Nationalmannschaft vor EM-Quali Die armen Marios

Wenn am Sonntag die deutsche Nationalmannschaft gegen Schottland in die EM-Qualifikation einsteigt, drohen Mario Götze und Mario Gomez Pfiffe. Götze von den noch immer beleidigten Dortmundern, und Gomez, tja, wegen Mehmet Scholl.

Aus Dortmund berichtet

DPA

SPIEGEL ONLINE Fußball
Das Dortmunder Publikum, so weiß der Bundestrainer, ist "bekannt für seine Begeisterungsfähigkeit und Fairness". Am Sonntag dürfte diese Einschätzung von Joachim Löw auf die Probe gestellt werden. Wenn die Nationalmannschaft zum Auftakt der EM-Qualifikation auf Schottland trifft (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL), dürfte die Reaktion der Zuschauer genauso intensiv beäugt werden wie die Laufwege der Profis auf dem Platz.

Es sind zwei Spieler, die dieser Partie mit mindestens gemischten Gefühlen entgegenblicken dürften. Da ist zum einen Mario Götze - er war mal der Liebling der Dortmunder Fans, bis er im Vorjahr zum sportlichen Rivalen Bayern München wechselte. Ein Transfer, der die BVB-Anhänger überrumpelt hat und den sie dem Jungstar bis heute übel nehmen. Als Götze in der Vorsaison mit den Bayern nach Dortmund zurückkehrte, wärmte er sich im Spielertunnel auf, um den "Judas"-Schmähungen der Dortmunder zu entgehen. Anschließend brachte er die Bayern entscheidend in Führung.

"Ich gehe davon aus, dass das Publikum Götze feiern wird", sagt Löw mit Hinweis darauf, dass der Münchner das WM-Siegtor im Endspiel gegen Argentinien erzielt hat. Das ist sicher ein schwerwiegendes Argument, aber die Verbitterung über den Weggang nach München sitzt beim Dortmunder Publikum tief. Götze sollte sich über Pfiffe nicht wundern.

"Ich erwarte einen fairen Umgang mit Gomez"

Und dann ist da der andere Mario, Mario Gomez. Am Mittwoch beim Testspiel gegen die Argentinier in Düsseldorf machte ihn das Publikum wieder einmal als Objekt der Missbilligung aus, nachdem Gomez mehrere hochklassige Torgelegenheiten nicht genutzt hatte. Als er nach einer Stunde vom Platz ging, pfiffen sich die Zuschauer die Seele aus dem Leib, und Joachim Löw hat sich auch Tage später darüber noch nicht ganz abgeregt.

"Ich erwarte einen fairen Umgang mit Mario Gomez", sagte der Bundestrainer am Samstag vor der Presse. Löw wiederholte, was er schon am Mittwoch direkt nach dem Argentinien-Spiel zur Verteidigung seines Stürmers vorgebracht hatte. Gomez habe mit dem AC Florenz erst ein Pflichtspiel absolviert, er sei extrem lange verletzt gewesen, keiner habe erwarten können, dass er schon wieder in Bestform ist. "Denn wenn er sein Können umsetzt, ist der Mario Weltklasse." Der Bundestrainer wählte bewusst den Hinweis auf das schottische Publikum. In Schottland sei es "undenkbar", einen eigenen Spieler mit Pfiffen zu belegen.

Dass Löw selbst es war, der Gomez sehr früh schon für die WM ausgebootet hatte, als der Spieler noch auf seine Turnierchance gehofft hatte, hat die Angelegenheit für den Angreifer allerdings auch nicht erleichtert. Einem Weltmeister Gomez gegenüber, selbst wenn er wenig gespielt hätte, wäre das Publikum wohl erheblich gnädiger gestimmt.

Gomez hatte in einer Interviewrunde mit ausgewählten Journalisten zuvor seiner Betroffenheit über die offenkundige Ablehnung durch zahlreiche deutsche Fans Ausdruck verliehen. Es tue ihm sehr weh, und nicht nur ihm, auch seiner Familie, hatte er betont.

Einen Schuldigen hat Gomez auch ausgemacht: TV-Experte Mehmet Scholl habe mit seiner Kritik vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft das Klima vergiftet. "Der ach so coole Mehmet hat sicher seinen Anteil daran", sagte er der "Welt am Sonntag".

Scholl hatte Gomez beim Auftaktspiel 2012 gegen Portugal verspottet. Dass Gomez in dieser Partie das entscheidende 1:0 gegen die Portugiesen erzielt hatte, ging damals fast unter.

Löw ließ am Samstag offen, ob er Gomez erneut von Beginn an nominiert, wie er das gegen Argentinien getan hatte. Viel spricht dafür, dass der ehemalige Stuttgarter und Münchner das Spiel zunächst von der Bank verfolgt - und Götze, der andere Ungeliebte, von Beginn an spielt.

Gomez, dem letzten Mittelstürmer im aktuellen Kader der Nationalelf, helfen wahrscheinlich am ehesten Tore, um gegen die Pfiffe anzukämpfen. Die schießt man allerdings nur, wenn man auf dem Platz steht.



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insgesamt 103 Beiträge
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seoul77 06.09.2014
1. Götze?
Ist in Dortmund kein Thema, eher kagawa. Götze IST doch ein hinfaller mit Glück. Schlechte WM , wenig spiele beim FCB.
a.meyer79 06.09.2014
2. Ach unsere Weicheier
Immer schön auffe Kohle schauen, aber dann noch Sympathien haben wollen. Mal sehen, wenn Bayern wieder vier Dinger zuhause gegen Real kriegt. Dann pfeifen auch die Münchener Stadion Kunden. Schon vergessen... Koan Neuer. Ich bin zwar Schalke Fan, aber das Rumgehacke auf Dortmund nervt ziemlich.
dialogischen 06.09.2014
3. Sportlich ...
... scheint mir Auspfeifen nicht.
spon-facebook-10000082513 06.09.2014
4. Zumindest bei Götze...
...WIRD es Pfiffe geben. Zurecht. Fans finanzieren den gesamten Spaß, und jeder Spieler träumt davon, irgendwo einmal zu einem Publikumsliebling zu werden. Götzes Marketingleute haben die ganze "Dortmunder Junge"-Nummer halt voll ausgekostet. Wenn man dann einfach mal überläuft, und kurz im Anschluss anfängt, was von Bayernbettwäsche als kleiner Junger zu faseln...sorry, es geht einfach gar nicht. Jeder weiß, dass viele Fußballer heute Söldner sind, aber keiner auf der Welt ist es so offensichtlich, wie Götze. Dass der Typ irgendwann in Südamerika mal ein wichtiges Tor gemacht hat - das interessiert in Dortmund zurecht einfach keinen.
Erich91 06.09.2014
5. Ach jetzt wars der Scholl
Aber die Printmedien, die bei jeder Gelegenheit so eine däml. Aussage von Scholl genüsslich breittreten, um die Prolls unter den Proleten zu locken sind natürlich gänzlich unschuldig.
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