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Neu-Präsident Uli Hoeneß Diener und Herr der Bayern

Künftiger Bayern-Präsident Hoeneß: Menschenfreund mit GeschäftssinnZur Großansicht
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Künftiger Bayern-Präsident Hoeneß: Menschenfreund mit Geschäftssinn

2. Teil: Aufbau der Marke FC Bayern

Verständlicherweise muss man sich Großzügigkeit, Verlässlichkeit und Menschlichkeit dieser Art leisten können - und das Geld, mit dem Hoeneß seine gelegentliche Fürsorge finanziert, hat der FC Bayern unter seiner Führung erst verdient.

Als der Sportinvalide 1979 als Manager anfing, hatte der Verein sieben Millionen Mark Schulden und war nicht über einen Umsatz von zwölf Millionen hinausgekommen. Es sah nicht gut aus. Hoeneß sagt heute, der damalige Präsident Wilhelm Neudecker habe keinen Manager gesucht, sondern "einen Prellbock für die bevorstehende Steuerprüfung".

Trotzdem: Es hatte sich herumgesprochen, dass Hoeneß mit Geld umgehen konnte. Schon damals. Seine Eltern hatten in Ulm eine Metzgerei betrieben, Uli saß als Schüler samstags an der Kasse. "Wenn bei der Abrechnung auch nur fünf Pfennige fehlten, wurde die Tür zugesperrt und so lange gesucht, bis die fünf Pfennig wieder da waren", erzählt Udo Horsmann, ein Mannschaftskollege von Hoeneß aus den siebziger Jahren.

Dettmar Cramer, der Trainer mit dem Hoeneß damals zweimal den Europapokal der Landesmeister holte, erinnert sich, dass er Hoeneß bei Freundschaftsspielen stets die Kasse überlassen habe: "Meine Herren, ich lass Ihnen den Uli hier. Machen Sie die Abrechnung mit ihm." Er war der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er entdeckte, dass der FC Bayern nicht nur eine Mannschaft war, die sich am Samstagnachmittag ein paar Hartgesottene in einem zugigen Stadion ansahen, sondern eine Marke. Gleich nach Jobantritt vermietete Hoeneß die Trikots der Bayern für 600.000 Mark pro Saison an einen Lastwagenhersteller seiner Heimatstadt, die Ulmer Firma Magirus Deutz.

Bierdeckel als Startschuss zur Vermarktungsoffensive

Die Unterschrift wurde auf einem Bierdeckel in der Münchner Weißwurst-Wirtschaft "Franziskaner" geleistet. Bierdeckel können etwas Inspirierendes haben. Bald darauf verkündete Hoeneß: "Wir gründen die FC Bayern GmbH und werden von jetzt an alles selbst vermarkten: das Emblem, den Namen, T-Shirts, Bettwäsche, Schlafanzüge, Streichholzschachteln und Bierdeckel: einfach alles." Heute versucht jede bessere Kneipenmannschaft so ihr Glück. Damals war es die Modernisierung des deutschen Fußballgeschäfts.

Viele Menschen haben Hoeneß vorgeworfen, er habe die Seele seines Sports verkauft, aber wenn man ihn in seinem Zimmer in der Bayern-Zentrale an der Säbener Straße besucht, stellt man schnell fest, wie falsch die Legende vom kalten, glatten Fußballkonzern ist.

Mit den Korbmöbeln sieht es so gemütlich aus wie in einer alpenländischen Frühstückspension. An der Wand hängt ein Foto des Triumphs von Mailand 2001, samt dem bekannten Transparent der Fans "Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben". Dieses Hauptquartier ist das Gegenteil von McKinseyscher Strenge und Effizienz und der einhergehenden totalen Ökonomisierung des Lebens.

