Neuer Schalke-Trainer Rangnick Rückkehr zur alten Liebe

Mit Ralf Rangnick und dem FC Schalke ist es wie mit einer Liebesbeziehung, die zu früh endete. Nun haben beide wieder zueinander gefunden. Und der Club bekommt einen Trainer mit dem Gespür dafür, was Schalke 04 bedeutet. Seinen Vorgänger hat das nicht interessiert. 

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dapd

Ralf Rangnick ist wieder da. Zurück beim FC Schalke. Schneller, als man das erwarten durfte. Und so komisch es auf den ersten Blick auch anmuten mag, dass da einer zurückkehrt, der von September 2004 bis Dezember 2005 schon einmal in Gelsenkirchen wirkte - die erneute Liaison des akademischen Arbeitstiers mit der Diva aus Asche und Sternenstaub ist im Grunde nur folgerichtig.

Irgendwie war es zwischen Rangnick und Schalke ja wirklich wie bei einer Liebesbeziehung, die allzu früh beendet wird. Zu vieles bleibt unausgesprochen, zu vieles unerfüllt. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der schon damals ein wichtiger Mann im Verein war, hat Rangnick immer in guter Erinnerung behalten. Er hatte gesehen, dass die Mannschaft unter ihm guten Fußball spielte. Und dass sie Erfolg hatte. 44 Spiele bestritt Schalke unter Rangnick. 26 davon gewann man, der Coach hatte bei S04 einen Schnitt von zwei Punkten pro Spiel. Damit ist er der erfolgreichste Trainer der jüngeren Clubgeschichte. Und für Rangnick ist Schalke sowieso eine unerfüllte Sehnsucht. Doch dazu später mehr.

Rangnick, der damals nur wegen des tiefen Zerwürfnisses mit dem Schalker Patriarchen Rudi Assauer weg wollte, soll von Tönnies in den vergangenen Jahren immer mal wieder angesprochen worden sein, ob er nicht zurückkehren wolle. Doch solange Rangnick seine Mission in Hoffenheim noch nicht als erfüllt ansah, musste der Aufsichtsratsboss mit anderen Kandidaten Vorlieb nehmen. Bis die Not so groß war, dass Tönnies glaubte, nur noch ein mit grotesker Machtfülle ausgestatteter Felix Magath könne den Karren aus dem Dreck ziehen.

Schalke wird mit Rangnick wieder ein Stück demokratischer werden

Mit Rangnick werden sich nun auch die Strukturen auf Schalke wieder ändern. Es ist zwar kaum vorstellbar, dass er sich in seinen sportlichen Kompetenzbereich hineinreden lässt. Das lässt kein Trainer mit Selbstachtung zu. Mit einem sportlich kompetenten Manager wie Horst Heldt dürfte Rangnick aber gut zusammenarbeiten können. Transfers werden in Schalke künftig also nur im engen Zusammenspiel mit den Gremien und dem Manager möglich sein. Schalke wird wieder ein Stück demokratischer werden.

Als Rangnick im Dezember 2005 seinen Rauswurf provozierte, indem er sich statt mit Worten mit einer fast schon legendären Ehrenrunde von den Fans verabschiedete, war Schalke auch nicht sonderlich demokratisch strukturiert. Rangnick gab damals auf, weil er sich dem begnadeten Populisten Assauer und dessen Medienmacht nicht beugen wollte. Von einem wie Assauer, den Managerkollege Michael Meier einen "Kaschmirproleten" nannte, rausgeekelt worden zu sein, hat er immer als Schmach empfunden.

Assauer nannte Rangnick einst verachtend "Rolf"

Assauer, der Rangnick voller Verachtung "Rolf" statt "Ralf" nannte, ist lange Geschichte auf Schalke. "Assi" ist dort zwar nach wie vor eine Legende, also einer, dem man auch seine Macken verzeiht. Trotzdem haben die Fans auch seinen damaligen Gegenpart in ihr Herz geschlossen - vielleicht gerade weil da jemand dem Patriarchen mal Contra gab. Als Rangnick seine Ehrenrunde abschritt, hat auch Assauer gemerkt, wie populär der sachliche Schwabe auf Schalke war.

