Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fan-Dialog mit DFL: Reden und reden lassen

Von Edgar Lopez

Fanthemen und der DFB - das passte in der Vergangenheit selten zusammen. Jetzt wird ein neuer Annäherungsversuch unter dem Dach der DFL genommen. Die Fans bleiben skeptisch, denn das letzte Wort hat nach wie vor der DFB.

Fotostrecke: Der nächste Dialogversuch Fotos
picture-alliance / dpa

Zwischen den organisierten Fans und dem Deutschen Fußball-Bund herrscht Funkstille - seit vor einem halben Jahr Fanvertreter den Dialog mit dem DFB frustriert aufgekündigt haben. Seitdem herrschte ein Nicht-Verhältnis zwischen den Anhängern und dem Verband. Jetzt kommt vermeintlich wieder Bewegung in die Sache.

In einem vertraulichen Treffen Ende Februar hat die Deutsche Fußball Liga ein Konzept für einen neuen institutionalisierten Fandialog besprochen, das SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt. Das neue Forum soll "AG Fankulturen" heißen. Diskutiert werden soll nach einem Leitziel, dass sich "am herrschaftsfreien Diskurs" orientieren soll. Soweit die Theorie. Praktisch hängt die Umsetzung von Entscheidungen weiter am DFB, denn auch die neue AG ist Teil der DFB-Strukturen.

Vergangenen Oktober hatten die unabhängigen Fanorganisationen "ProFans" und "Unsere Kurve" zusammen mit weiteren Vertretern ihren Austritt aus der "AG Fanbelange"des Deutschen Fußball Bundes erklärt, weil zwischen ihnen und den Verbänden "ergebnisorientierte Gesprächsbereitschaft und Wertschätzung über Jahre hinweg nicht etabliert" werden konnten. Innerhalb weniger Jahre war das bereits der zweite missglückte Gesprächsversuch, nachdem schon 2010 die "AG Fandialog" gescheitert war.

Mehr als ein Brief bisher nicht herausgekommen

Die "AG Fanbelange" war Teil der vom DFB geleiteten "Kommission Prävention, Sicherheit und Fußballkultur" unter Vorsitz des DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große Lefert. Praktisch herausgekommen sei dabei nur wenig, kritisieren Fanvertreter. Das einzige nennenswerte Ergebnis dieser AG sei ein Brief gewesen, den der DFB im Juli 2014 an die Vereine der ersten bis dritten Liga geschickt habe. Darin rief er die Vereine dazu auf Fan-Utensilien in den Stadien einheitlich und mit Wohlwollen zu genehmigen.

Kurze Zeit später allerdings grenzte Große-Lefert in einem Interview mit dfb.de die Empfehlung seiner eigenen Kommission schon wieder ein. "Örtliche Besonderheiten und spezielles Fehlverhalten" können zu Beschränkungen führen, hieß es dort. Diese Einschränkung habe wie eine Rücknahme gewirkt, reagierten die Fanvertreter verärgert. Den DFB sehe man seitdem nicht mehr als seriösen Vertragspartner. Deswegen spreche man jetzt bewusst mit der DFL, sagt "Unsere Kurve"-Sprecher Rainer Vollmer SPIEGEL ONLINE.

Die Hoffnung, den Dialog nachhaltig wieder in Gang zu bringen, sei aber auch dort nicht erfüllt worden. Die DFL habe zwar darüber gesprochen, wie sie sich eine künftige AG-Zusammensetzung vorstellt, nicht aber, wie diese künftige Zusammenarbeit aussehen soll. Man sehe das Gesprächsangebot, es fehle aber an vertrauensbildenden Maßnahmen, sagt Vollmer.

Dabei erkennt die DFL durchaus Bedarf, mit den Fans wieder intensiver in Kontakt zu kommen. Die alten Strukturen seien teilweise ineffektiv gewesen, sieht auch Ansgar Schwenken, seit November DFL-Direktor Fußballangelegenheiten & Fans. Zudem sei die Mehrzahl der Fans im Land Anhänger eines Vereins, der auch zu den 36 Mitgliedern des Ligaverbandes gehört, so dass in gemeinsamer Abstimmung mit dem DFB diese AG von der DFL geführt werden soll. Die Abteilung Fanangelegenheiten der DFL sei intensiv und nah an den Themen, so dass sich alle Fanvertretungen "inhaltlich und in der Arbeit gut abgeholt fühlen sollten".

