Neuer Bayern-Trainer Kovac Jupp junior

Jetzt ist es offiziell: Niko Kovac übernimmt in der kommenden Saison den FC Bayern. Es gibt Indizien, dass er genau der Richtige für den Job ist.

REUTERS/ Action Images

Von Florian Kinast, München


Lange war schon darüber spekuliert worden, einen guten Monat vor Saisonende stand es dann endlich fest: Niko Kovac geht zum FC Bayern. "Der Abschied fällt nicht leicht", sagte Kovac, "aber ich möchte den Menschen sehen, der es ablehnt, wenn er sich beruflich verbessern will." Kovac bezeichnete den Schritt nach München als "Erfüllung eines Kindheitstraums".

So war das. Vor genau 17 Jahren, im April 2001, als der damals 29-Jährige seinen Wechsel vom Hamburger SV zu den Bayern erklärte.

Nun geht Kovac ein zweites Mal nach München, zu seinem Lieblingsverein, den er schon als Kind in den Siebzigerjahren bewunderte, als er selbst noch in den Hinterhöfen in seiner Heimat Berlin-Wedding herumkickte. Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic bestätigte am Freitag im vereinseigenen TV-Sender, dass Kovac im Sommer die Nachfolge von Jupp Heynckes antreten wird. Kovac erhält einen Dreijahresvertrag.

Für den Neuen ein schweres Erbe und eine enorme Herausforderung - auch deswegen, weil Kovac von Anfang an gegen einen Makel ankämpfen muss. Zu deutlich wurde in den vergangenen Wochen und Monaten, dass die Bayern in der kommenden Saison lieber andere Übungsleiter auf ihrer Trainerbank gesehen hätten. So hat er erst einmal den Stempel der dritten Wahl. Einer C-Lösung.

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Nico Kovac: Bayern als Spieler, Bayern als Trainer

Zu verdanken hat Kovac diese Bürde vor allem Uli Hoeneß, der ernsthaft geglaubt hatte, er könne mit seiner penetranten und öffentlich geführten Charmeoffensive Jupp Heynckes schon noch dazu bewegen, in München weiterzumachen. Als dann auch Hoeneß verstanden hatte, dass Heynckes aufhören wird, stand der zweite Wunschkandidat Thomas Tuchel bereits bei einem Großklub im Ausland im Wort, viel deutet auf Paris St. Germain hin.

Nun also die Nummer drei, Niko Kovac.

Nur keine Experimente!

Die Entscheidung für den 46-jährigen Nochtrainer von Eintracht Frankfurt war wenig überraschend und aus Bayern-Sicht folgerichtig. Es ist bekannt, dass Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gerne altbekannte Vertraute um sich scharen, die den Verein kennen und von denen auch wenig Widerstand zu erwarten ist. Wie mit Hasan Salihamidzic, den sie als Sportdirektor holten und der - anders als sein gern auf Konfrontation gebürsteter Vorgänger Matthias Sammer - in seinem Auftreten noch immer sehr vorsichtig wirkt.

Die Verpflichtung von Kovac ist also konsequent - und sie ist womöglich genau die richtige. Denn die Vergangenheit hat gezeigt: Am erfolgreichsten funktionierte der FC Bayern immer mit bodenständigen Trainern, die grundsolide Arbeit leisteten, die über eine enorme Fachkompetenz verfügten, aber auch über eine große menschliche Einfühlsamkeit für ihre Spieler. Trainer, die viel forderten, die hart und konsequent sein konnten und mussten.

Trainer, die aber auch mit den Spielern sprachen, ein offenes Ohr für Probleme hatten. Trainer, denen man vertrauen konnte. Trainer wie Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes. Am besten funktionierte der FC Bayern immer nach der Devise von Konrad Adenauers legendärem Wahlkampfslogan: Nur keine Experimente!

Kovac ähnelt Heynckes in seinem Charakter

Immer wieder versuchten es die Bayern in den vergangenen zehn Jahren auch mal mit Trainern, deren Namen spektakulär klangen, die aber alle nicht den gewünschten Erfolg brachten. Jürgen Klinsmann etwa, der für einen besseren Energiefluss an der Säbener Straße Buddha-Statuten aufstellen ließ - weshalb Hoeneß und Rummenigge schon bald vom Glauben abfielen.

