. Kapitän Michael Ballack hatte damals Partei für ihn ergriffen.

Entscheidung über Ballacks Zukunft nach der WM

Die Entscheidung über die Zukunft von Ballack in der Nationalmannschaft wird erst nach der WM-Endrunde in Südafrika entschieden. "Wir werden nach der WM konkret besprechen, wie es mit ihm weitergeht", sagte Löw der "Sport Bild". Der Bundestrainer kann sich durchaus vorstellen, dass sein Kapitän auch noch bis zur EM 2012 in Polen und der Ukraine Kopf der deutschen Mannschaft bleibt.

"Michael Ballack kann sicherlich noch ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen, aber letztendlich muss er bereit sein, die Belastungen auf sich zu nehmen", sagte Löw über den 33-jährigen Mittelfeldspieler des FC Chelsea, der bislang 97 Länderspiel bestritten hat. Ballack möchte in Kürze seinen Vertrag bei Chelsea verlängern, am liebsten um zwei weitere Jahre.

Löw wird am Donnerstagmittag das rund 35-köpfige Aufgebot für den Leistungstest am 26. und 27. Januar bekanntgeben. Dann wird einigermaßen Klarheit darüber herrschen, wen der Bundestrainer außer den gesetzten Nationalspielern überhaupt auf seiner langen Liste für die erste WM-Endrunde auf afrikanischem Boden hat.

jar/sid/dpa

insgesamt 133 Beiträge
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Seite 1
frubi 20.01.2010
1. .
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen - und die Karriere eines Nationalspielers vor dem Ende: Bundestrainer Joachim Löw hat Torsten Frings mitgeteilt, dass er für die Weltmeisterschaft in Südafrika ohne ihn plant. Der Mittelfeldspieler erklärte, "völlig anderer Meinung" zu sein. Er findet sich stark genug fürs Team. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673040,00.html
Man. Da wurde aber auch ein Schuh draus gemacht. Das hätte man alles wesentlich früher klären können. Kein schöner Abgang für einen gestandenen Nationalspieler.
kraij 20.01.2010
2. nunja
kann Löw's Entscheidung durchaus nachvollziehen. Habe Frings in seinen letzten Spielen in der DFB-Elf nicht mehr als stärkendes Element wargenommen. Zu viele Sicherheitspässe, zu viel 08/15. und fürs Mittelfeld haben wir wohl zahlreiche Alternativen die "brennen"
Shaniana 20.01.2010
3. Top-Leistung
In der Hinrunde hat Frings (wiedermal) Superleistungen gezeigt. Schade, dass Löw das nicht berücksichtigt, zumal die "jungen" Spieler auf der Position in den letzten Monaten enttäuscht haben...
saul7 20.01.2010
4. ###
Zitat von sysopDie Entscheidung ist gefallen - und die Karriere eines Nationalspielers vor dem Ende: Bundestrainer Joachim Löw hat Torsten Frings mitgeteilt, dass er für die Weltmeisterschaft in Südafrika ohne ihn plant. Der Mittelfeldspieler erklärte, "völlig anderer Meinung" zu sein. Er findet sich stark genug fürs Team. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,673040,00.html
Das wird wohl eine kleine Reposte von Löw sein. Da war doch vor einiger Zeit eine Unstimmigkeit zwischen Frings/Ballack und Löw. Vielleicht ist Löw ja nachtragend..
badblood, 20.01.2010
5. Wer war schlechter?
Zitat von ShanianaIn der Hinrunde hat Frings (wiedermal) Superleistungen gezeigt. Schade, dass Löw das nicht berücksichtigt, zumal die "jungen" Spieler auf der Position in den letzten Monaten enttäuscht haben...
Simon Rolfes, der Kapitän des Bundesliga-Spitzenreiters, hat Sie enttäuscht? Oder sollte vielleicht Ballack nicht spielen? Denn offensiv wird nicht Ballack, sondern Özil auflaufen, Ballack spielt wieder den defensiven Part.
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