Nations League Endlich wieder ein neuer Wettbewerb!

Zu viele Spiele, zu hohe Belastungen, zu komplizierter Modus: Die neue Nations League hat bereits viele Kritiker. Sie alle haben es einfach nicht verstanden.

Julian Brandt
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Julian Brandt

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Eines vorweg: Es kann durchaus sein, dass ich den Modus der neuen Nations League noch nicht bis ins Detail durchdrungen habe. Ich habe es leider in den vergangenen Tagen nicht geschafft, alle Artikel mit der Überschrift "So funktioniert die neue Nations League" von der ersten bis zur letzten Zeile konzentriert durchzulesen.

Aber wenn wir als Kinder ein neues Gesellschaftsspiel das erste Mal ausprobiert haben, hatten wir auch die Hälfte der Anleitung normalerweise nicht verstanden. Man fängt erst einmal einfach an zu spielen. Wenn dann beim Spielen noch Fragen aufkommen, dann guckt man halt noch einmal in den Richtlinien nach. Daher: Die DFB-Elf soll erst einmal gegen Frankreich (20:45 Uhr; TV: ZDF; Liveticker SPIEGEL ONLINE) spielen, am besten noch gewinnen. Den Rest regelt ein Bundesgesetz.

Der Bundestrainer hat gesagt, er finde die neue Nations League gut, allein der Wettbewerbscharakter stachele den Ehrgeiz der Spieler an. Und wenn es in diesen Tagen auch Sätze und Maßnahmen von Joachim Löw gibt, die nicht vollständig meine Zustimmung treffen: Da hat er mal recht.

Gegen Frankreich und gegen die Niederlande - das klingt in jedem Fall hübscher als im Herbst bei Dauerregen in Leipzig gegen Nordirland oder in Baku gegen Aserbaidschan in einer freud- und spannungslosen EM-Qualifikation. Und Wettbewerbe sind, genau wie Löw sagt, allemal besser als Testspiele. Die sollen nach den neuen Regularien ja weitgehend wegfallen, und das ist auch das Hauptargument der Uefa.

Dass die Löw-Elf dann drei Tage nach dem Frankreichspiel einen Test gegen Peru absolviert - und dann noch in Sinsheim -, widerspricht dieser Argumentation zwar. Aber wie gesagt: Die Details sind ja noch ein bisschen schwammig, erst einmal losspielen. Das steht sicher auch so in der Anleitung.

Die Nations League ist jedenfalls wirklich mal was Neues: So kann Deutschland theoretisch, wenn man gegen Frankreich und Oranje am Ende den gleichen Gruppenplatz belegt wie bei der WM, den letzten also, sogar absteigen. Und das ist zumindest für die Profis vom FC Bayern eine sehr neue Erfahrung, die sie ohne die Nations League nie machen könnten. Umso verständlicher daher auch, dass Kölns Jonas Hector auf den Auftakt freiwillig verzichtet. Er kennt das ja bereits.

Ist das Fußball oder kann das weg?

Mal ehrlich: Die Testspiele gegen Österreich oder Saudi-Arabien waren zuletzt weder der große sportliche Durchbruch noch, wenn man Ilkay Gündogan befragt, der wirkliche Publikumserfolg. Vielmehr trugen sie dazu bei, die Mannschaft vor dem WM-Turnier regelrecht einzulullen. Nach dem Motto: Es war zwar schlecht, aber es war ja nur ein Test. Prompt bekam man anschließend nicht mehr den Turnaround, als es ernst wurde.

Daher: Weg damit - und stattdessen gegen die Großkopferten des europäischen Fußballs alles geben, beziehungsweise alles raushauen, wie das ja so gern genannt wird. Eine Devise, die auch sehr gut dem neuen Defensivkonzept entsprechen wird: "Komme, was da wolle, mit Mann und Maus ein Tor verhindern", ist laut Thomas Müller das neue Glaubensbekenntnis der Nationalmannschaft. Das kann man in jedem Fall gegen Frankreich besser umsetzen als gegen Slowenien oder Australien.

Und dann der Name. Nations League. Wie wunderbar er doch zu den neuerlichen Bestrebungen passt, wieder Spieler an die Mannschaft zu binden, die es stolz macht, das Nationaltrikot zu tragen. Die Nationalmannschaft singt geschlossen im Nationaltrikot die Nationalhymne in der Nationen-Liga. Es wächst zusammen, was zusammengehört.

Die Nations League soll zudem kleineren Fußballnationen helfen, auch mal bei einem Turnier teilzunehmen, auch das hat der Bundestrainer lobend erwähnt. Wie das alles genau zu geschehen hat, wie es Gibraltar dank der Nations League zu seiner ersten EM-Teilnahme schaffen wird, all das - und auch dies hat die Uefa sehr clever organisiert - kann man noch bis zum kommenden Juni immer wieder nachlesen und auswendig lernen - dann erst sind die Endrundensieger ausgespielt. Acht Monate - in einer solchen Zeitspanne habe ich sogar die Regeln für die Siedler von Catan verstanden. Lasst die Spiele also beginnen. Ein Hoch auf die Nations League!



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tarelsun 06.09.2018
1. Spiegelredakteur...
Und schon wieder ein Spiegelredakteur der meint alles besser zu wissen und halbwissen absondert ohne Ahnung zu haben. Wenn ich mir die Fakten nicht durchlese dann habe ich gefälligst ruhig zu sein. Echt traurig dann auch noch zu behaupten "alle anderen" hätten es nicht verstanden.
hajoschneider 06.09.2018
2. Zu viele Spiele, zu hohe Belastungen ...
... was ist daran so schwer zu verstehen?
so-long 06.09.2018
3. Wer glaubt,
dass ein Spieler dieses Mammutprogramm (nationale Liga, nationaler Pokal, Champions L., Nationalmannschaft EM/WM inclusive. Qualifikationen, jetzt der neue Topf) ohne intensive, ausgiebige Hilfe durch den Medizinmann bewältigen kann? Ruhepausen werden abgeschafft, weil es dafür keine Übertragungsrechte gibt.
D.Frend 06.09.2018
4. noch eine Liga
die niemand braucht... Schlimm genug, dass ich mit meinen Zwangsfernsehgebühren diesen Schwachsinn auch noch finanziere.
skeptikerjörg 06.09.2018
5. Es geht um Kommerz
Der Fan ist mittlerweile auf allen Ebenen egal. Es geht nur noch um die Vermarktung des Produkts. Angebot an die verschiedenen Fernsehprovidern, das Produkt (Übertragungsrechte) zu kaufen und an den Verbraucher weiter zu verkaufen. Und nicht nur die UEFA agiert so. Die zerfledderten Spieltage von Bundesliga bis 3. Liga, Champignons League und Euro League, überall. Wenn Zuschauer ins Stadion kommen und zu für den arbeitenden Teil der Bevölkerung unmöglichen Zeiten dem "Event" folgen, wird das gerne genommen - wegen der Atmosphäre, aber es ginge auch ohne. Und schon denkt man darüber nach, ob man die Nations League nicht auf FIFA Ebene ausweiten könne. Schön, dann braucht man halt keine EM und keine WM mehr. Die Grenzen sind erst dann erreicht, wenn die Spieler zweimal pro Tag ran müssten - oder, wenn es niemanden mehr interessiert.
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