Was aber treibt Rangnick um? Warum wird er wortbrüchig und kehrt viel früher als angekündigt auf die Trainerbank zurück?

Rückblende: Am 27. Juli 2007 sitzt Rangnick im "Landgasthof zum Lamm" im südbadischen Bahlingen. Sein Club, 1899 Hoffenheim, spielt dort ein Freundschaftsturnier mit dem SC Freiburg und Greuther Fürth. Hoffenheim ist gerade in die Zweite Liga aufgestiegen, alles läuft nach Plan. Für seine Verhältnisse fast schon schwärmerisch berichtet Rangnick von den Arbeitsbedingungen, die die Millionen von Dietmar Hopp sicherstellen, und von der Möglichkeit, fernab von Boulevard-Hektik und wichtigtuerischen Gremienhanseln nachhaltig arbeiten zu können. Und doch ist da diese Wehmut: "Natürlich wünscht man sich, dass das Ganze bei einem absoluten Traditionsverein stattfindet, dass alte Zeiten wieder aufleben. Aber man kann nicht alles haben." Dieser Mann sehnte sich doch tatsächlich wieder recht stark zurück zu einem Club, der so brodelt und vibriert wie der FC Schalke 04.

"Schalke ist der geilste Club, bei dem ich je gearbeitet habe." Das hat Rangnick nach seiner Demission gesagt. Ein erstaunlich emotionaler Satz für den doch eher analytisch veranlagten 52-Jährigen. Rangnick, der ein glühender Fan des englischen Fußballs ist, haben die 18 Monate auf Schalke tief beeindruckt.

Der neue Schalker Trainer ist keiner, der ein Vereinswappen küssen würde. Man wird Rangnick auch künftig kaum dabei ertappen, wie er morgens um zwei mit einem Fanclub "der Steiger kommt" intoniert. Aber Schalke hat nicht nur einen Fußballfachmann bekommen, sondern einen Menschen, der die Antennen dafür hat, um zu begreifen, wo er arbeitet. Felix Magath wusste das nie. Schlimmer: Es hat ihn nie interessiert.

