Neuer Trainer Fanz KSC-Hauptsponsor sorgt für Skandal

Die Entscheidung, Reinhold Fanz zum neuen Cheftrainer zu machen, könnte für Fußball-Zweitligist Karlsruher SC zum finanziellen Desaster werden. Der Geldgeber des Vereins spricht Fanz auf der Unternehmens-Homepage persönliches und sportliches Profil ab - und droht mit der Einstellung seiner Sponsoringaktivitäten.


Neuer KSC-Coach Fanz: "Nicht das persönliche Format"
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Neuer KSC-Coach Fanz: "Nicht das persönliche Format"

Karlsruhe - "Die überraschende Verpflichtung von Reinhold Fanz zum Trainer durch den Karlsruher Sport-Club erzeugt Kopfschütteln und skeptische Reaktionen beim KSC-Hauptsponsor. Nachdem man sich dort keineswegs leichten Herzens entschlossen hatte, den KSC durch aktives Sponsoring wieder zu einer besseren sportlichen Zukunft zu verhelfen, fühlt man sich von dieser Personalentscheidung überrumpelt und geradezu brüskiert, denn eine angemessene informative und konsultative Einbeziehung des Hauptsponsors hat nicht stattgefunden", hieß es in der Mitteilung des Energieunternehmens EnBW.

Ferner sehe der Sponsor bei Fanz "nicht das sportliche und persönliche Format, um die Profis des Karlsruher Zweitligisten nach vorn und gar in die erste Bundesliga zu führen". Abschließend drohte EnBW-Marketing-Vorstand Schmidt sogar unverhohlen mit der Einstellung des finanziellen Engagements: "Sportsponsoring braucht Leistung und ist ohne mindestens eine Leistungsperspektive gar nicht denkbar. Wir sehen unsere Zusammenarbeit mit dem KSC ernsthaft gefährdet."

Der Grund der heftigen Reaktion seitens des Sponsors liegt möglicherweise in der Vergangenheit. EnBW-Chef Utz Claasen und Fanz kennen sich aus früheren Tagen, als Claasen im Jahre 1997 kurzzeitig Vorsitzender des damaligen Regionalligisten Hannover 96 war und Fanz die 96er trainierte. Doch die Zusammenarbeit der beiden verlief alles andere als harmonisch. Claasen, der von den Medien als "Phantom-Vorsitzender" ohne Gefolgschaft beschrieben wurde, trat nach kurzzeitiger Amtszeit freiwillig zurück. Fanz und die Spieler hatten jeglichen Kontakt mit dem Clubchef vermieden.

Der KSC hatte den früheren Frankfurter Bundesliga-Coach Fanz als Nachfolger des vor den Feiertagen entlassenen Chefcoaches Lorenz-Günther Köstner präsentiert. Sportmanager Rolf Dohmen hatte von der Mitteilung des Sponsors erst über Dritte erfahren und versuchte noch am Abend zu schlichten. Der Energiekonzern unterstützt den Club mit rund einer Million Euro pro Jahr.

Von den jüngsten Äußerungen des Hauptsponsors will sich der Tabellenvorletzte der 2. Fußball-Bundesliga jedoch nicht unter Druck setzen lassen. "Die Trainerentscheidungen beim KSC trifft das Präsidium", sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Peter Mayer, der dpa. Der Bankdirektor sieht allerdings auch dringenden Gesprächsbedarf: "Wir müssen uns umgehend zusammensetzen und diese Angelegenheit besprechen."



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