Neue Trainer in der Bundesliga: Ende der Schonzeit

Von Rafael Buschmann

Sie sollten ihren Vereinen ein neues Gesicht geben, für ein Konzept stehen und vor allem für Erfolg sorgen. Doch der Einstand der neuen Bundesliga-Trainer ging gründlich schief: Statt Perfektion herrscht Planlosigkeit. Lange haben Heynckes, Dutt und Co. nicht mehr Zeit, ihre Teams auf Kurs zu bringen.

Heynckes, Dutt und Co.: Ein Saisonstart zum Vergessen Fotos
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Jupp Heynckes ist wahrlich kein Trainer-Neuling mehr, er ist ein Altmeister. Voller Ruhe und Gelassenheit stolzierte der ehemalige Champions-League-Sieger durch die Vorbereitung, stets sein Mantra wiederholend: "Beim FC Bayern ist es schön, solange man gewinnt. Deshalb brauchen wir dringend einen guten Saisonstart." Nach dem 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach dürfte Heynckes Gelassenheit ein wenig gelitten haben. Die der Bayern-Verantwortlichen sicherlich auch.

Dabei, so demonstrierte es der erste Spieltag eindrucksvoll, sind die Münchner mit ihren Sorgen keineswegs allein. Vielmehr sind sie im Mainstream, wenn es um die Erfolglosigkeit neuverpflichteter Bundesliga-Trainer geht. Denn am ersten Spieltag zeigten alle Trainerzugänge, dass der Wunsch nach einer zu erkennenden Handschrift, einer neuen Spielkultur sowie schnellen Positiv-Ergebnissen kaum in der kurzen Periode einer Saisonvorbereitung zu verwirklichen ist.

Doch genau das hatten sich Hoffenheim, Köln, München, Leverkusen und Freiburg vorgenommen, als sie Holger Stanislawski, Stale Solbakken, Jupp Heynckes, Robin Dutt und Marcus Sorg auf ihre Trainerstühle setzten. Letzterer konnte am ersten Spieltag mit dem 2:2-Unentschieden eine Pleite gegen den FC Augsburg verhindern. Dem Rest bleibt die Erkenntnis, dass ihre Fußballideen und die Leistungen ihrer Teams derzeit noch um Welten auseinanderliegen.

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Dabei kam jeder der neuen Trainer mit reichlich Vorschusslorbeeren zum neuen Club. Heynckes und Solbakken wurden wie Heilsbringer in ihren Vereinen empfangen, sie sollten die vergangene Saison schnellstens vergessen machen und für einen Neustart sorgen. Dutt, einer der gefeierten Jungtrainer der vergangenen Saison, sollte bei Bayer die gute Arbeit von Vorgänger Heynckes fortsetzen und möglichst das Negativ-Image des "Vizekusen" durch einen schnellen Titelgewinn abstreifen. Stanislawskis Aufgabe bei Hoffenheim war ebenfalls präzise formuliert: Aus dem Club ohne wirkliche Tradition sollte ein wenig mehr "St. Hoffenheim" werden. Der 41-Jährige sollte 1899 etwas Herz und Kult von seinem Ex-Verein St.Pauli mitbringen.

Nach diesem ersten Spieltag lautet die Bewertung der Arbeit dieser fünf Trainer schlicht: Ziel verfehlt. Oder in den drastischen Worten von Bayerns Thomas Müller: "Der Scheiß geht schon wieder weiter." In München und Köln zeigten sich exakt die gleichen Probleme wie im Vorjahr, von Hoffenheims neuen Emotionen war nichts zu sehen, und Leverkusens zweite Pflichtspiel-Niederlage in Folge gegen einen vermeintlich kleinen Gegner wird Dutt wohl ein ruhiges Einschlafen nicht ermöglichen.

Perfektion ist keine Hauruck-Veranstaltung

Womit aber hängt es zusammen, dass die neuen Trainer mit ihren ersten Auftritten so weit entfernt sind vom Anspruch ihrer Clubs? "Die Umsetzung seiner Vorgaben erfordert einfach ein wenig Zeit", sagte Leverkusens Mittelfeldspieler Simon Rolfes über die Arbeit von Dutt. Damit beschreibt er die Grundproblematik der Neulinge. Alle diese Trainer, die immer wieder als "Konzept-" oder "Plan-Coaches" bezeichnet werden, agieren mit strikten Ideenvorgaben, in die sie ihre neuen Mannschaften zwängen. Ihnen eilt der Ruf voraus, sie seien akribisch, detailverliebt, präzise - und eben auch perfektionistisch.

Aber gerade Perfektion ist keine Hauruck-Veranstaltung, die in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen Saisonvorbereitung zu erreichen ist. Schon gar nicht, wenn ein Teil des Kaders wegen Länderspielen nicht oder nur verspätet zur Verfügung steht.