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insgesamt 9 Beiträge
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lmatten, 17.03.2011
1. Sch....parole
Zitat von sysopMit Ralf Rangnick und dem FC Schalke ist es wie mit einer Liebesbeziehung, die zu früh endete. Nun haben beide wieder zueinander gefunden. Und der Club bekommt einen Trainer mit*dem Gespür dafür, was Schalke 04 bedeutet. Seinen Vorgänger hat das nicht interessiert.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,751605,00.html
Sie meinen also,Magath hätte sich nicht für S04 interesasiert? Woher haben Sie diese Sch.....parole?Tod dem König, es lebe der König.Bin mal gespannt,was Sie in einem Jahr über RR schreiben?Sie bekommen vermutlich das Manuskript von Horst Heldt?
Minassian 17.03.2011
2. S04
Der Oberlehrer wird noch seinen Spaß mit dem Tünnes bekommen - da war's ein Klosterstift dagegen bei Assauer. Vor allem hat er zusätzlich den Linkmichel Heldt mit im Spiel. Was hat der eigentlich die letzten 12 Monate gemacht, außer gegen Magath hintenrum zu intrigieren ? Das ist seit seiner Gründung und bleibt auch in Zukunft ein Skandalklub. Ich hoffe auf Duisburg im Cup-Finale !
Jotti 17.03.2011
3. Ein kleiner Vergleich
Was hat Schalke doch gleich mit Ralf Rangnick gemacht? Ach ja ... entlassen! Nach 14 Monaten. Mal schauen, wie lange das JETZT gut geht. Blicken wir über die Alpen. Dort interessierte sich ein gewisser Michael S. aus Kerpen (Deutschland) einen feuchten Kehricht über den ach so schönen und tollen Mythos einer roten Bastelbude mit dem Namen Ferrari. Von Italienern wurde er für diesen Frevel gehasst! 1996 fuhr er das erste Mal in einem solchen F1-Auto. Es dauerte bis zum Jahr 2000, bis das die Meisterschaft gewonnen wurde! Zwischenzeitlich wurde er für seine Erfolglosigkeit noch mehr gehasst, gerade die italienischen Medien zerrissen den Deutschen wo immer es ging. Was folgte, waren 5 Weltmeistertitel in Folge. So viel zum Thema "Konstanz". Die hat Schalke auch, wie man sieht: über 50 Jahre keine Hand an der Schale. Und so wird kommen, was kommen muss: eines Tages wird Felix Magath erneut Deutscher Meister mit einem von ihm trainierten Verein. Im besten Fall vor Schalke. Doch fürchte ich, dass Schalke auch glücklich sein wird, wenn sie die Schale für den Gewinn des Meistertitels der 2. Deutschen Bundesliga vor 100.000 glücklichen Fans hoch strecken können.
cousäng_is_back 18.03.2011
4. Schenbar
Zitat von JottiWas hat Schalke doch gleich mit Ralf Rangnick gemacht? Ach ja ... entlassen! Nach 14 Monaten. Mal schauen, wie lange das JETZT gut geht. Blicken wir über die Alpen. Dort interessierte sich ein gewisser Michael S. aus Kerpen (Deutschland) einen feuchten Kehricht über den ach so schönen und tollen Mythos einer roten Bastelbude mit dem Namen Ferrari. Von Italienern wurde er für diesen Frevel gehasst! 1996 fuhr er das erste Mal in einem solchen F1-Auto. Es dauerte bis zum Jahr 2000, bis das die Meisterschaft gewonnen wurde! Zwischenzeitlich wurde er für seine Erfolglosigkeit noch mehr gehasst, gerade die italienischen Medien zerrissen den Deutschen wo immer es ging. Was folgte, waren 5 Weltmeistertitel in Folge. So viel zum Thema "Konstanz". Die hat Schalke auch, wie man sieht: über 50 Jahre keine Hand an der Schale. Und so wird kommen, was kommen muss: eines Tages wird Felix Magath erneut Deutscher Meister mit einem von ihm trainierten Verein. Im besten Fall vor Schalke. Doch fürchte ich, dass Schalke auch glücklich sein wird, wenn sie die Schale für den Gewinn des Meistertitels der 2. Deutschen Bundesliga vor 100.000 glücklichen Fans hoch strecken können.
Scheinbar will Schalke nochmal in den Abstiegskampf eingreifen. Der neben Hitzfeld erfolgreichste Bundesliga-Trainer der letzten Dekade muss gehen - dafür kommt ein Dampfplauderer, der eigentlich - sind wir ehrlich - als Trainer nichts erreicht hat. Magath hatte schon auf zahlreichen Stationen - und eben nicht nur bei Bayern - Erfolge vorzuweisen. Sollte Rangnick einen Titel gewinnen, dann nur, weil Magath mit Schalke schon im DFB-Pokal-Finale steht. Aber mit Rangnick wird es wohl auch nichts...
_unwissender 18.03.2011
5. das wird spannend...
dann haben wir ja neben dem BVB auch noch die Königsblauen, die den Bayern die Hosen ausziehen.... Hoeness und Co.: schaut, dass Ihr auch die Europaliga nicht schafft, dann könnt Ihr Euch ganz auf die gefährliche Konkurrenz konzentireren. Mit dem dreifachen Budget sollte es doch möglich sein, einigermaßen mit den Anderen mitzuhalten...
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