Neuer Fifa-Präsident Infantino Blatter II.

Der Schweizer Gianni Infantino beerbt Joseph Blatter als Fifa-Präsident. Beim Kongress des Weltverbands hatte der 45-Jährige die beste Taktik. Er bediente sich einfach bei seinem Vorgänger.

Von , Zürich

Neuer Fifa-Präsident Infantino: Effizient in Platinis Schatten
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Neuer Fifa-Präsident Infantino: Effizient in Platinis Schatten


Bereits vor dem zweiten Wahlgang, der ihm den Sieg brachte, war Gianni Infantino von seinem Erfolg fest überzeugt. Der Schweizer posierte im Zürcher Hallenstadion mit Fifa-Delegierten für Erinnerungsfotos und streckte immer wieder triumphierend einen Daumen in die Luft. Punkt 18 Uhr hatte er es dann geschafft: Infantino erhielt 115 von 207 Stimmen, elf mehr, als er gebraucht hätte. Damit führt der bisherige Uefa-Generalsekretär den Fußball-Weltverband für die kommenden drei Jahre.

Nicht nur das deutliche Ergebnis im zweiten Wahlgang war eine Überraschung. Vor dem Kongress schien Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa aus Bahrein noch klar in Führung zu liegen - dank der angekündigten breiten Unterstützung aus Asien und Afrika. Doch er schaffte es nicht, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Obwohl auch der 50-Jährige in Zürich den Eindruck hinterließ, als sei die Wahl längst zu seinen Gunsten gelaufen.

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Fifa-Kongress: Infantinos Kür zum Fifa-Präsidenten
Nun also wieder ein Schweizer. Infantino stammt wie sein Vorgänger aus dem Wallis, sein Heimatort Brig liegt nur zehn Kilometer von Blatters Dorf Visp entfernt. Und es gibt noch mehr Parallelen: Wie der langjährige Präsident beherrscht Infantino mehrere Sprachen perfekt - was er beim Kongress immer wieder stolz vorführte. Er sprach die Delegierten auf Deutsch an, auf Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich auch auf Englisch.

Effizient in Platinis Schatten

Wichtiger aber noch: Wie Blatter hat Infantino verstanden, dass man sich bei der Fifa mit Geld Macht sichern kann. Der Uefa-Mann versprach den Delegierten deutlich höhere Ausschüttungen, es sei falsch, dass die Verbände von den Milliarden der Fifa so wenig erhielten. Alle vier Jahre sollen künftig 1,5 Milliarden Dollar an die Mitglieder fließen. "Es ist euer Geld, nicht das Geld der Fifa", rief der 45-Jährige in seiner Bewerbungsrede. Dafür bekam er Zwischenapplaus von den Delegierten, was selten vorkam bei diesem auffallend emotionslosen Kongress.

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Neuer Fifa-Präsident

Wird Gianni Infantino den Weltverband reformieren?

Ein anderer Satz des Tages kam aus dem Mund von Infantinos Hauptkonkurrent, Scheich Salman. "Ich bin nicht bereit, die Zukunft der Fifa für Wahlzwecke zu verpfänden", sagte der Bahreiner. Im Klartext hieß das: Von Scheich Salman hätte es nicht so viel Geld für die 209 Nationalverbände gegeben wie nun von Infantino.

Der Schweizer ist, obwohl erst 45 Jahre alt, bereits ein erfahrener Mann im Geschäft mit dem Fußball. Vor 16 Jahren stieß er zur Uefa, noch deutlich vor der Machtübernahme von Michel Platini, der 2007 Präsident wurde. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt machte der Franzose Infantino zu seinem Generalsekretär.

Ist er ein Reformer?

Seitdem hat der Schweizer den europäischen Verband geführt, in Platinis Schatten, aber durchaus effizient. In seiner Rede prahlte er damit, dass die Uefa ihren Umsatz in den vergangenen Jahren verdreifacht habe - wovon natürlich auch die Nationalverbände profitieren.

"Infantino ist ein erfahrener Manager des Fußballs", sagte Reinhard Grindel, der wohl kommende DFB-Präsident, SPIEGEL ONLINE. "Das hat die Delegierten überzeugt." Dazu komme die ungeklärte Rolle von Scheich Salman, ergänzte Grindel: "Wenn ein Mann, der wegen der Vorwürfe von Menschenrechtlern so in der Kritik steht, die Fifa hätte reformieren sollen, wäre das schwierig geworden."

Doch auch Infantino hinterließ beim Kongress nicht gerade den Eindruck, als wolle er die Fifa nun voller Leidenschaft zu einer besseren Organisation machen. Alle Äußerungen von ihm zum Korruptionsskandal und den beschlossenen Reformen klangen eher pflichtschuldig und wenig überzeugt. Ganz so, wie man es von seinem Vorgänger kennt.



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insgesamt 48 Beiträge
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shopper34 26.02.2016
1.
Gianni Infantino ist der Sohn eines italienischen Vaters aus Reggio Calabria und einer italienischen Mutter aus Val Camonica in der Lombardei. Er wuchs in Brig/Wallis auf, 10 km vom Wohnort von Josef Blatter entfernt .... Infantino heisst " Kindchen" Ähm .... noch Fragen ?
aha-aha 26.02.2016
2. 100 Tage
Es ist eine gute alte demokratische Tradition, einem neugewählten Amtsinhaber 100 Tage Schonzeit zu gewähren.. Also, erstmal den Ball flachhalten. Danach kann man ihn immer noch in der Luft zerreissen. Oder auch nicht.
judueck 26.02.2016
3. wie....
....arrogant sind wir eigentlich, Blatter II ! Alles stellen wir in frage, alles wissen wir besser und wir stehen über allen! Irgend wann fliegen wir auf die "Schnautze" und haben es dann auch verdient! Unsere dürfen Korrupt sein (siehe "Sommermärchen) dürfen Unterschlagen (Bayerns Uli) und sind trotzdem unsere Idole! Ich frage mich langsam für wenn wir uns halten und wundere mich nicht das wir immer unbeliebter werden!
tonalum 26.02.2016
4.
Wenn mann die Fifa reformieren will, muss die Regel "Ein Verband, eine Stimme" geändert werden. Starke Verbände in bevölkerungsstarken Ländern, die im Fußball Erfolge vorweisen müssen mehr Stimmen bekommen. Was kann Bahrein oder Togo vorweisen?
melnibone 26.02.2016
5. Zuerst ...
glauben wir jedem und allem. Aber die Eintrübung des Glaubens, kann sehr rasch erfolgen. Vielleicht gelingt Herrn Infantino mehr als seinen Vorgängern. Und Mehr sollte es zumindest sein.
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