Der DFB behält das letzte Wort

"Ratschläge und Empfehlungen einer AG können zwar keinen vertraglich bindenden Charakter haben", so Schwenken zu SPIEGEL ONLINE, aber sofern die von DFB und DFL gewünschte Zusammensetzung der "AG Fankulturen" mit Vertretern aller relevanten Fanorganisationen zustande kommt, "sollen sie deutlich als Meinungsbild von Fans in Deutschland angesehen werden und als diese auch in die Kommission einfließen".

Da liegt allerdings der Haken an der Geschichte, bemängeln die Fans: Die vorgesehene "AG Fankulturen" ist auch weiterhin ein Teil der DFB-Kommission für Prävention, Sicherheit und Fankultur. Sie kann zwar Vorschläge aussprechen, wird aber in Fragen der Umsetzung unverändert von der Mitwirkung und Absegnung durch den DFB abhängig sein.

Sig Zelt von "ProFans" sieht diese Konstellation daher auch sehr kritisch: "Der Vorschlag der DFL hat keinen Sinn, wenn es nur bei diesen Federstrichen bleibt und der DFB als Kommissionsleiter keinen ernsthaften Willen zeigt, nachhaltig etwas verändern zu wollen." Vorerst werde man sich daher nicht positionieren, so der "Pro Fans"-Sprecher.

Ende des Monats wird es einen seit Längerem geplanten, eigenständig organisierten Fankongress geben. Dann werde man den DFL-Vorstoß besprechen und erst einmal die Meinungen der Mitglieder dazu hören. Aber die Skepsis überwiegt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte?
darkace82 16.03.2016
Was erwarten die Fans? Dass sie jetzt die Entscheidungen beim DFB treffen dürfen? Ein konstruktives mitreden ist sicher sinnvoll und gut. Aber mehr nicht. Wer sich schon aufregt wenn der DFB sagt dass Fehlverhalten von Fangruppen auch Konsequenzen in Bezug auf die Dinge hat die ins Stadion mitgebracht werden...
2.
comeback0815 16.03.2016
Zitat von darkace82Was erwarten die Fans? Dass sie jetzt die Entscheidungen beim DFB treffen dürfen? Ein konstruktives mitreden ist sicher sinnvoll und gut. Aber mehr nicht. Wer sich schon aufregt wenn der DFB sagt dass Fehlverhalten von Fangruppen auch Konsequenzen in Bezug auf die Dinge hat die ins Stadion mitgebracht werden...
Sehe ich ähnlich. Die Fans sind nichts weiter als Staffage. Es ist unglaublich, warum immer noch so viele Fans zu moderaten Preisen ins Stadion kommen. Eins sollten die Fans nicht vergessen: Ohne den DFB gäbe es absolut gar keinen Fußball mehr in Deutschland, der DFB hat den Fußball immerhin erfunden. Würde nicht die durchprofessionalisierte Maschine des DFB wie geschmiert laufen, würde absolut keiner mehr nirgendwo nicht Fußball sehen können. Absolut!
3. Die Fans...
leicht_bewölkt 16.03.2016
Was sind denn das für Jungs, die sich zum Sprachrohr "der Fans" machen? Kann ich die irgendwo wählen?
4.
Dgreshake 16.03.2016
Tatsächlich kann man die Jungs wählen. Sie sind Mitglieder der Fanabteilungen der einzelnen Vereine, die von den Vereinsmitglieder gewählt werden. Sie sprechen also im Namen der Vereinsmitglieder und beziehen dadurch Ihre Legitimation.
5. Die Fans...
leicht_bewölkt 17.03.2016
Danke für die interessante Info. Ich recherchiere mal, auf wie viele Vereine dieses Modell tatsächlich zutrifft. Ich bin Mitglied eines Zweitligisten der keine Fanabteilung hat. Ich vermute, bei den meisten Vereinen in den ersten drei Ligen ist das so. Ganz zu schweigen von den Millionen Stadiongängern, die nicht im Verein organisiert und trotzdem "die Fans" sind.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: