Nationalmannschaft Mit Oldies und Hightech zum Erfolg

Innovation und Erfahrung: Joachim Löw freut sich vor dem Freundschaftsspiel gegen Norwegen auf die Rückkehr zweier Routiniers. Mit Blick auf die WM 2010 will sich der Bundestrainer aber nicht nur auf Altbewährtes verlassen.


Hamburg - Der Imagewandel geht weiter: Bis zur Verpflichtung Jürgen Klinsmanns als Bundestrainer 2004 galt der Deutsche Fußball-Bund eher als reaktionär, doch mittlerweile hat sich der einst staubige Verband zu einem wahren Quell der Innovationen entwickelt. Die neueste Errungenschaft ist eine Datenbank.

Ballack, Hopp: Mit neuer Datenbank noch erfolgreicher?
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Ballack, Hopp: Mit neuer Datenbank noch erfolgreicher?

Vor dem ersten Länderspiel des Vize-Europameisters in diesem Jahr gegen Norwegen am Mittwoch in Düsseldorf (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stellte der DFB am Montag die neue webbasierte Datensammlung vor, die gemeinsam mit der InterComponentWare AG (ICW), bei der Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp Hauptinvestor ist, betrieben wird.

"Die neue DFB-Datenbank gibt uns die Möglichkeit, die aktuellen Nationalspieler in allen Facetten auf die WM 2010 vorzubereiten", sagte Löw. Mit dieser Datenbank werden zukünftig Informationen über die Nationalspieler gesammelt und analysiert. Erstmals haben damit alle zugriffsberechtigten DFB-Trainer und -Betreuer die Möglichkeit, über die Nationalmannschaftsdatenbank zu jeder Zeit und an jedem Ort für sie wichtige Informationen abzurufen.

In dem integrierten System für das A- und U21-Team, das auch auf die Junioren-Nationalmannschaften ausgeweitet werden kann, werden Spielbeobachtungen, spezielle Videoanalysen, Ergebnisse der Leistungsdiagnostik und Spielerstammdaten gesammelt. Betreut wird dieses Projekt von Löws Assistenztrainer Hansi Flick.

Einen neuen Eintrag können die Scouts unter den Stichworten Mesut Özil und Andreas Beck vornehmen. Der Außenverteidiger von Bundesliga-Spitzenreiter 1899 Hoffenheim und der Bremer Mittelfeldspieler Özil sollen am Mittwoch ihr Debüt in der Nationalmannschaft feiern. "Wir haben Andi Beck und Mesut Özil eingeladen, um zu sehen, wie sie sich im Wettkampf zeigen. Es ist angedacht, beide spielen zu lassen", sagte Flick, der gemeinsam mit Löw auf alle 20 Akteure seines Kaders zurückgreifen kann.

T-Frage bis kurz vor dem Spiel offen

Doch nicht nur die beiden Neulinge stehen beim Freundschaftsspiel gegen Norwegen im Blickpunkt. Löw hat auch seine Routiniers Michael Ballack und Torsten Frings besonders in die Pflicht genommen. "Beide genießen in der Nationalmannschaft einen hohen Respekt. Aber gerade diese Führungsspieler brauchen gute Leistungen, um diesen Status aufrechtzuhalten. Und sie müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, vor allem in schwierigen Situationen die jungen Spieler mitzureißen, sie zu führen und ein starker Rückhalt zu sein", sagte der 49-Jährige der Tageszeitung "Die Welt".

Löw begrüßte ausdrücklich die Rückkehr der beiden 32 Jahre alten Mittelfeldspieler, die zum Jahresabschluss beim 1:2 gegen England gefehlt hatten. "Sie sind sehr wichtig für uns. Eine Mannschaft braucht ein paar ältere Spieler, weil sie den Jüngeren mit ihrer Erfahrung Sicherheit geben können. Ich freue mich, dass sie wieder dabei sind."

Für die Torwartposition hat Löw dagegen auf den erfahrensten Kandidaten verzichtet. Robert Enke (31 Jahre) wurde nicht berücksichtigt, stattdessen werden Bremens Tim Wiese (27) und der Leverkusener René Adler (24) um den Platz zwischen den Pfosten streiten. "Wir werden die Trainingseindrücke abwarten und dann nach einem Gespräch eine Entscheidung treffen", sagte Löw.

Mehr als ein Fingerzeig kann die Düsseldorfer Entscheidung aber ohnehin nicht sein, die Nummer eins auf dem Trikot wird von Löw dauerhaft nicht so schnell vergeben werden. Vieles spricht dafür, dass Löw den Torwart-Kampf sogar bis ins WM-Jahr 2010 offenhält. Schon jetzt erhielt Hannovers Enke eine Einladungsgarantie für die nächsten WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein (28. März) und Wales (1. April).

mig/sid/dpa



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