USA-Reise des DFB: Mit Löw auf Sommertour

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Nationalmannschaft: B-Team unter Floridas Sonne Fotos
Bongarts/Getty Images

Auch wenn Bundestrainer Löw es offiziell anders sieht: Die USA-Reise der Nationalmannschaft ist eine Testspieltour ohne Bedeutung. Die Besten sind zu Hause geblieben, die Neulinge werden für den WM-Kader keine Rolle spielen.

Nur zur Erinnerung: Die deutsche Nationalmannschaft, das Aushängeschild des deutschen Fußballs, spielt am Abend (20 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den Weltranglistenzehnten. Zwei der Top-Ten-Teams der Welt treffen aufeinander. Das kann nur eine Delikatesse des Fußballs werden.

Das eine Team heißt allerdings nur Ecuador, eine Mannschaft, die als bisher größten Erfolg zwei WM-Teilnahmen verbucht. Und die andere Mannschaft, die Elf von Bundestrainer Joachim Löw, hat mit dem WM-Team 2014 ungefähr so viel zu tun wie 1860 München derzeit mit dem FC Bayern.

Beim DFB hat man zuletzt wortreich versucht, die Bedeutung dieser zehntägigen Testspielreise unter die Sonne Floridas zu betonen. Aber Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff wissen selbst, dass das nur eine eher müde Verteidigungsstrategie sein kann. Es ist ein Testspiel, bei dem es nichts zu testen gibt.

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Fotostrecke: Debütantenball in den USA
Ohne die Spieler des FC Bayern, ohne die von Borussia Dortmund, ohne die Akteure von Real Madrid ist der DFB-Tross nach Florida geflogen. Der ursprüngliche Stamm der Mannschaft ist damit komplett entkernt - was soll Löw angesichts solcher Rahmenbedingungen im Hinblick auf WM-Qualifikation und Endturnier 2014 testen? Selbst die Hitze und Luftfeuchtigkeit von Miami ist kein Gradmesser für Südamerika im kommenden Jahr: Wenn das WM-Turnier dort ausgespielt wird, ist in Brasilien Winter. In São Paulo herrschten am Dienstag Nebel und 18 Grad.

Reste-Rampe, B-Team, Übersee-Reisegruppe

Man wird dem aktuellen DFB-Aufgebot Unrecht tun, sie als Resterampe und B-Team abzutun oder als "Überseereisegruppe" zu bezeichnen, wie es selbst die gewöhnlich zurückhaltende Deutsche Presse-Agentur getan hat. Es sind immerhin mit Lukas Podolski, Per Mertesacker oder André Schürrle einige turniererfahrene Profis dabei. Miroslav Klose soll auch noch nachreisen. Fußball spielen können sie alle, die Löw berufen hat.

Dennoch: Aus der Startelf der ersten EM-Partie gegen Portugal aus dem Vorjahr ist lediglich Podolski mit in die USA geflogen. Sonst niemand. Bezeichnend, wie sich Löws Mannschaft am vergangenen Samstag zum Champions-League-Finale vor dem Fernseher versammelte, um zuzuschauen, wie im Londoner Wembley-Stadion ein Dutzend deutscher Nationalspieler Spitzenfußball zelebrierte. Die DFB-Spieler wirkten dort im Fernsehsaal in Florida wie eine Fan-Truppe, die die Stars von ferne bewundert.

Löw hat vier Neulinge für die Reise nominiert, dazu kommen Spieler, die in der Vergangenheit schon zum Dunstkreis der Nationalmannschaft gehörten, aber dann nicht mehr berufen wurden: Aaron Hunt, Heiko Westermann, Stefan Reinartz. Er sagt: "Die Spieler, die normalerweise nicht so im Fokus stehen, haben jetzt die Chance, sich zu bewähren." Was bleibt ihm auch übrig?

Die Neulinge müssen sich artig hinten anstellen

Gegen Ecuador soll der Noch-Freiburger und Neu-Gladbacher Max Kruse von Beginn an stürmen. Den Borussen wird damit zur kommenden Saison ein Nationalspieler beschert. So überreich gesegnet ist der Verein damit nicht. Für Gladbach hat sich die USA-Reise also schon gelohnt.

Die Neuen, ob Kruse, die Leverkusener Sidney Sam und Philipp Wollscheid oder der Mainzer Nicolai Müller sind Realisten genug, um zu wissen: Im kommenden Jahr können sie ohne gesteigertes Risiko ihren Sommerurlaub für den Juni buchen. Gerade in der Offensive hat Löw ein solches Überangebot zur Verfügung, dass sich Kruse, Sam und Müller sehr artig hinten anstellen dürfen. Für sie ist diese Reise ein großer Moment in ihrer Karriere, für den DFB ist es eine Momentaufnahme.

