Uefa-Neuheit So funktioniert die Nations League

Die Nations League soll ab 2018 Testspiele ablösen. Für Top-Teams hat sie Eventcharakter, einem Fußballzwerg garantiert sie die EM-Teilnahme. Es dürfte nicht das letzte neue Showturnier bleiben.

Timo Werner beim Testspiel gegen Englands Gary Cahill (l., März 2017)
DPA

Timo Werner beim Testspiel gegen Englands Gary Cahill (l., März 2017)

Von


England am Freitag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und Frankreich am Dienstag sowie Spanien und Brasilien im März - so heißen die nächsten Aufgaben der deutschen Nationalmannschaft. Das klingt nach WM-Endspielen, doch der sportliche Reiz ist kaum vorhanden: Es sind halt Testspiele.

Die Uefa hat sich deswegen die Nations League einfallen lassen, die im September 2018 erstmals starten wird. Was das ist? Grob gesagt: Testspiele, die in einem offiziellen Wettbewerb stattfinden werden. Reizvoll ist das Turnier aber für Nationen wie Aserbaidschan, Luxemburg und ähnliche Fußballzwerge.

Was ist die Uefa Nations League?

Die Nations League soll Testspiele der europäischen Nationalmannschaften weitgehend ersetzen und startet nach der WM in Russland mit allen 55 Uefa-Mitgliedern. Der Reiz: In diesem Wettbewerb werden über Playoffs vier der 24 Startplätze für die EM 2020 vergeben, einer davon wird sicher an einen krassen Außenseiter gehen, siehe Einteilung der Ligen.

Wie ist der Modus der Nations League?

Die 55 Mannschaften werden gemäß ihres Uefa-Koeffizienten in vier Ligen (A bis D) eingeteilt. Deutschland befindet sich in Liga A. Aktuell würde die Aufteilung so aussehen:

Die Ligen der Nations League

Liga A: Deutschland, Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien, Niederlande
Liga B: Österreich, Wales, Russland, Slowakei, Schweden, Ukraine, Irland, Bosnien-Herzegowina, Nordirland, Dänemark, Tschechien, Türkei
Liga C: Ungarn, Rumänien, Schottland, Slowenien, Griechenland, Serbien, Albanien, Norwegen, Montenegro, Israel, Bulgarien, Finnland, Zypern, Estland, Litauen
Liga D: Aserbaidschan, Mazedonien, Weißrussland, Georgien, Armenien, Lettland, Färöer, Luxemburg, Kasachstan, Moldawien, Liechtenstein, Malta, Andorra, Kosovo, San Marino, Gibraltar

Jede der vier Ligen besteht wiederum aus vier Gruppen, in denen drei oder vier Teams vertreten sind (Auslosung: 24. Januar 2018). Es gibt also 16 Gruppen, Hin- und Rückspiel. In der Regel hat eine Mannschaft damit vier Gruppenpartien, die an Doppelspieltagen im September, Oktober und November 2018 ausgetragen werden. Die Gruppensieger von Liga A bestreiten im Juni 2019 ein Final Four (der Austragungsort wird nach der Gruppenphase bestimmt), in dem der erste Sieger der Nations League ermittelt wird - hurra. Den Modus können Sie im Detail hier nachlesen.

Wie qualifiziert man sich über die Nations League für die EM?

Spannender werden die Playoffs (Halbfinale, Finale, ohne Rückspiele) im März 2020. Für diese Runde sind alle 16 Gruppensieger qualifiziert, jede der vier Ligen bleibt aber unter sich und spielt ihren EM-Teilnehmer aus. Damit ist garantiert, dass sich eine Mannschaft aus der schwachen Liga D für die EM qualifizieren kann.

Was die Sache kompliziert macht: An den Playoffs dürfen nur Gruppensieger teilnehmen, die es nicht über den herkömmlichen Qualifikationsmodus geschafft haben. Ist der Sieger bereits qualifiziert, rückt der jeweilige Gruppenzweite nach. Möglicherweise sogar der Dritte oder eine Mannschaft aus einer tieferen Liga, falls beispielsweise - und das ist denkbar - in Liga A bereits zu viele Teams qualifiziert sind. Für die Großen dürfte sich der Wettbewerb daher wie Testspiele mit Top-Gegnern anfühlen oder wie eine zweite Chance, falls man in der Qualifikation doch gescheitert sein sollte, wie die Niederlande vor dem Turnier 2016.

