Nationalmannschaft Ribbeck feuert Stielike

36 Tage vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft hat DFB-Teamchef Erich Ribbeck sich von seinem Assistenten Uli Stielike getrennt.


Ulrich Stielike (Archivbild)
DPA

Ulrich Stielike (Archivbild)

Berlin - Uli Stielike wird bei der Europameisterschaft (10. Juni bis 2. Juli) in Belgien und den Niederlanden nicht zum Trainerstab der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gehören. Teamchef Erich Ribbeck hat seinem ungeliebten Assistenten am Sonntag den Laufpass gegeben. Stielike, der sich zuletzt immer stärker von seinem Chef distanziert hatte, wird bei den Titelkämpfen in Belgien und den Niederlanden somit nur als Spielbeobachter zum Einsatz kommen. Der DFB teilte seine Entscheidung am Sonntagnachmittag in einer offiziellen Presseerklärung mit.

"Diese Entscheidung traf Teamchef Erich Ribbeck, weil er aufgrund unterschiedlicher Auffassungen keine Basis mehr sah für eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne des bestmöglichen sportlichen Erfolges", heißt es in der Mitteilung.

Der Stielike-Rauswurf wurde am Sonntag in Berlin beschlossen. Einen Tag nach dem Pokalfinale hatten sich Ribbeck, Stielike, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach die missliche Situation erörtert. Stielike, der seit September 1998 als Assistent Ribbeck zur Seite stand, hat nach offizieller DFB-Lesart "selbst sofort sein Einverständnis" gegeben. Zudem wurde betont, dass die Maßnahme "mit ausdrücklicher Zustimmung des DFB-Präsidiums" geschah.

Stielike hatte sich am Donnerstag vergangener Woche in einem "Kicker"-Interview weit aus dem Fenster gelehnt und damit die Spannungen zwischen ihm, Ribbeck und der DFB-Spitze unter Präsident Egidius Braun weiter verschärft. "Tatsache ist, dass Ribbeck generell für die Nationalmannschaft die Verantwortung trägt. Ich habe es daher gar nicht gerne gesehen, als unser Präsident im ZDF-Sportstudio drei Mal meinen Namen in einem Atemzug mit der A-Mannschaft nannte", hatte der frühere Schweizer Nationalcoach nach dem blamablen 1:1 gegen die Schweiz am 26. April die alleinige Verantwortung Ribbeck in die Schuhe geschoben.

"Herr Braun stellt mich in der Wichtigkeit für die Nationalmannschaft mit Ribbeck auf eine Stufe. Dem ist aber nicht so", sagte der 45-Jährige. Braun waren die Äußerungen bitter aufgestoßen. "Ich habe dazu sicher etwas zu sagen. Aber ich verlasse nicht meine Linie, die ich auch von meinen Mitarbeitern erwarte - nämlich Meinungsverschiedenheiten nicht über die Öffentlichkeit auszutragen", sagte der DFB-Präsident dem "Express" (Sonntagsausgabe).

Erich Ribbeck, Uli Stielike: "Unterschiedliche Auffassungen"
REUTERS

Erich Ribbeck, Uli Stielike: "Unterschiedliche Auffassungen"

Braun hatte am 29. April sinngemäß erklärt, Stielike hätte zwar nie die Diplomatenschule besucht, er und Ribbeck seien aber eine ideale Kombination. "Ich bin im A-Team lediglich die rechte Hand von Ribbeck und habe weder Einfluss auf die Aufstellung noch auf taktische Dinge", sagte Stielike dazu und fügte provozierend hinzu: "Im Moment habe ich, ehrlich gesagt, mehr Spaß in der Jugendarbeit hier beim DFB."

Die kann Stielike auch weiter haben, da er seinen bis 2002 laufenden Vertrag als DFB-Juniorentrainer erfüllen will. Nach seinen Spielbeobachtungen bei der Euro folgt für den ehemaligen Spanien-Legionär die Endrunde der Junioren-Europameisterschaft "Unter 18 Jahren" in Deutschland, bei der es sich mit dem DFB-Nachwuchs für die WM 2001 in Argentinien qualifizieren will.

Stielike war bereits nach der 1:2-Pleite gegen die Niederlande im Februar deutlich von Ribbeck abgerückt und hatte mit einigen unglücklichen Äußerungen für Krach gesorgt. Der Teamchef hatte seinem "Co" deshalb damals einen Rüffel verpasst und ihn künftig zu mehr Zurückhaltung aufgefordert. Die neue Kritik nach dem Schweiz-Spiel hat das Fass dann wohl zum Überlaufen gebracht. Ein Nachfolger von Stielike wurde noch nicht benannt. Als Assistenten von Ribbeck währen der Euro stehen bislang "A2"-Trainer Horst Hrubesch und Bundes-Torwart-Trainer Sepp Maier fest.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.