Nations League England kann doch noch in Wembley verlieren

Spanien zauberte so schön wie früher, auch England spielte gut. Am Ende riss die Serie der "Three Lions". Überschattet wurde all das von der schweren Verletzung von Luke Shaw.

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Der Schockmoment: Im Londoner Wembley-Stadion lief die 47. Minute, als der Engländer Luke Shaw im Luftduell mit Spaniens Daniel Carvajal zusammenstieß, dann hart mit dem Kopf auf dem Rasen aufkam und regungslos liegenblieb. Shaw musste lange behandelt und ausgewechselt werden. Schon wieder Shaw, der in seiner Karriere wie kaum ein anderer Spieler von schweren Verletzungen heimgesucht wurde. Vor drei Jahren hätte er nach einem doppelten Schienbeinbruch beinahe sein linkes Bein verloren.

Englands Wembley-Serie reißt: Fast elf Jahre und 24 Pflichtspiele lang hatte Englands Nationalmannschaft nicht mehr in Wembley verloren. Dann kamen die Spanier mit ihrem neuen Trainer Luis Enrique und markierten den Spielverderber: England unterliegt zum Auftakt der Nations League 1:2 (1:2).

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Harry Kane hat schon viele herausragende Spiele gemacht, dieses gegen Spanien war sicher nicht sein bestes. Seine stärkste Szene hatte Kane noch vor dem Anpfiff, als er für seine sechs Tore und den Titel als Torschützenkönig bei der WM in Russland mit dem "Golden Boot" ausgezeichnet wurde. Und weil es so gut passte, trug Kane dann auch im Spiel goldene Fußballschuhe. Half aber nichts, im Mittelpunkt standen diesmal andere.

Die erste Hälfte: Furios, mitreißend, die Partie hielt zu Beginn, was man sich angesichts der großen Namen von ihr versprechen durfte. Ein Fest für Fußball-Ästheten. Die Spanier ließen den Ball so präzise durch die eigenen Reihen laufen, dass Andrés Iniesta, der zurückgetretene Spielmacher, irgendwo genüsslich mit der Zunge geschnalzt haben dürfte. England hielt dagegen, überzeugte auch spielerisch und machte das erste Tor: Nach einem Konter setzte Shaw mit einem wunderschönen Pass hinter die Abwehr Marcus Rashford ein, der eiskalt vollendete (11.). Spanien reagierte postwendend: Daniel Carvajal auf Rodrigo Moreno, der zu Saúl Ñíguez - 1:1 (13.). Noch vor der Pause brachte Rodrigo Moreno Spanien nach einem Freistoß von Thiago in Führung (32.).

You better call Saúl: Wohl dem, der einen Saúl in seinen Reihen hat. Ñíguez, der sonst im Mittelfeld von Atlético Madrid die Fäden zieht, erzielte nicht nur den wichtigen Ausgleichstreffer, sondern zeigte auch, wie wichtig er defensiv sein kann. Wenig später spitzelte der Kane in letzter Sekunde den Ball vom Fuß und verhinderte so den erneuten Rückstand.

Die zweite Hälfte: Wurde überschattet von Shaws schwerer Verletzung. Danach erinnerte nicht mehr viel an das mitreißende Spiel vor der Pause. Die "Three Lions" verloren ihre Linie, die Spanier nahmen das Tempo raus, vielleicht waren auch sie geschockt. Erst in der Schlussphase wurde es wieder unterhaltsamer, doch Englands Marcus Rashford vergab die beste Möglichkeit, als er an David de Gea scheiterte (80.). In der Nachspielzeit hatte der spanische Keeper Glück, dass der erneute Ausgleichstreffer durch den eingewechselten Danny Welbeck nicht gegeben wurde. Der Ball war de Gea aus den Händen gerutscht, nachdem er mit Welbeck kollidiert war. Eine Szene, die man abpfeifen kann, aber sicher nicht muss (90.+7).

Wie der Vater, so der Sohn: Marcos Alonso musste lange auf seinen Durchbruch im Nationalteam warten. Im stolzen Alter von 28 Jahren machte er gegen England sein zweites Länderspiel, das erste in der Startelf. Und dann auch noch in Wembley, wo 37 Jahre und 167 Tage zuvor schon Vater Marcos Alonso senior für Spanien debütiert hatte. Auch damals gewann Spanien 2:1 - manchmal wird Talent eben doch vererbt.

Erkenntnis des Spiels: Mit Spanien ist wieder zu rechnen. Nach dem überraschend frühen WM-Aus im Achtelfinale gegen Gastgeber Russland sah man zwar wieder eine spanische Elf, die Tiki-Taka spielte. Aber nicht aus Selbstzweck oder des Ballbesitzes wegen. Sondern weil sie es können.

England - Spanien 1:2 (1:2)
1:0 Rashford (11.)
1:1 Ñíguez (13.)
1:2 Moreno (32.)
England: Pickford - Gomez, Stones, Maguire - Trippier, Henderson (64. Dier), Alli, Lingard, Shaw (53. Rose) - Rashford (90.+4 Welbeck), Kane
Spanien: de Gea - Carvajal, Nacho, Sergio Ramos, Marcos Alonso (87. Inigo Martinez) - Saúl Ñíguez, Busquets, Thiago (80. Sergi Roberto) - Rodrigo Moreno, Iago Aspas (68. Asensio), Isco
Schiedsrichter: Makkelie (Niederlande)
Gelbe Karten: Stones, Henderson, Shaw, Rose / Carvajal



insgesamt 2 Beiträge
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tomaraya 09.09.2018
1. Wie kann das sein!?
Ist dieses Spanien nicht die Mannschaft die den Ballbesitz-Fussball erfunden, oder zumindest Jahre lang praktiziert hat? Wie ist das also möglich? Ballbesitz-Fuusball seit der WM tot, funktioniert nicht mehr! Deutet alles auf Schiebung hin... Obwohl, gibt's ja eigentlich auch nicht mehr seit dem Blatter weg ist.
Freifrau von Hase 09.09.2018
2.
Und schon wieder hat sich ein Spieler in einem unnötigen NM-Spiel verletzt. Schafft endlich die Freundschaftsspiele ab (um nichts anderes handelt es sich hier). Quali-Highlights gegen San Marino braucht auch kein Mensch, am Ende sind ja bis auf Holland sowieso alle beim Turnier dabei. Alle 2,3 Bundesligaspieltage droht jetzt so ein Murks und am Ende ist es Dezember und man fragt sich, wann jetzt eigentlich die BuLi-Saison beginnt. Alles Gute, Luke Shaw.
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