Eine Vision, 34 Mark und die Ersatzbank

Eigentlich ist der vollglobalisierte Turbokapitalismus, der inzwischen seine Gesetze modellhaft am Fußball durchdekliniert, Hoeneß ein Graus. Manchester United? Gehört Amerikanern, die ihr Geld mit Fischkonserven verdient haben. Der FC Chelsea aus London? Einem russischen Oligarchen. Bayern München gehört bis auf knapp 20 Prozent Bayern München, also den Mitgliedern des Vereins. Auf diesem grundsoliden Fundament ist nun nach drei Jahrzehnten Hoeneß eine neue Zeit angebrochen.

Im Grunde ist Hoeneß der schlitzohrige Schwabe geblieben, der er stets war, und es gibt wenig, was so viel über ihn sagt, wie jene Anekdote aus der Zeit, als er 13 Jahre alt war, kein Geld hatte, wohl aber eine Vision. Damals lag in einem Sportgeschäft in Ulm ein Ball im Fenster.

Dieser war schwarzweiß, kostete 34 Mark und Hoeneß fuhr vier Wochen lang mit den Fahrrad hin, um zu sehen, ob der Ball noch da war. Er suchte sich einen Job als Beifahrer, verdiente die 34 Mark, kaufte den Ball. "Damit war ich der König", sagt Hoeneß. "Wenn ich mit dem Flutlichtball auf die Wiese kam, konnte ich sagen: Du darfst mitspielen, du darfst mitspielen und du nicht." Und er fügt genüsslich hinzu: "Damals gab es bei uns auf der Spielwiese noch eine Ersatzbank."

Man darf also davon ausgehen, dass Hoeneß auch als Präsident des FC Bayern in den kommenden Jahren mitspielen wird. Eher weit vorne, nicht auf der Ersatzbank.