Am Mittwoch geht es also zunächst gegen Ecuador, am Sonntag kommt es dann zum Wiedersehen zwischen Löw und seinem ehemaligen Chef Jürgen Klinsmann, mittlerweile mäßig erfolgreicher Nationaltrainer der USA. Man wird zusammensitzen, Erinnerungen austauschen, ein bisschen fachsimpeln, das Wetter wird schön sein. Sommermärchen 2013.

Und irgendwann ab August beginnt dann die ernsthafte Vorbereitung auf die WM im kommenden Jahr. Dann werden Max Kruse, Nicolai Müller und die anderen wohl wieder vor dem Fernseher sitzen.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. wofuer braucht man die besten spieler, wenn man sowieso kein turnier gewinnt
genaumeinding 29.05.2013
Die top vereine sollten sich mal ueberlegen, warum sie ihre top angestellten dem dfb jogi ueberlassen, der sowieso kein turnier gewinnt. Da reichen doch auch die ersatzspieler aus. Vielleicht sollten die vereine so einmal druck machen, damit wir einen wettbewerbsfaehigen trainerstab beim dfb bekommen.
2. Will Deutschland den Titel ?
pmf2013 29.05.2013
Jogi hatte 8 Jahre Zeit, mindestens einen Titel zu gewinnen. Da der Mann aber einen Hang zum staendigen experimentieren hat, wird es wahrscheinlich auch 2014 wieder nichts. Dabei ist die Zeit reif: Fuer naechstes Jahr haben wir einen Megapool von Weltklassespielern, aus dem eine Nationalmannschaft gemacht werden kann, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Das dumme ist nur, das Jogi kein Siegertyp ist und solange der DFB an ihm festhaelt (weiss der Himmel warum) und sogar noch eine Arbeitsplatzgarantie ausstellt -selbst bei einem Nicht-Titel in 2014-, dann ich nur sagen, Gute Nacht. Maenner wie Klopp oder Heynckes muessen her, dann kann Deutschland auch locker den Titel in 2014 gewinnen. Zeit wird´s ja mal, denn der letzte liegt nun schon weit zurueck.
3. Ruhm
DerWeisseWal 29.05.2013
Zitat von genaumeindingDie top vereine sollten sich mal ueberlegen, warum sie ihre top angestellten dem dfb jogi ueberlassen
Wenn Sie sich mal anschauen, welche Spieler alle nach ihren Auftritten mit der DFB-Elf plötzlich für ausländische Topvereine interessant wurden, dann erübrigt sich die Frage. Heute Abend gibt's zwar keine Titel, aber es gibt Fussball, ich freu' mich drauf. dww
4. Man kann von Jogi halten was man will, aber...
xaka 29.05.2013
Zitat von genaumeindingDie top vereine sollten sich mal ueberlegen, warum sie ihre top angestellten dem dfb jogi ueberlassen, der sowieso kein turnier gewinnt...
... die "top vereine" mit ihren "top angestellten" haben am Samstag auch erst seit 12 Jahren wieder mal nen internationalen Henkelpott geholt... Glückwunsch nochmal an an der Stelle an die beiden würdigen Finalteilnehmer!!!
5. Jetzt versammeln sich hier wieder...
schlüsselkind 29.05.2013
...die Trainer von der Couch aus der zweiten Reihe, die alles besser wissen. Unter Jogi Löw ist die deutsche Mannschaft bei WM und EM mit erstklassigem Fussball unter die besten vier Mannschaften gekommen. Will jemand ernsthaft behaupten, dass es danach noch "am Trainer" liegt, wenn es dann leider mit dem Titel nicht klappt? Leider gibt es nun einmal unter den anderen drei verbliebenen Teams in der Regel auch starke Trainer und Spieler, eben alle: Weltklasse. Wäre ein Titel erzwing- oder vorhersehbar, wenn alles dann nur noch am Trainer läge - dann wäre Fussball für mich so langweilig wie das Hauptwaschprogramm meiner Waschmaschine. Ich halte dieses ständige Herumkritisieren an einem erfolgreichen Trainer für ermüdend.
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Deutschlands Spiele in der WM-Qualifikation
Datum Gegner Austragungsort
07.09.2012 Färöer (3:0) Hannover
11.09.2012 Österreich (2:1) Wien
12.10.2012 Irland (6:1) Dublin
16.10.2012 Schweden (4:4) Berlin
22.03.2013 Kasachstan (3:0) Astana
26.03.2013 Kasachstan (4:1) Nürnberg
06.09.2013 Österreich (3:0) München
10.09.2013 Färöer (3:0) Tórshavn
11.10.2013 Irland (3:0) Köln
15.10.2013 Schweden (5:3) Solna