Von Rafael Buschmann
Die Worte mussten ungefähr so brennen, wie es sonst nur Salz in einer offenen Wunde kann: "Ich hatte das Glück, mit vielen großartigen Trainern zu arbeiten. Jetzt ist Robin Dutt da." Gesagt hat dies Michael Ballack Anfang März in einer Gesprächsrunde beim Bezahlsender Sky. Knapp drei Wochen später wurde Dutt bei Bayer Leverkusen entlassen. Es war das Ende einer unrühmlichen Episode.
Dutt gilt seit dieser Demission als subversiv, autoritär und kritikunfähig. In lediglich neun Monaten Arbeitszeit in Leverkusen hat er sich mit zahlreichen Spielern, Beratern und Pressevertretern gestritten. Berühmt wurde er bei Bayer nicht wegen sportlicher Erfolge, sondern unter anderem wegen seiner Eingriffe in die Essenspläne der Spieler. Dutt versuchte dem Team den Verzehr von Milchreis zu verbieten, die Mannschaft protestierte gegen diese Entscheidung.
Nun bekommt Dutt die Chance, sein Image zu ändern: Er ist zum neuen Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berufen worden und tritt damit die Nachfolge des zum FC Bayern München abgewanderten Matthias Sammer an. Ganz unverhofft kommt diese Personalentscheidung nicht.
Der DFB-Generalsekräter Helmut Sandrock sagte unlängst im "kicker", dass der Verband eine populäre Lösung favorisiere. Interne, aber der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Kandidaten, wie der von vielen Experten hochgelobte Frank Wormuth, schieden damit aus. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sagte zudem mit dem Präsidenten des 1.FC Kaiserslautern, Stefan Kuntz, der Favorit auf den Posten, von sich aus ab.
Kuntz "wollte nicht als Fahnenflüchtling gelten"
Kuntz bestreitet zwar nach wie vor jeglichen Kontakt zum DFB, aus der Verbandszentrale ist allerdings zu hören, dass der enge Vertraute von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff den Zeitpunkt des Wechsels für ungünstig hielt. "Er wollte nicht als Fahnenflüchtling gelten", sagte ein Funktionär, der nicht namentlich genannt werden will. Kuntz stieg in der vergangenen Saison mit Kaiserslautern aus der Bundesliga ab.
Deshalb gab es vor einigen Tagen eine erste Annäherung zwischen dem DFB und Dutt. Sandrock und Präsident Wolfgang Niersbach sollen die Gespräche geführt haben. Dabei gab Dutt vor nicht einmal einer Woche noch Welt Online ein Interview, in dem er erklärte, dass er erst "in einem halben Jahr oder in einem Jahr" als Trainer zurückkehren werde. "Für mich habe ich festgelegt, dass es nicht sofort weitergehen muss. Ich kann auch viele andere schöne Dinge tun."
Dass Dutt sich nun so kurzfristig für den DFB entschieden hat, wird wohl auch mit seinem künftigen Verantwortungsbereich zusammenhängen. Im Gegensatz zu Vorgänger Sammer, der für die Teams unterhalb der U-21-Mannschaft verantwortlich war, soll der 47-Jährige nun alle Jugend- und Juniorenteams koordinieren und strategisch aufstellen dürfen. In einem Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw sollen sich die beiden auf diese Ausrichtung festgelegt haben.
Dutt liebt das schöne Spiel
Dutt, der fast vier Jahre beim SC Freiburg, dem Heimatverein von Löw, als Coach tätig war, vertritt eine ähnliche Spielphilosophie wie der Bundestrainer. Insbesondere im Breisgau erarbeitete er sich den Ruf als Verfechter des Offensivfußballs. Schnelle Vertikalpässe, ein kompaktes Pressing und eine hohe Laufbereitschaft zeichneten damals sein Team aus. Alles Ansätze, die auch Löw als Kern seines Spiels ansieht.
Streitigkeiten, wie es sie zwischen Löw und Sammer gab, wird es zwischen Dutt und dem Bundestrainer wohl kaum geben. Beide sind sich dafür zu ähnlich. Spannender verspricht die künftige Zusammenarbeit von Dutt mit den Nachwuchstrainern, wie beispielsweise Wormuth (U20) oder Horst Hrubesch (U19). Sie sind keine einfachen Charaktere, sie haben ihre eigenen Vorstellungen vom Fußball.
Der Nachwuchsbereich wurde von Sammer so strukturiert, dass er neben einer soliden sportlichen und charakterlichen Ausbildung vor allem Titel garantieren sollte. Dutt hingegen gilt als Prediger des schönen Spiels. Die Entwicklung einer Mannschaft steht für ihn noch vor dem Gewinn von Trophäen. Fragen nach Hierarchien, also dem Leitthema Sammers, kanzelte Dutt in der Vergangenheit häufig ab.
In Leverkusen gelang es ihm zu keiner Zeit, eine intakte Mannschaftsstruktur aufzubauen. Besonders sichtbar wurde dies bei der 1:7-Champions-League-Pleite gegen den FC Barcelona im März, als bei Bayer jegliche Ordnung verloren ging und sich Lionel Messi mit fünf Toren in die Geschichtsbücher schoss. Auch Löw wurde nach dem EM-Aus gegen Italien das Fehlen von Führungsspielern und klaren Hierarchien vorgeworfen. Noch so eine Gemeinsamkeit mit dem neuen Sportdirektor.
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