Getöteter Linienrichter in Niederlanden: Hundert Amateur-Schiedsrichter geben auf
Aus Angst vor weiteren Übergriffen haben rund 100 ehrenamtliche Schieds- und Linienrichter ihre Arbeit für den niederländischen Fußballverband beendet. Der war zuletzt scharf kritisiert worden, weil er Warnungen vor Gewaltausbrüchen ignoriert haben soll.
Hamburg - Rund hundert Schieds- und Linienrichter haben offenbar persönliche Konsequenzen aus dem gewaltsamen Tod eines Linienrichters vom niederländischen Amateurclubs SC Buitenboys gezogen. Die Ehrenamtlichen des Fußballverbands KNVB legten ihre Aufgaben im Amateur- und Jugendbereich mit sofortiger Wirkung nieder. Das meldet die niederländische Zeitung "De Telegraaf".
Der 41 Jahre alte Richard N. war am Sonntag nach einem Spiel in Almere bei Amsterdam von mehreren jugendlichen Spielern aus der niederländischen Hauptstadt schwer verletzt worden. Am Montag erlag er seinen Hirnverletzungen. "De Telegraaf" zufolge soll bei dem tödlichen Gewaltausbruch am Sonntag neben N. auch der Torwart der gastgebenden Buitenboys Opfer schwerer Prügelattacken geworden sein. Er sei dem Linienrichter zur Hilfe geeilt, heißt es.
Der niederländische Fußballverband KNVB reagierte derweil auf die scharfe Kritik einiger Amateurclubs, Gewaltausbrüche in der Vergangenheit nicht hart genug bestraft zu haben. "Wir nehmen diese Kritik sehr ernst", sagte das für den Amateurfußball zuständige KNVB-Präsidiumsmitglied Bernard Fransen.
So sollen bereits im Oktober Spieler der inzwischen vom Spielbetrieb ausgeschlossen B1 von Nieuw Sloten bei einer Begegnung Morddrohungen gegen den Trainer des FC Almere ausgesprochen haben. "Wenn du nicht schon über 50 wärst, würden wir dich totschlagen", sollen sie gesagt haben. Zudem berichtet der "Telegraaf", dass ein Spiel von Nieuw Sloten gegen Sporting Almere abgebrochen werden musste, weil unter den Spielern eine Massenschlägerei ausgebrochen war.
Die Polizei nahm bislang drei Tatverdächtige fest. Der KNVB hatte Anfang der Woche alle Amateurspiele am kommenden Wochenende abgesagt. Zu Beginn der Profispiele werde es eine Schweigeminute geben, Spieler und Schiedsrichter würden einen Trauerflor tragen, heißt es. Die drei festgenommenen Spieler von Nieuw Sloten sollen lebenslang gesperrt werden. Am Donnerstag entscheidet ein Richter über die weitere Untersuchungshaft.
psk/sid
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