Die von Heynckes seit Monaten propagierte "kontrollierte Offensive", bei der ihm ein schlichtes 1:0 "absolut ausreicht", ist für die Spieler des FC Bayern eine komplette Kehrtwende, weg von der Louis-Van-Gaalschen Offensivtaktik. Dutt hingegen dreht die Heynckes-Philosophie bei Bayer um und will sein Team noch mehr agieren statt reagieren lassen, noch intensiver ohne Ball spielen sehen. Solbakken möchte sein Team "auf allen Positionen variabler machen, mit schnellerem Umschalten von Abwehr auf Angriff".

Dies alles sind Anforderungen, die Mannschaften selten auf Anhieb umsetzen. Doch Zeit zum neuerlichen Ausprobieren und Einstudieren gibt es nicht. In dieser Woche stehen Länderspiele auf dem Programm, so dass an grundlegendes Training nicht wirklich zu denken ist. Ungeachtet dessen wird am kommenden Wochenende der zweite Spieltag ausgetragen. Noch gibt es eine kleine Schonfrist für die Neuen auf den Trainerstühlen. Noch funktioniert der Verweis auf fehlende Zeit und ein komplexes Konzept. Dass dies jedoch nach der zweiten, dritten Niederlage hinfällig ist, spürt Bayers Dutt heute schon. Und erinnert sich womöglich an Heynckes "Nur Siege zählen"-Mantra.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Bitte substantieller
Lochblech.19 08.08.2011
Mal wieder so ein Artikel, der in der Headline das Saisonende suggeriert. Im Fußball kommt es zu häufig anders. Das kaputtschreiben von Fußballmannschaften nach einem Ergebnis ist journalistischer Unfug.
2. .
powerkraut 08.08.2011
Nicht nur die frisch gewechselten Trainer sind Konzepttrainer, auch einige der aus der vergangenen Saison verbliebenen gehören in diese Kategorie. Eine Handschrift und das Konzept erkennen kann man wohl nur, wenn man einem Trainer etwas Zeit gibt. Siehe Slomka in Hannover, der zunächst nur Niederlagen produzierte und die letzte Saison mit einer Pokalpleite begann. Das Problem der Vereine ist, dass sie diese Zeit meist nicht haben, wenn der Abstieg droht und damit die finanzielle Basis wegbricht. Wenn der Trainer also zu lange braucht, um sein Konzept umzusetzen fliegt er. Außerdem ist es vielleicht ein schöner Anspruch, dass z.B. Dutt Leverkusen zur Meisterschaft führen soll - das wollen ca. 10 andere Vereine auch - kann aber pro Saison nur einer werden. Müssen dann neun Trainer fliegen, weil sie das Ziel nicht erreicht haben?
3. Ein vollkommen überflüssiger Artikel...
teekaysevenfive 08.08.2011
...von einem Journalisten, der sich im Fußball nicht auskennt. Schade. Die Bayern haben bis auf das gestrige Spiel unter Jupp Heynckes bislang in der Vorbereitung und insbesondere im Pokal überzeugt. Da kann von Anlaufschwierigkeiten keine Rede sein. Ebenso war Freiburg in Augsburg die bessere Mannschaft, hat nicht ein Unentschieden gerettet, wie hier suggeriert wird, sondern lag zweimal in Front. Das ist etwas vollkommen anderes. Hoffenheim hat ebenfalls ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Diese drei Beispiele lassen sich nun mal überhaupt nicht unter den Hut der "neuer Trainer = Anlaufschwierigkeiten"-Thematik zusammenfassen. Das ist Unsinn. Schwierigkeiten gibt es bei Leverkusen und in Köln. Das ist wahr. Aber das war es dann auch schon.
4. ...
Currie Wurst 08.08.2011
1. Spieltag und die Journaille zettelt schon die ersten Trainerdiskussionen an. Wie soll denn die Lösung aussehen: nach der 2. Niederlage am 2. Spieltag alter Trainer raus, neuer rein. Nach weiteren drei erfolglosen Spielen dritter Trainer ? Drei Siege in Folge und die gleichen Schreiberlinge entsenden Lobeshymnen.
5. käse
DUB 08.08.2011
Zitat von Lochblech.19Mal wieder so ein Artikel, der in der Headline das Saisonende suggeriert. Im Fußball kommt es zu häufig anders. Das kaputtschreiben von Fußballmannschaften nach einem Ergebnis ist journalistischer Unfug.
Absolut einverstanden. nichts empirisches in diesem artikel zu finden. die dortmunder haben letztes jahr ihr erstes saisonspiel verloren. der rest ist bekannt.
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