Hamburg - Michael Ballack hat sich erstmals nach seiner öffentlichen Kritik an der Personalpolitik und dem Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw zu Wort gemeldet. In einem Interview mit dem Fernsehsender Premiere äußerte sich der Nationalmannschaftskapitän über die Kritik an einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in dem er unter anderem mehr Respekt und Ehrlichkeit eingefordert hatte. "Das hat Ausmaße angenommen, die diesem Interview gar nicht würdig waren. Denn eigentlich hat das Interview gar nicht so viel hergegeben", erklärte Ballack.
Auf die Frage, ob er das Interview, wenn er könne, rückgängig machen würde, sagte der Chelsea-Profi: "Nein, denn ich habe lediglich in einem vernünftigen Ton meine Meinung gesagt. Ich habe auch niemanden attackiert, das wollte ich ja auch gar nicht."
Er sei von vielen Seiten angegriffen worden, weil er an die Öffentlichkeit gegangen sei. "Inhaltlich wurde aber sehr wenig kritisiert. Bisweilen muss man halt auch ein paar kritische Töne in der Öffentlichkeit sagen. Man kann eben nicht immer nur alles intern ansprechen. Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln. Es hat während und nach der Europameisterschaft ein paar Irritationen gegeben. Ich finde das aber gar nicht schlimm im Fußball, wenn man mal anderer Meinung ist", so Ballack.
In einer DFB-Pressemitteilung nach dem von Löw eingeforderten Vieraugengespräch war der Kapitän noch mit den folgenden Worten zitiert worden: "Ich habe eingesehen, dass es nicht in Ordnung war, an die Öffentlichkeit zu gehen, und bedauere auch, dass der Eindruck entstanden ist, ich wolle Joachim Löw in seiner Position als Bundestrainer kritisieren. Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt."
Der Bundestrainer, der sich von Ballacks öffentlichen Äußerungen "tief enttäuscht" gezeigt hatte, sah nach einer weiteren Entschuldigung des 89-maligen Nationalspielers aber davon ab, Ballack als Spielführer abzusetzen oder ihn sogar zu suspendieren. "Diese Dinge sind ausgeräumt, die Geschichte ist abgehakt. Ich bin mir sicher, dass so etwas nie wieder passieren wird", hatte der 48-jährige Löw geglaubt und zudem noch einmal darauf hingewiesen, dass der unrühmliche Abgang von Kevin Kuranyi sowie die öffentlichen Äußerungen von Ballack und Frings die Mannschaft in den vergangenen Monaten seit der Europameisterschaft 2008 in ein "falsches Licht gerückt" hätten.
Das Gespräch Ende Oktober verlief nach Ballacks Empfinden "harmonisch". An dem guten Verhältnis zwischen Bundestrainer und Nationalmannschaftskapitän "hat das Interview nichts geändert". Für den 32-Jährigen ist entscheidend, "dass wir beide den Erfolg wollen und uns gegenseitig respektieren - und das ist der Fall".
ruf/sid/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Fußball-Nationalmannschaft | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH