Neuer DFB-Sportdirektor Dutt: Löws Seelenverwandter

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In Leverkusen scheiterte er an Ballack, Messi und Milchreis, nun soll er der neue Matthias Sammer werden: Robin Dutt übernimmt beim DFB den Posten des Sportdirektors. Er gilt als unbequem und subversiv. Mit Bundestrainer Joachim Löw hingegen versteht er sich ausgezeichnet.

Neuer DFB-Sportdirektor: Die Karriere des Robin Dutt Fotos
Getty Images

Die Worte mussten ungefähr so brennen, wie es sonst nur Salz in einer offenen Wunde kann: "Ich hatte das Glück, mit vielen großartigen Trainern zu arbeiten. Jetzt ist Robin Dutt da." Gesagt hat dies Michael Ballack Anfang März in einer Gesprächsrunde beim Bezahlsender Sky. Knapp drei Wochen später wurde Dutt bei Bayer Leverkusen entlassen. Es war das Ende einer unrühmlichen Episode.

Dutt gilt seit dieser Demission als subversiv, autoritär und kritikunfähig. In lediglich neun Monaten Arbeitszeit in Leverkusen hat er sich mit zahlreichen Spielern, Beratern und Pressevertretern gestritten. Berühmt wurde er bei Bayer nicht wegen sportlicher Erfolge, sondern unter anderem wegen seiner Eingriffe in die Essenspläne der Spieler. Dutt versuchte dem Team den Verzehr von Milchreis zu verbieten, die Mannschaft protestierte gegen diese Entscheidung.

Nun bekommt Dutt die Chance, sein Image zu ändern: Er ist zum neuen Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berufen worden und tritt damit die Nachfolge des zum FC Bayern München abgewanderten Matthias Sammer an. Ganz unverhofft kommt diese Personalentscheidung nicht.

Der DFB-Generalsekräter Helmut Sandrock sagte unlängst im "kicker", dass der Verband eine populäre Lösung favorisiere. Interne, aber der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Kandidaten, wie der von vielen Experten hochgelobte Frank Wormuth, schieden damit aus. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sagte zudem mit dem Präsidenten des 1.FC Kaiserslautern, Stefan Kuntz, der Favorit auf den Posten, von sich aus ab.

Kuntz "wollte nicht als Fahnenflüchtling gelten"

Kuntz bestreitet zwar nach wie vor jeglichen Kontakt zum DFB, aus der Verbandszentrale ist allerdings zu hören, dass der enge Vertraute von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff den Zeitpunkt des Wechsels für ungünstig hielt. "Er wollte nicht als Fahnenflüchtling gelten", sagte ein Funktionär, der nicht namentlich genannt werden will. Kuntz stieg in der vergangenen Saison mit Kaiserslautern aus der Bundesliga ab.

Deshalb gab es vor einigen Tagen eine erste Annäherung zwischen dem DFB und Dutt. Sandrock und Präsident Wolfgang Niersbach sollen die Gespräche geführt haben. Dabei gab Dutt vor nicht einmal einer Woche noch Welt Online ein Interview, in dem er erklärte, dass er erst "in einem halben Jahr oder in einem Jahr" als Trainer zurückkehren werde. "Für mich habe ich festgelegt, dass es nicht sofort weitergehen muss. Ich kann auch viele andere schöne Dinge tun."

Dass Dutt sich nun so kurzfristig für den DFB entschieden hat, wird wohl auch mit seinem künftigen Verantwortungsbereich zusammenhängen. Im Gegensatz zu Vorgänger Sammer, der für die Teams unterhalb der U-21-Mannschaft verantwortlich war, soll der 47-Jährige nun alle Jugend- und Juniorenteams koordinieren und strategisch aufstellen dürfen. In einem Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw sollen sich die beiden auf diese Ausrichtung festgelegt haben.

Dutt liebt das schöne Spiel

Dutt, der fast vier Jahre beim SC Freiburg, dem Heimatverein von Löw, als Coach tätig war, vertritt eine ähnliche Spielphilosophie wie der Bundestrainer. Insbesondere im Breisgau erarbeitete er sich den Ruf als Verfechter des Offensivfußballs. Schnelle Vertikalpässe, ein kompaktes Pressing und eine hohe Laufbereitschaft zeichneten damals sein Team aus. Alles Ansätze, die auch Löw als Kern seines Spiels ansieht.

Streitigkeiten, wie es sie zwischen Löw und Sammer gab, wird es zwischen Dutt und dem Bundestrainer wohl kaum geben. Beide sind sich dafür zu ähnlich. Spannender verspricht die künftige Zusammenarbeit von Dutt mit den Nachwuchstrainern, wie beispielsweise Wormuth (U20) oder Horst Hrubesch (U19). Sie sind keine einfachen Charaktere, sie haben ihre eigenen Vorstellungen vom Fußball.

Der Nachwuchsbereich wurde von Sammer so strukturiert, dass er neben einer soliden sportlichen und charakterlichen Ausbildung vor allem Titel garantieren sollte. Dutt hingegen gilt als Prediger des schönen Spiels. Die Entwicklung einer Mannschaft steht für ihn noch vor dem Gewinn von Trophäen. Fragen nach Hierarchien, also dem Leitthema Sammers, kanzelte Dutt in der Vergangenheit häufig ab.

In Leverkusen gelang es ihm zu keiner Zeit, eine intakte Mannschaftsstruktur aufzubauen. Besonders sichtbar wurde dies bei der 1:7-Champions-League-Pleite gegen den FC Barcelona im März, als bei Bayer jegliche Ordnung verloren ging und sich Lionel Messi mit fünf Toren in die Geschichtsbücher schoss. Auch Löw wurde nach dem EM-Aus gegen Italien das Fehlen von Führungsspielern und klaren Hierarchien vorgeworfen. Noch so eine Gemeinsamkeit mit dem neuen Sportdirektor.

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1. Doch nicht beim DFB
spon-facebook-10000011612 25.07.2012
Zitat von sysopIn Leverkusen scheiterte er an Ballack, Messi und Milchreis, nun soll er der neue Matthias Sammer werden: Robin Dutt übernimmt beim DFB den Posten des Sportdirektors. Er gilt als unbequem und subversiv. Mit Bundestrainer Joachim Löw hingegen versteht er sich ausgezeichnet. Neuer DFB-Sportdirektor Dutt: Einer wie Löw - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,846222,00.html)
Ist SpOn sich wirklich sicher, dass der DFB jemanden braucht, der subversiv ist (subversiv = anarchistisch, aufrührerisch, umstürzlerisch, zerstörend)? Oder hat man sich schlicht beim Adjektiv vertan. Blass und erfolglos sind eher passende Attribute!
2. unerheblich
elfer-uli 25.07.2012
Es ist unerheblich, wer beim DFB Sammer ersetzt, solange auf der Trainerbank solch haarsträubende Fehler begangen werden wie bei der Vorbereitung des EM-Halbfinales gegen Italien. Es ehrt Dutt, ähnlich wie Löw das "schöne Spiel" zu bevorzugen, doch wenn Löw nicht einsieht, dass z.B. Podolski ein brillianter Konterstürmer ist, wenn er die Räume hat, aber als Flügelspieler, der tief stehende Verteidigungen von außen aufknacken soll, völlig unbrauchbar ist (und schon immer war), oder dass der gelernte Innenverteidiger Boateng gegen Ronaldo oder Robben defensiv ganz passabel wirkt, aber gegen Chiellini offensiv keinen Stich macht, dann hilft Dutt auch nicht weiter. Davon, dass man das Leistungsprinzip und damit das Teamgefüge aushebelt, wenn man Leute aufstellt, die aufgrund mangelnder Fitness öffentlich um einen Platz auf der Bank betteln (Schweinteiger) ganz zu schweigen. Die Spielerqualität ist da. Da ist Dutts Feld schon bestellt. Das Problem sitzt mittlerweile auf der Trainerbank.
3. Kehrtwende
Starmoon 25.07.2012
Der Gegenentwurf zum Rotschopf ist der "Schwarze", nicht nur äußerlich. Titelgeil der eine und Sehnsucht nach dem schönen Spiel beim Nachfolger, das sieht nach einem Salto aus. Was nicht immer Salto rückwärts bedeuten muss. Titel kann man nicht erzwingen, man braucht zuallererst Kreativität - und da hat Sammer ein brutales Defizit. Nur marschieren endet - genau wie nur schönspielen- im Einerlei der fast-Erfolge. Ich bin eigentlich froh um die Entscheidung für Dutt und denke nicht, dass da ein Freiburger Kaffekränzel entsteht. Dafür sind Dutt und Löw zu eitel. Könnte gut sein, dass Dutt ganz erfolgreich loslegt und den Sammer-Hype gehörig runterfährt. Es sind nämlich immer noch die Trainer, die den Erfolg ausmachen.
4. Titelgeilheit?
pepe_ 25.07.2012
Ja, denn gewinnen gehört dazu. Was hat es Barcelona oder Bayern gegen Chelsea gebracht, das "schöne" Spiel? Wenn die jungen Spieler bereits in Finals fighteten, haben sie eine erstklassige Lebenserfahrung für das Profitum. Hätte - der von mir sehr geschätzte Löw - es über sich gebracht, den formschwachen Schweinsteiger (in durchschnittlicher Form ein Weltklassemann) auf die Bank zu setzen und die Kampfsau Ballack rauszulassen, wie wäre das Halbfinale wohl geendet? Leider stellt sich das Ego von Jogi in den Weg zum (absoluten) Erfolg. Berti, Franz und Schön waren da pragmatischer. Was haben die mit Typen zu tun gehabt, da war Ballack ein Chorknabe *lol*
5. Toll !!!
stülpner_karl 25.07.2012
Damit haben wir: 1. Eine eitle Schwatzblase als Trainer. 2. Eine eitle Schwatzblase als Teammanager. 3. Eine eitle Schwatzblase als Sportdirektor. Alle drei habe nachhaltig bewiesen, das in ihrem Umfeld nur Unterwerfung und Schleimerei zum Erfolg, ergo zur Aufstellung, führt. Echte Erfolge hat nur Bierhoff als Spieler vorzuweisen. Damit steht endgültig fest, dass unsere goldene Generation nie einen Titel gewinnt, solange solche Leute am Ruder sind. Löw hatte ja bis zur EM zumindest den Nimbus, dass er taktisch was drauf hat. Den schönen Schein hat er Gott sei Dank mit der dauerhaften Austellung seiner leistungslose Lieblinge und seinem Angsthasenfussball gegen die Italiener entgültig zerstört. @starmoon "Erfolgshungrig" passt besser zu Sammer. Wäre er titelgeil, dann wäre er als Spieler direkt zu den Bayern gegangen. Die hätten ihn nach der Wende mit Kusshand genommen. Der entscheidende Unterschied zwischen Sammer und den drei Herren ist, dass Matze ein Gewinner ist, während die anderen drei es gern einmal wären. Bierhoff ist damals auch nur in Sammers Windschatten zum EM-Titel gesegelt, wobei er zu dieser Zeit zumindest ein richtig guter Stürmer war.
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Neuer DFB-Sportdirektor

Ist Robin Dutt ein geeigneter Sammer-Nachfolger?


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