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insgesamt 114 Beiträge
Rainer Daeschler 27.11.2009
Von Post-Hoeneß-Ära kann hier überhaupt nicht die Rede sein, ebensowenig von Fäden ziehen im Hintergrund. Die zieht er weiter, und zwar ganz vorne, so wie es seine neuen Ämter ihm ganz offiziell einräumen. Wir haben es hier [...]
Zitat von sysopFür den FC Bayern hat die Post-Hoeneß-Ära begonnen. Wohin führt der Weg des Rekordmeisters ohne den umtriebigen Manager? Oder zieht Hoeneß hinter den Kulissen weiter die Fäden?
Von Post-Hoeneß-Ära kann hier überhaupt nicht die Rede sein, ebensowenig von Fäden ziehen im Hintergrund. Die zieht er weiter, und zwar ganz vorne, so wie es seine neuen Ämter ihm ganz offiziell einräumen. Wir haben es hier mit zwei paralleln Organisationsformen zu tun: 1. FC Bayern München e.V. 2. FC Bayern München AG Die Position von Uli Hoeneß; *Bisher:* Stellvertretender Vorstandsvorsitzender FC Bayern München AG *Ab jetzt:* Präsident FC Bayern München e.V. Aufsichtsratsvorsitzender FC Bayern München AG Es gibt also ab jetzt mehr Uli, nicht weniger.
christian simons 27.11.2009
Stellt Euch mal vor, die Bayern verlieren und alles, was wir geboten bekommen, ist ein indignierter Rummenigge. Ich habe Talkshows gesehen, in denen Hoeneß mit Markus Söder kurz vor einer Wirtshausschlägerei stand. Sowas ist [...]
Zitat von sysopFür den FC Bayern hat die Post-Hoeneß-Ära begonnen. Wohin führt der Weg des Rekordmeisters ohne den umtriebigen Manager? Oder zieht Hoeneß hinter den Kulissen weiter die Fäden? Diskutieren Sie mit!
Stellt Euch mal vor, die Bayern verlieren und alles, was wir geboten bekommen, ist ein indignierter Rummenigge. Ich habe Talkshows gesehen, in denen Hoeneß mit Markus Söder kurz vor einer Wirtshausschlägerei stand. Sowas ist unbezahlbar und definitiv nicht mit sieben Euro in der Südkurve zu finanzieren. Uli Hoeneß ist neben Bernd, dem Brot der Einzige in diesem Land, der die schützenswerte Minderheit der Übellaunigen würdig repräsentiert. Go, Uli, go.
Realisti 28.11.2009
Ich habe jetzt gerade den Artikel gelesen. Ich stelle fest: Bayern München = viel Geld, aber wenig Fussballkunst! Daran ändert sich vorläufig nichts, wo auch immer sich Uli Hoeness aufhalten wird....
Ich habe jetzt gerade den Artikel gelesen. Ich stelle fest: Bayern München = viel Geld, aber wenig Fussballkunst! Daran ändert sich vorläufig nichts, wo auch immer sich Uli Hoeness aufhalten wird....
lemming51 28.11.2009
Hoeneß. dieser Metzgerbengel, IST der FC Bayern. Ganz einfach. Brutal, gnadenlos, schwarz, effizient.
Zitat von sysopFür den FC Bayern hat die Post-Hoeneß-Ära begonnen. Wohin führt der Weg des Rekordmeisters ohne den umtriebigen Manager? Oder zieht Hoeneß hinter den Kulissen weiter die Fäden? Diskutieren Sie mit!
Hoeneß. dieser Metzgerbengel, IST der FC Bayern. Ganz einfach. Brutal, gnadenlos, schwarz, effizient.
JW2008 28.11.2009
Das ist natürlich Quatsch: Für das tägliche und operative Geschäft der FC Bayern AG wird nun Rummenigge noch mehr das Sagen haben (und Hoeneß eben nicht mehr!) mit nicht unerheblichen Folgen inbes. für die Fans (besser: Kunden) [...]
Zitat von Rainer DaeschlerEs gibt also ab jetzt mehr Uli, nicht weniger.
Das ist natürlich Quatsch: Für das tägliche und operative Geschäft der FC Bayern AG wird nun Rummenigge noch mehr das Sagen haben (und Hoeneß eben nicht mehr!) mit nicht unerheblichen Folgen inbes. für die Fans (besser: Kunden) des FC Bayern. Die letzte Stufe der totalen Kommerzialisierung ist mit der Gründung der Aktiengesellschaft und dem Verkauf von Aktien an adidas und audi bereits geebnet worden. Und jetzt wird man unter Rummenigge ohne Hoeneß beim FC Bayern noch weniger Skrupel haben sich selbst noch mehr zu verkaufen an Sponsoren und "Investoren". Schon heute (noch mit Hoeneß) hat sich der Fußball nirgendwo sonst in Deutschland von seinen Ursprüngen so weit entfernt wie beim FC Bayern. Es wird unter Rummenigge nur noch mehr um Profitmaximierung gehen. Traditionelle Anhänger und mündige Fans werden beim FC Bayern noch weniger Platz haben als schon jetzt; da nützen die ankekündigten Fantreffen des Frühstückdirektors Hoeneß auch nicht mehr viel, wenn Hoeneß im täglichen Geschäft der AG nichts mehr zu suchen hat. Der FC Bayern wird ohne Hoeneß im täglichen Geschäft noch mehr ein auf Profitmaximierung getrimmtes Unternehmen ohne jeden Charme. Man muss sich ja nur heute schon einmal an der Säbener Straße umsehen. Die hohen Zäune dort um die Trainingsplätze verhindern, dass die Anhänger den Fußball-Millionarios zu nahe kommen und die Klub-Zentrale sieht aus wie geleckt und erinnert an den Stammsitz einer Immobiliengesellschaft. Die Handvoll leidenschaftlicher Fans, die der FC Bayern neben den unzähligen Kunden noch hat, werden von der künftigen AG-Führung (ohne Hoeneß) noch mehr wie Dreck am Ärmel behandelt. Der Abgang von Hoeneß aus dem täglichen Geschäft der AG macht den Profifußball dort endgültig zum reinen Wirtschaftsunternehmen, wo Gewinn per Definition die oberste Maxime sein wird. Wer dieser Aktiengesellschaft als echter Fan wirklich emotional noch anhängt, wird - trotz all der sportlichen Erfolge - von mir nicht beneidet, sondern verdient mein Mitleid.
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