Übersicht Nations League
Union of European Football Associations (Uefa)

Übersicht Nations League

Wo kann ich die Nations League verfolgen?

ARD und ZDF haben sich die TV-Rechte für Spiele der deutschen Mannschaft in der Nations League von 2018 bis 2022 gesichert - und damit wieder mehr Partien mit Wettbewerbscharakter im Programm. Zuletzt hatten die öffentlichen Sender abseits der Endrunden nur Testspiele der DFB-Elf gezeigt. RTL überträgt seit 2014 die deutschen Qualifikationspartien für Welt- und Europameisterschaften.

Welche Veränderungen gibt es noch?

Die eigentliche Qualifikation (zehn Gruppen, die Sieger und Zweitplatzierten sind für die EM qualifiziert) beginnt nicht mehr im Anschluss an die WM-Endrunde, sondern erst im folgenden März, im konkreten Fall: März 2019. Sie endet bereits im November. Das klingt gestrafft, der Nachteil: Die Gruppenauslosung für die EM kann erst nach den Playoff-Ergebnissen der Nations League im März 2020 stattfinden - weniger als drei Monate vor Turnierstart. Bisher standen die Gruppen ein halbes Jahr vor dem Start einer Endrunde fest. Damit haben Scouting, Trainer und Spieler künftig deutlich weniger Zeit, sich auf ihre Gruppengegner vorzubereiten. Für Fans wird die Reiseplanung erschwert.

Nations League weltweit - was ist das?

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Uefa plane in Konkurrenz zur Fifa-WM-Endrunde eine eigene kleine Weltmeisterschaft, bei der die Nations League mit Mannschaften aller Kontinentalverbände ausgeweitet werden soll. Die Uefa bestätigte in einem Statement, dass über eine Weiterentwicklung der Nations League nachgedacht wird. Konkrete Pläne hat der Verband jedoch nicht mitgeteilt, eine Anfrage des SPIEGEL ließ die Uefa mit Verweis auf ihr Statement unkommentiert. Das waren unsere Fragen:

  • Wann würde der Wettbewerb stattfinden?
  • Welche und wie viele Mannschaften würden mitspielen bzw. wie würden die Mannschaften ausgewählt?
  • Welchen sportlichen Reiz soll eine weltweite Nations League haben (z.B. bei einem Sieg einer nichteuropäische Nationalmannschaft die Vergabe einer Wildcard für eine EM)?
  • Wie sind die Klubmannschaften in die Überlegungen eingebunden?

Der sportliche Wert dieses Turniers wäre in jedem Fall fragwürdig, zumal es bereits mit dem Confed Cup der Fifa ein ähnliches und wenig geschätztes Format gibt, dessen Zukunft zudem ungewiss ist.

Welche Turnierpläne gibt es außerdem?

Der Weltverband Fifa erwägt - möglicherweise als Ablösung für den Confed Cup - eine größere Weltmeisterschaft für Vereinsmannschaften auszurichten. Dieses Turnier soll ab 2021 alle vier Jahre mit 24 Mannschaften stattfinden, gespielt wird über 18 Tage im Juni. Bisher findet die Klub-WM mit sieben Vereinen im Dezember statt. Im März 2018 will der Fifa-Rat über seine Pläne entscheiden.

Bei diesen Überlegungen wird der finanzielle Aspekt (mehr TV-Einnahmen) eine Rolle spielen. Es geht aber auch um Macht und darum, ein Konkurrenzprodukt zur Champions League der Uefa zu schaffen. Allein unter dem sportlichen Gesichtspunkt dürfte eine aufgeblähte Klub-WM den Vergleich zwischen europäischen und nichteuropäischen Teams nicht spannender machen. In den vergangenen zehn Jahren kam der Sieger nur einmal nicht aus Europa. Am Ende hätte man nur noch mehr Spiele zwischen Favoriten aus Europa und klaren Außenseitern. Oder kurz gesagt: noch mehr Showspiele.