Oder Pep Guardiola, mit dem man sich nach dem Heynckes-Triple 2013 serienweise Triumphe in der Champions League erhoffte, mit dem man aber immer vorzeitig scheiterte und der mit seiner empathielosen Unnahbarkeit am Ende auch die Spieler gegen sich aufbrachte. Es folgte der lustlos agierende Carlo Ancelotti, mit dem man nur den alljährlich obligatorischen Pflichttitel holte, die Deutsche Meisterschaft.

So schwer es ist, das Erbe von Heynckes beim FC Bayern anzutreten, zumindest in seinem Charakter und seiner Menschenführung könnte Kovac seinem Vorgänger ähneln. Von Kovac stammen Zitate wie: "Ich möchte jeden Spieler mitnehmen." Oder: "Als Trainer muss man natürlich Entscheidungen treffen, manche davon enttäuschen Spieler. Aber eines ist klar: Ich entscheide nie etwas gegen eine Person, es geht nur um Leistung." Oder: "Ich will wissen, wie ich als Trainer so gut wie möglich auf jeden einzelnen eingehen kann." Sätze, die auch von Heynckes stammen könnten. Sätze, bei denen Kovac klingt wie Jupp junior.

Und doch tickt der Rekordmeister natürlich anders als Eintracht Frankfurt. Man wird gespannt beobachten, ob Kovac auch in München mit seiner Art als selbst ernannter Kumpeltyp Erfolg hat, wenn er die Spieler als seine Freunde bezeichnet und sie abklatschend begrüßt. Kovac wird noch viel lernen und hineinwachsen müssen - um zu zeigen, dass die dritte Wahl die allerbeste war.



insgesamt 98 Beiträge
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Nonvaio01 13.04.2018
1. Warum der negative ton
Fact ist das tuchel nur von den Medien gepuscht wurde der Fcb HT nie ezes bestätigt. Nun zu sagen er ist Nummer 3 ist eine Frechheit, es gibt keine beweise sondern nur die Fantasie der Schreibers zunft
sametime 13.04.2018
2. Die dritte Wahl ist sicher besser als es die zweite wäre.
Natürlich ist es ein Wagnis, aber mit Tuchel wäre der Ärger vorprogrammiert gewesen. Ich wünsche "Jupp junior", dass er so erfolgreich wird wie sein Vorgänger.
bakero 13.04.2018
3.
"Es folgte der lustlos agierende Carlo Ancelotti, mit dem man nur den alljährlich obligatorischen Pflicht-Titel holte, die Deutsche Meisterschaft." Und wo ist der Unterschied zu den allerallermeisten anderen Trainern in den letzten vier Jahrzehnten? Die Bayern haben – obwohl quasi jedes Jahr qualifiziert – gerade mal drei internationale Titel seit 1976 gewonnen, den ungeliebten UEFA-Cup inklusive. Vielleicht liegt es ja nicht am Trainer, sondern an der Erwartungshaltung.
volkerrachow 13.04.2018
4. Kovac kann es
Ich war seit vielen Wochen der Meinung, dass Kovac neuer Trainer beim FCB wird. Warum? Weil er es kann! Und weil er die Spieler mitnehmen und überzeugen kann. Eine Eigenschaft, die ein Tuchel nur sehr begrenzt aufweist. Ich freue mich auf die neue Saison.
forky 13.04.2018
5. Bayerns verbrannte Erde
Die Bayern haben mit ihrer Trainersuche vielerorts in der Bundesliga verbrannte Erde hinterlassen. Nagelsmann und Hasenhüttl konnten so lange mit dem FCB kokettieren, bis die Öffentlichkeit sie gewogen und für zu leicht befunden hatte. Jetzt sind sie froh, wenn sie bei ihren Arbeitsgebern verlängern dürfen. Tuchel hatt ausländische Angebote und konnte daher rechtzeitig die Reißleine ziehen. Das, was die Bayern da veranstaltet haben, ist eine Unverschämtheit. Dazu passt, dass ihnen die Befindlichkeiten der Eintracht, die ja noch um die CL-Teilnahme spielt, völlig egal sind. Mit der Verkündung hätte man ruhig bis zu letzten Spieltag warten können.
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