Mehr zum Thema


insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Zett 09.11.2017
1. Hä ?
Auch wenn ich es verstehe, was keine Frage der Intelligenz sondern eher der Lust ist, erzeugt das bei den Fans nach meiner Meinung eher Überdruss als Begeisterung, so wie bei dem Lied vom "Nippel durch die Lasche ziehen". Auch hier geht es wohl wieder um das "liebe" Geld, der Fußball wird eines Tages daran ersticken aber bis dahin haben die entsprechenden Protagonisten noch ausreichend vor seinem Ableben Völlerei (ich meine nicht Rudi) durch ihn betrieben.
Jasko 09.11.2017
2. Liga All-Star Turnier?
Nationalmannschaft kennen wir schon. Die Clubs auch. Wieso nicht mal was richtig neues? Eine Bundesliga All-Star Mannschaft, die gegen ähnliche Auswahlen aus England, Frankreich, Spanien, Italien etc antritt.
tipsylaird 09.11.2017
3. Hätte man auch anders lösen können (und sollen)
Dieses System ist zu undurchlässig und zu unübersichtlich. Es spielen immer die gleichen gegeneinander, und dann kommt der Letzte der 3er-Gruppe womöglich noch auf diese Weise zur EM. Besser wäre, die Spielansetzungen weiter durch die Nationalverbände aushandeln zu lassen, aber eine Ranking-Wertung analog der im Tennis üblichen Ranglistenbäume durchzuführen. Beispiel: Eine Nation auf Rang 25 darf alle Länder herausfordern, die max. 10 Ränge höher steht (also bis Platz 16). Gewinnt sie, springt sie auf den Rang vor dem herausgeforderten Land. Bei Unentschieden ändert sich nichts, bei Niederlage verliert sie genau so viele Plätze nach unten, wie sie im Siegfalle nach oben gewonnen hätte. Das herausgeforderte Land, so es denn gewinnt, springt nur einen Platz nach oben (weil es im Verlustfalle einen Platz nach unten springt), darf aber beim nächsten Spiel selbst herausfordern. So ein System würde die Freundschafts- und Testspiele extrem aufwerten, ohne gleich ein neues und sicher ungeliebtes Turnierprinzip daraus zu machen. Und ein EM-Quali-Bonus könnte man in so ein System sicher auch einbauen (z.B. 4 EM-Plätze werden an die am besten platzierten nicht normal qualifizierten Teams vergeben). Ach ja: Nations Ligue könnte man das natürlich auch nennen.
Zett 09.11.2017
4. Zuviel !
Zitat von JaskoNationalmannschaft kennen wir schon. Die Clubs auch. Wieso nicht mal was richtig neues? Eine Bundesliga All-Star Mannschaft, die gegen ähnliche Auswahlen aus England, Frankreich, Spanien, Italien etc antritt.
Bei allem Respekt, die Inflation der Wettbewerbe erreicht ihre Erträglichkeit und findet durch Erschöpfung bald kein Interesse mehr. Warum nicht gleich eine "Europameisterschaft" der Absteiger, im üblichen Gruppen-und K.O Verfahren und der Sieger erhält in seiner Liga ein Freilos, oder spielt im Play-Off Modus gegen den viertplatzierten der 2. Liga des jeweiligen Landes um den Auf-bzw. Abstieg. Das würde doch noch mehr Unübersichtlichkeit ins Geschäft bringen, im wahrsten Sinne des Wortes.
andromeda793624 09.11.2017
5. Überdruss!
Jetzt auch noch ne Nations League! Klar die Freundschaftspiele werden durch diese Idee ersetzt und man will wieder mehr Attraktivität durch Wettbewerb hineinbringen. Trotz alle dem ist das für mich schon zu viel Wettbewerb zumal sich ja auch 4 Länder über dieses Turner für eine EM Qualifizieren können.. Zu dem läuft ja auch noch weiterhin die EM und WM Quali. Am Freitag ist z.b. diese Testspiel gegen England. Irgendwie freue ich mich gar nicht mehr so auf diesen "Klassiker". Früher war das anders. Vielleicht ist einfach zu viel Fußball im TV. In meinen Augen ist dieser Überdruss keine Lösung. Wenn man auch bedenkt dass die WM in Zukunft mit mehr Teilnehmern aufgebläht wird. Die letzte EM war ja schon ein Horror.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.